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Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 06:33 Uhr

Drogen in Schwerin : Marihuana im Ranzen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizei findet bei Kontrollen in Schulen immer wieder illegale Drogen. Expertin appelliert an die Verantwortung der Eltern

von
erstellt am 02.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Heidi Liebmann, Präventionsbeamtin bei der Schweriner Polizeiinspektion, schlägt Alarm: Ob Regionalschule, Gymnasium oder Berufsschule – es gäbe in Schwerin praktisch keine weiterführende Bildungseinrichtung, an der das Thema Drogen nicht eine Rolle spiele. Es werde konsumiert und gehandelt. Eindringlich appelliert Liebmann insbesondere an die Verantwortung der Eltern.

„Wenn wir eine Kontrolle in einer Klasse machen, finden wir immer etwas“, sagt die erfahrene Präventionsbeamtin. Marihuana-Tütchen im Schulranzen zum Beispiel. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt würden die Kontrollen durchgeführt – wenn ein konkreter Verdacht vorliege, unterstreicht Liebmann. „Wir kommen, wenn eine Schulleitung uns um Hilfe bittet.“

Und diese Hilfe werde regelmäßig angefordert, erklärt Liebmann. Dabei gehe es durchaus nicht nur um illegale Drogen, sondern auch um legale. Alkohol und Zigaretten seien für junge Leute unter 18 Jahren schließlich ebenfalls tabu, sagt die Präventionsbeamtin. Das Ordnungsamt achte bei den Kontrollen auf die Einhaltung des Jugendschutzes.

Ausdrücklich betont Liebmann: Bei den Drogenkontrollen der Polizei in Schulen handele es sich nicht um eine Form von Razzia. „Wenn wir eine Klasse aufsuchen und die Schüler bitten, uns ihre Taschen zu zeigen, dann setzen wir auf Freiwilligkeit.“ Empathisch gehe die Polizei vor, wolle niemanden vorführen. „Wir möchten Leben retten“, sagt Liebmann.

Die Präventionsbeamtin will keine Panik erzeugen: „Es gibt an den Schweriner Schulen keine offene Drogenszene.“ Aber es gäbe eben Schüler, die „Gras“ rauchten und es auch verkauften. Ihnen müsse geholfen werden, andere Jugendliche gelte es zu schützen. „Wir wollen die Kinder stark machen, verhindern, dass sie in die Sucht abrutschen“, sagt Liebmann.

Um Schülern beizustehen, die bereits mit Drogen in Kontakt gekommen sind, können die Präventionsbeamten auf ein Netzwerk mit vielen Partnern zurückgreifen. „Wir arbeiten unter anderem eng mit Beratungsstellen, Kliniken und dem Jugendamt zusammen“, sagt Liebmann. „Auch die Kooperation mit den Schulen ist gut.“

Gefragt seien aber vor allem auch die Eltern, sagt die Präventionsbeamtin. Sie müssten ein waches Auge auf ihre Kinder haben, ihnen Halt und Orientierung geben – und bei einem Verdacht auf Drogenkonsum auch die Schule und die Polizei informieren. Nur so könnten den jungen Leuten die Konsequenzen ihres Handels aufgezeigt werden, erklärt Liebmann.

Gelegentlich werden die Präventionsbeamten auch an Grundschulen gerufen. „Es kommt vor, dass Zehnjährige bereits Zigaretten mit in die Schule bringen“, sagt Liebmann.

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