Schlossfestspiele Schwerin : „Mala wird nicht zum Spielball“

Elefanten-Dompteur Sonni Frankello begegnet seinen Tieren auf Augenhöhe.
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Elefanten-Dompteur Sonni Frankello begegnet seinen Tieren auf Augenhöhe.

Nach Turbulenzen um Auftritt eines Elefanten bei Aida-Oper in Schwerin reist Theater-Intendant Kümmritz nach Platschow

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01. Juni 2016, 05:00 Uhr

Das heutige Treffen hat für Sonni Frankello höchste Priorität. Auf dem Elefantenhof in Platschow hat sich der Generalintendant des Schweriner Staatstheaters, Joachim Kümmritz, angekündigt. Und anders als noch im Februar wird der Theatermann diesmal ohne Kamerateams und Medienvertreter ins deutschlandweit einziges Elefantendorf kommen. „Es wird ein Gespräch auf Augenhöhe. Da bin ich mir sicher. Kümmritz ist ein Profi und wir haben einiges zu besprechen“, so der international geschätzte Elefantendompteur gestern gegenüber SVZ.

„Unsere Mala darf nicht zum Spielball werden. Die Sicherheit der Tiere hat in jedem Fall Vorrang. Da müssen alle Details vor der bevorstehenden ersten Probe auf dem Alten Garten geklärt sein. Ich hoffe sehr, dass Joachim Kümmritz uns die Sorge nehmen kann, dass unserem Elefanten und den Kamelen vor, während oder nach der Vorstellung etwas passieren könnte. Die Drohungen von selbst ernannten Tierschützern nehmen wir sehr ernst“, macht Sonni Frankello aus seinen Erwartungen an das Vier-Augen-Gespräch keinen Hehl.

Vor rund drei Monaten war aus Frankellos Traum, dass Elefantenkuh Mala bei Verdis Oper Aida während der Schlossfestspiele den Triumphmarsch am Ende des ersten Aktes anführen soll, über Nacht ein Albtraum geworden. Befürworter eines Wildtierverbotes für den Zirkus, denen sich Anfang des Jahres auch Schweriner Stadtvertreter angeschlossen hatten, fanden die Idee des scheidenden Theater-Intendaten Joachim Kümmritz, erneut große Tiere auf die Schweriner Sommerbühne zu holen, nicht lustig und liefen Sturm. Inzwischen ist es zwar ruhiger geworden, aber die Tierschutzorganisation Peta hält an ihren Protesten unvermindert fest.

„Die Debatte wird leider nicht sachlich geführt. So wie Joachim Kümmritz hätte sich jeder bei uns über die Lebensbedingungen der Elefanten informieren können. Täglich beantworte ich jede Menge Fragen der Besucher. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Experten bescheinigen uns, dass es unseren Dickhäutern, die seit mehr als 30 Jahren mit uns zusammen leben, gut geht und auch im Spezialtransporter artgerechte Bedingungen herrschen. Da wundert es schon, dass keiner der lautstarken Kritiker in den zurückliegenden Wochen das Gespräch vor Ort gesucht hat“, sagt Sonni Frankello. Er befürwortet ausdrücklich, dass die Gesamtproblematik der Wildtierhaltung offen und respektvoll diskutiert wird. Die Reaktionen in sozialen Netzwerken, vielfach von anonymen Autoren, seien aus seiner Sicht aber nicht hilfreich.

Für die etwa 30 Jahre alte Elefantenkuh Mala, die rund vier Tonnen auf die Waage bringt, ist ein Auftritt bei einer Theatervorstellung kein Neuland. „Sie ist stets mit Begeisterung dabei, hat schon bei Aida-Aufführungen in Stuttgart und in Belgien das Publikum begeistert“, so ihr Dompteur.

„Es kann ein Triumphzug werden, der dem hohen künstlerischen Anspruch des Schweriner Theaters gerecht wird“, ist sich Frankello sicher. 

Kommentar von Bert Schüttpelz: Kunst mit Elefanten
Die Tierschutzorganisation Peta hat erneut Protest gegen den geplanten Auftritt eines Elefanten bei den Schlossfestspielen angekündigt. Das steht ihr frei. Doch wo bleibt die Verhältnismäßigkeit? Warum protestieren die Tierschützer  nicht gegen den Transport von Reitpferden zu Rennen, von Brieftauben zu Wettflügen, von Hunden  und Kaninchen zu Agility-Turnieren? Die Elefantenkuh Mala ist bei Menschen aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren auf dem Elefantenhof Platschow, hat bereits bei „Aida“ mitgespielt und  reist in einem zertifizierten Elefantentransportwagen durch die Gegend – übrigens gerne, wie ich selbst gesehen habe. Wo also ist das Problem?  Natürlich kann ich sagen, ein  Papp-Elefant ist billiger. Doch Oper ist ein Gesamtkunstwerk. Möchten Sie etwa  auf dem Alten Garten Verdis grandiose Musik aus der Dose hören?
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