Gülle in Stralendorf : Manchem Stralendorfer stinkt es

Beim Ausbringen von Gülle setzen viele Landwirte in der Region auf Schleppschlauchwagen. Auch  Walter Strube vom Obstbaubetrieb Stralendorf wendet dieses Verfahren an.
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Beim Ausbringen von Gülle setzen viele Landwirte in der Region auf Schleppschlauchwagen. Auch Walter Strube vom Obstbaubetrieb Stralendorf wendet dieses Verfahren an.

Einwohner beklagt die Gülletransporte auf die anliegenden Flächen – Landwirt verweist auf Kontrollen und bietet Gespräche an

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24. September 2017, 09:00 Uhr

In satten braunen Tönen glänzt die Erde im Sonnenschein. Ein schönes Bild für Spaziergänger und direkte Anwohner von Ackerflächen. Denn die Ernte die Raps- und Getreideernte ist abgeschlossen und die Landwirte beschäftigen sich nun mit Bodenbearbeitung, der Saatbett-Vorbereitung. Auch Gülle, Mist und Gärreste werden in diesen Tagen ausgebracht. Unter anderem passiert das derzeit bei Stralendorf. Einigen stinkt das. So beschwerte sich jetzt Karl-Heinz Borcherding am „Heißen Draht“ der Redaktion über den Geruch in seinem Heimatort. Der Stralendorfer hat seit drei Tagen die Gülle-Transporte beobachtet, die durch den Ort rollen und den organischen Dünger auf den Flächen Richtung Walsmühlen/Schlingen ausbringen. „Das ist deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen“, sagt er und bittet um Aufklärung. Seit 20 Jahren wohnt er in Stralendorf und habe so einen „intensiven Geruch“ bislang nicht wahrgenommen.

Eigentümer und auch Bewirtschafter der Fläche ist Walter Strube vom gleichnamigen Obstbaubetrieb in Stralendorf. Mit den Vorwürfen konfrontiert, reagiert Strube enttäuscht und auch verärgert: „Ich kann nicht verstehen, warum diese Bürger nicht mit uns sprechen“, sagt er und ist verwundert: „Erst einmal mit anderen reden oder bestenfalls Anzeige erstatten, statt den Bauern direkt anzusprechen. Wir sind doch keine Unmenschen“, betont Walter Strube. Der Landwirt bestätigt, dass auf seinen Flächen in den vergangenen Tagen Gülle ausgebracht wurde.

Einwohner Karl-Heinz Borcherding sorgt sich zudem um die Nitratbelastung im Wasser – auch direkt vor seiner Haustür und vermutet, dass zu viel Gülle auf den Flächen landet. Landwirt Strube widerspricht: „Wir halten uns an die Vorgaben, und das wird ja auch alles kontrolliert“, sagt er und verweist auf die Bodenanalysen und die ermittelten Nährstoff-Analysen. Gerne stellt er das interessierten Bürgern zur Verfügung. Bei ihm, so versichert Strube, könne jeder kommen und nachfragen. „Es ist gute Rindergülle, und die ist ein rares Gut. Damit aast niemand – es hierzulande schwer, Gülle zu bekommen. Wir wohnen schließlich in MV und nicht in Niedersachsen“, sagt Strube. Zudem sei nicht nur er, sondern auch seine Berufskollegen daran interessiert, das Bodenleben zu fördern. „Die Gülle muss stinken, damit sie auch was bringt. Denn das zeugt von Nährstoffen und Mikroorganismen“, so Strube. „Für die Bauern im Land ist Gülle ein wertvoller Dünger, der Stickstoff, Phosphor, Kalium und andere Nährstoffe enthält. Der Einsatz von organischen Düngern schließt Nährstoffkreisläufe und so wird der Bedarf an mineralischen Düngemitteln reduziert“, erklärt Claudia Kerber, Sprecherin des Landesbauernverbandes. Walter Strube nutzt die Rindergülle, um den Bodenmüdigkeitserscheinungen entgegenzuwirken. In diesem Jahr werde auf der Fläche Wintergetreide gedrillt. Zuvor hatte der Landwirt dort Raps angebaut. „Aber viel hilft nicht viel – das gilt auch für Gülle und allen anderen Dünger. Es gibt eine gute fachliche Praxis und die wird auch von den Landwirten umgesetzt“, sagt er mit Nachdruck.

Dass es in jeder Branche die so genannten Schwarzen Schafe gibt, räumt Strube ein. „Aber anstatt zu wettern, mutmaßen, wäre sicher ein Gespräch helfen. Ein guter Bauern erklärt seine Arbeit gern“, versichert der Stralendorfer.

Walter Strube würde es begrüßen, wenn die Skeptiker sich auch bei ihm melden. „Gern auch zum nächsten Erntefest. Ich gebe sogar eine Tasse Kaffee aus“, sagt der Landwirt.

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