Schlossfestspiele Schwerin : Mala beschnuppert ihre Bühne

Für den ersten Ausflug des „Aida“-Elefanten auf dem Alten Garten hat Tierhalter Sonni Frankello den späten Montagnachmittag mit Opernprobe gewählt. Er will normale Bedingungen.
Für den ersten Ausflug des „Aida“-Elefanten auf dem Alten Garten hat Tierhalter Sonni Frankello den späten Montagnachmittag mit Opernprobe gewählt. Er will normale Bedingungen.

Elefantendame zeigt sich bei erster Probe für die Schlossfestspiele auf dem Alten Garten neugierig, entspannt und sehr gelassen

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27. Juni 2016, 21:00 Uhr

Langsam rollt der große Laster über das Kopfsteinpflaster heran, rangiert vor dem Theater und bleibt auf dem Ekhof-Platz stehen. Sonni Frankello steigt aus und öffnet die Seitentür des Trucks. Sofort tastet sich ein langer, grauer Rüssel heraus, nimmt Witterung auf. Und dann schauen große, braune Augen neugierig auf Schwerin. Sonni Frankello redet mit Elefantendame Mala, sagt ihr, dass sie den Kopf noch einmal einziehen muss und geht nach hinten. Gemeinsam mit Sohn Marlon entriegelt er die Türen des Trucks, lässt die Ladeklappe herunter und geht zu seinem Tier. Sie tätscheln sich. Mensch und Tier verbindet Freundschaft, unverkennbar.

Dann steigt Mala vorsichtig aus. Sie ist ruhig und entspannt, aber auch neugierig. Von Transportstress oder Angst vor Fremdem keine Spur. Sonni Frankello nimmt sie an die Führleine, die er eigentlich gar nicht bräuchte, denn Mala läuft ihm völlig selbstverständlich nach. Sie gehen auf den Ekhof-Platz, wo Jennifer Frankello mit geschickten Handgriffen rasch eine kleine Fläche mit mobilem Weidezaun eingezäunt hat. Mala angelt sich ein paar Lindenblätter, während Sonni Frankello mit dem Regieteam redet. Dann drehen sie – umringt von Schaulustigen – zwei Runden um die Bühne auf dem Alten Garten. Sie gehen genau den Weg, den der Elefant in der Vorstellung auch nehmen wird. Der Dompteur kennt sein Tier genau, lässt Mala in Ruhe schauen, anhalten und schnuppern, wenn sie mag. Aber eigentlich will sie nur eins: nah bei ihrem Freund sein. Die Szenerie mutet an wie Hund und Herrchen beim Gassi gehen, nur dass das Tier etwas größer ist.

Regisseur Georg Rootering schaut sich das Spektakel, das gar keines ist, aus dem Regiestand an. „Mit Tieren habe ich noch nicht gearbeitet, aber es ist kein Problem. Der Elefant verstärkt die Symbolsprache. Er setzt beim Triumphmarsch noch etwas Archaisches auf die Szenerie, in der die besiegten Äthiopier erniedrigt werden“, erläutert der Regisseur.

Dem Tier dürfte das egal sein. „Für Mala ist es eine willkommene Abwechslung“, sagt ihr Besitzer. Sie habe schon bei mehreren Opern unter freiem Himmel mitgewirkt und lasse sich auch vom Trubel der Musik nicht aus der Ruhe bringen.

Dann ist ihre Probe vorbei. Sonni Frankello steuert den Ekhof-Platz an, Mala trottet hinterher. Sie darf noch ein paar Minuten ausspannen, bekommt Elefanten-Leckerli. Dann geht es wieder nach Hause. Sie kennt die Prozedur, macht mehrfach im Jahr solche Ausflüge, geht völlig selbstständig, ohne Peitsche, ohne Stock, ohne Schubsen.

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