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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 10:57 Uhr

Im Test : Marienplatz aus „Rolli“-Sicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kleine Schwellen werden für Gehbehinderte zu Hindernissen

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Der Marienplatz zehrt an den Kräften von Elisabeth Kienast. Wenn die kleine Frau mit ihrem Mann Burkhart unterwegs ist, muss sie rund 100 Kilogramm mehr bewegen. Burkhart sitzt im Rollstuhl. „Er ist zu schwach, um sich fortzubewegen“, sagt die Neuschwerinerin. Anders als der Rolli von Marita Klenke vom Polio-Verband besitzt der von Herrn Kienast keine Elektromotoren-Unterstützung. „Dann wird jede Schwelle zu einem Hindernis“, sagt seine Frau. Besonders die wenige Zentimeter hohen, grauen Schwellen auf dem Marienplatz bringen Elisabeth Kienast zum Ächzen.

Diese Schwellen seien ein Kompromiss, sagt Manfred Rehmer. Der Chef des Behindertenbeirats hatte die barrierefreie Sanierung des Marienplatzes überwacht. „Die Schwellen dienen Sehbehinderten mit ihren weißen Stöcken als Führungsschiene.“ Allerdings könnten sie farblich markiert werden, schiebt er ein.

Stadt und Nahverkehr hatten den Marienplatz nach bestem Wissen saniert, sagen Nahverkehrs-Chef Norbert Klatt und Bernd-Rolf Smerdka, Chef des Verkehrsmanagementes, übereinstimmend. „Aber die breiten Schienenrillen sind eine echte Falle“, sagt das Ehepaar Burkhart. Marita Klenke vom Polio-Verband gibt ihr Recht, obwohl sie mit Hilfe ihres Elektro-Motores gut voran kommt. „Wenn wir mit den kleinen Vorderrädern unserer Rollis in den Rillen hängen bleiben, kann das lebensgefährlich sein. Stellen Sie sich vor, es kommt eine Straßenbahn“, sagt sie.

Norbert Klatt und Bernd-Rolf Smerdka sind diese Probleme bekannt. Der Polio-Verband hatte den Vorschlag gemacht, Gummi-Einsätze in den Rillen zu installieren. Das sei in anderen Städten schon zur Anwendung gekommen, heißt es. Aber diesem Lösungsvorschlag erteilt Klatt eine Absage: „Diese Systeme halten nicht einmal ein Jahr, müssen ständig überwacht werden und sind so alles andere als preiswert.“ Hinzu komme, dass diese Gummi-Einlagen aus den Schienen springen können. „Dann liegen sie auf der Straße herum und sind eine noch größere Gefahr“, fügt der Nahverkehrs-Chef hinzu.

Am 29. November 2012 war der fertige Marienplatz übergeben worden. Für die Sanierung der Verkehrsflächen wurden 2600 Quadratmeter Natursteinpflaster, 130 Quadratmeter Mosaikpflaster und 2000 Quadratmeter Betonplatten verlegt. Kostenpunkt: 3,5 Millionen Euro.

 

 

 

 

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