Landespastor im Interview : Mal Seelsorger, mal Manager

Seit September als Landespastor im Amt: Paul Philipps
Seit September als Landespastor im Amt: Paul Philipps

Landespastor Paul Philipps zieht nach einem halben Jahr im Amt eine erste Bilanz seiner Arbeit: Fachkräftebedarf größte Herausforderung

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03. Mai 2018, 05:00 Uhr

Im September vergangenen Jahres trat Paul Philipps die Nachfolge von Martin Scriba als Landespastor für Diakonie an. Gemeinsam mit Vorstandskollegin Henrike Regenstein steht der 55-Jährige an der Spitze des Diakonischen Werks in Mecklenburg-Vorpommern, unter dessen Dach rund 1000 Dienste und Einrichtungen tätig sind – von der Allgemeinen Sozialen Beratungbis zur Telefonseelsorge. Redakteur Christian Koepke sprach mit Paul Philipps über dessen Auffassung vom Amt des Landespastors, über Herausforderungen und über die Rolle der Kirche in MV.

Herr Philipps, zum Diakonischen Werk gehören 1100 Dienste und Einrichtungen mit insgesamt 14 500 hauptamtlichen Mitarbeitern. Betrachten Sie sich mehr als Seelsorger oder als Manager?
Paul Philipps: Mein Amt als Landespastor hat viele Facetten. Als Seelsorger kümmere ich um die Mitarbeiter in den Diensten und Einrichtungen, bin regelmäßig im Land unterwegs. Als Vorstandsvorsitzender eines großen Verbandes der freien Wohlfahrtspflege vertrete ich die Interessen unserer Mitglieder in der Öffentlichkeit. Ich bin Ansprechpartner für Politik, vor allem bei sozialen Themen.

Ein halbes Jahr sind Sie jetzt im Amt. Wie viele Einrichtungen konnten Sie in dieser Zeit denn schon besuchen? Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?
Rund 30 Häuser habe ich mir bereits angesehen, das reicht von integrativen Kindertagesstätten, über Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung bis zu einem Hospiz. Aber auch ein Forum zur Koordination ehrenamtlichen Engagements war dabei. Und lassen Sie es mich so sagen: Ich bin sehr beeindruckt von der Arbeit, die vor Ort geleistet wird.

Diakonie, das sind vor allem Menschen, die sich im Namen des evangelischen Christentums mit anderen für andere engagieren und damit unsere Gesellschaft lebenswerter machen. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihre Arbeit?
Die Mitarbeiter in den Einrichtungen, ob in der Pflege, im Jugendbereich oder bei anderen Hilfsangeboten, müssen die Unterstützung bekommen, die sie verdienen. Das betrifft zum einen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung, zum anderen aber auch die gesellschaftliche Wertschätzung. Wer im sozialen Sektor arbeitet, als Haupt- oder als Ehrenamtlicher, leistet einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt des Gemeinwesens. Die größte Herausforderung, vor der wir in den nächsten Jahren stehen, ist zweifellos die Sicherung des Fachkräftebedarfs.

Sie sind in Hamburg geboren, haben bisher in den alten Bundesländern gearbeitet. Wie erlebenSie Mecklenburg-Vorpommern ? Gibt es noch immer Unterschiede zwischen Ost und West?
Als Leiter des Predigerseminars der Nordkirche in Ratzeburg war ich auch für die Ausbildung der Vikare in Mecklenburg-Vorpommern zuständig und entsprechend viel auch in diesem Land unterwegs. Wenn ich nun in meiner neuen Funktion durch das Land reise, erlebe ich eine Bescheidenheit bei den Menschen, die ich als sehr angenehm empfinde. Es steht nicht immer das Geld an erster Stelle. Dazu kommt: Als Hamburger liegt mir die norddeutsche Mentalität, die uns verbindet. Persönlich fühle ich mich an meinem Dienst- und Wohnsitz Schwerin sehr wohl. Ich habe bereits das Staatstheater und das Staatliche Museum schätzen gelernt und auch eine Laufstrecke für mich entdeckt.

Die Diakonie ist ein wichtiger Arbeitgeber im Land. Auf der anderen Seite geht das gemeindliche Leben zurück. Nur ein kleiner Teil der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ist überhaupt kirchlich gebunden. Wie passt das zusammen?
Die Diakonie ist ein Teil der Kirche. Aus unserem christlichen Glauben heraus sind wir für alle Menschen da und helfen ihnen unabhängig von ihrem religiösen Hintergrund. In unsere Einrichtungen kommen viele Menschen, die mit Kirche nicht so viel zu tun haben. Sie erleben Kirche bei uns häufig noch mal in einer anderen Form. Kirche bedeutet nämlich nicht nur Gottesdienst, sondern auch Hilfe und Unterstützung in konkreten Lebenslagen. Darin sehe ich eine Chance für die Arbeit in den Gemeinden. Was wir brauchen, ist eine gute Vernetzung zwischen der Arbeit in den Kirchengemeinden und den Diakonischen Einrichtungen vor Ort.

Eine Frage noch, die viele Schweriner interessiert: Der Wichernsaal in der Apothekerstraße soll saniert werden. Wie ist der Stand der Dinge?
Mehr als 100 Jahre war der Wichernsaal eine feste Größe im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Ich freue mich, dass wir an diese Tradition anknüpfen können. Die Restaurierung und Instandsetzung des Wichernsaals als stadtgeschichtlich bedeutsames Einzeldenkmal ist dank der Fördermittel aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern möglich. Der aktuelle Stand ist, dass die europaweite Ausschreibung abgeschlossen ist und die Gewerke für die Planungsphase vergeben worden sind. Das Projekt befindet sich in der Feinabstimmung zur Planung. Wir rechnen mit einem Baubeginn im dritten Quartal dieses Jahres. Bis Ende 2020 werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
 

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