Deponie Schelfwerder : Massenhaft Gift im Werderholz

Abgesperrt: Das eingezäunte Deponiegelände ist derzeit ein Paradies für Wildschweine.
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Abgesperrt: Das eingezäunte Deponiegelände ist derzeit ein Paradies für Wildschweine.

Erste Untersuchungen der Deponie Schelfwerder zeigen aber: Von der Müllkippe geht keine akute Gefahr für die Umwelt aus

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20. Juli 2015, 21:00 Uhr

Die Schranken sind verschlossen, Schilder weisen auf eine unbestimmte Gefahr hin. Die Mülldeponie Schelfwerder ist für die meisten Schweriner ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei ist durchaus bekannt, was da am Ufer des Schweriner Sees lagert: Bor, Sulfat, Schwermetalle, Chloride, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und, und, und. Insgesamt 900 000 Kubikmeter Hausmüll, Gewerbeabfälle, Bauschutt, Fäkalien und Müll der Roten Armee wurden bis 1989 ins Werderholz gebracht. Erst jetzt läuft ein so genanntes Monitoringprogramm um herauszufinden, ob Schadstoffe in den Schweriner See gelangen. Die ersten Messungen lassen dabei offenbar keine vollkommene Entwarnung zu. „In der Deponie gibt es hohe Schadstoffkonzentrationen“, sagt Harald Böhme vom städtischen Umweltamt. „Das Grundwasser muss deshalb beobachtet werden.“ Weil die Müllkippe aber auf einer dicken Torfschicht angelegt wurde, besteht die Hoffnung, dass die als Filter wirkt und das Gift zurückhält. Ob aber Oberflächenwasser in den See läuft, ist noch unklar. Denn einige Gräben, die im Luftbild nur noch schwer zu erkennen sind, sind weitgehend zugewachsen. Früher liefen etwa 30 bis 40 Prozent des Oberflächenwassers über diese Gräben in den See. „Diese Vorfluter wurden seit 20 Jahren nicht mehr gepflegt“, sagt Harald Böhme. „Eine direkte Verbindung zum See ist aber nicht auszuschließen.“ Das vor allem während des Frühjahrshochwasser zu überprüfen, hatte der Umweltausschuss schon Ende vergangenen Jahres gefordert.

Der amtierende Chef des Umweltamtes, Hauke Behr, gibt aber nach derzeitigem Erkenntnisstand Entwarnung. „Wenn überhaupt, läuft heute nicht mehr so viel Oberflächenwasser in den Schweriner See, weil sich der Müllberg gesetzt hat.“ Dadurch sei das Gefälle geringer geworden. Außerdem haben sich auf der Deponie Bäume, Büsche und andere Pflanzen prächtig entwickelt. „Die nehmen auch einen Teil der Schadstoffe auf“, so Behr. „Wir müssen die Gesamtwasserbilanz aber noch einmal abschätzen.“ Soll heißen: Es muss überprüft werden, wo das Regenwasser bleibt, dass auf der Müllkippe in Schelfwerder anfällt. „Doch selbst wenn Schadstoffe aus der Deponie ins Wasser des Schweriner Sees gelangen, werden sie so weit verdünnt, dass sie keine Gefahr darstellen.“

Und noch ein Indiz kann Hauke Behr für die Ungefährlichkeit des Müllberges im Werderholz anführen: Dort fühlen sich Wildschweine in großer Zahl wohl, die den Boden auf der Suche nach Futter großflächig umbuddeln. Hin und wieder wird ein Stück Schwarzwild geschossen oder von einem Auto überfahren. Untersuchungen des Fleisches haben dessen Unbedenklichkeit für den Verzehr nachgewiesen.

Wenngleich im Moment vorsichtige Entwarnung für die Deponie Schelfwerder gegeben werden kann – die Untersuchungen gehen weiter.

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