Pinnow : Mais bei Pinnow mit Nägeln gespickt

Das Corpus Delicti: Solche Nägel steckten im Mais.
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Das Corpus Delicti: Solche Nägel steckten im Mais.

Unbekannte haben Metall an Pflanzen deponiert – Maschine hat Sabotage erkannt

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23. November 2017, 05:00 Uhr

Meter für Meter arbeitet sich der Häcksler durch die gut zwei Meter hohe grüne Pflanzenwand. Reihe für Reihe verschlingt der Maishäcksler. Doch dann ertönt plötzlich ein Warnsignal. Der Metalldetektor schlägt an. Sekundenschnell blockiert das Häckselwerk, dafür sorgt das elektromagnetische Sicherheitssystem der Maschine. Eine Premiere für Fahrer Marcel Hartwig, eine, auf die er aber gern verzichtet hätte. Im Regen sucht er die einzelnen Pflanzen und die Fläche vor dem Schneidwerk ab. Schnell wird er fündig: Vier lange Nägel stecken in den Maiskolben und den Pflanzenstängeln. Ob das alles war, kann er nicht sagen. „Es wird langsam dunkel, es regnet und mehr kann ich momentan nicht erkennen“, sagt der Mitarbeiter des Landwirtschaftsbetriebs Hof Karp. Er hofft, dass es keine weiteren Nägel gibt. Denn noch ist sein Tagwerk nicht geschafft. Gut eine Stunde hat Marcel Hartwig durch die Nagel-Suchaktion verloren. Nach einer kurzen Absprache mit seinem Chef drückt er den Zündknopf der Maschine und es geht weiter. Der Schock ist ihm noch anzusehen. „Es ist sehr gefährlich. Denn solche Aktionen machen nicht nur die Maschine kaputt“, sagt Marcel Hartwig. Neben hohen Sachschäden können Menschen durch umherfliegende Maschinenteile verletzt werden. Auch könnten die Metallteile im Häcksler geschreddert werden und ins Futter gelangen. „Die Tiere würden dann innere Verletzungen bekommen und elendig leiden – schlimmstenfalls sterben“, sagt Landwirt Christian Karp. Es war der erste Fall von Metall im Mais auf seinen Flächen. Über die Gründe kann der Bauer nur mutmaßen. „Es könnte ein Dummer-Jungen-Streich gewesen sein, aber ebenso gut auch eine Aktion von Mais-Gegnern“, sagt Christian Karp.

Marcel Hartwig erklärt, wo der Metalldetektor positioniert ist.
Foto: Müller
Marcel Hartwig erklärt, wo der Metalldetektor positioniert ist.
 

In diesem Fall, war es seine eigene Maschine, die den Mais auf seinen Flächen häckselt. Oftmals bedienen sich Landwirte aber eines Dienstleisters. Lohnunternehmen haben bei solchen Metall-Aktionen das Nachsehen. Jürgen Cummerow, Vorstandsmitglied des Lohnunternehmerverbandes MV, kennt die Problematik bereits seit langem: ‚„Wir hatten vor elf Jahren die ersten Metallstangen im Mais. Doch diese Aktionen sind absolut sinnfrei und gefährlich. Leute, die so etwas tun, nehmen schwere Verletzungen von Mensch und Tier billigend in Kauf.“ Auch der Schaden an den Maschinen sei immens. Häcksler kosten mehr als 400 000 Euro, Schäden durch Metallteile belaufen sich laut Jürgen Cummerow schnell auf mehrere zehntausend Euro. „Was den Anbauer treffen soll, kommt bei den Falschen an. Darüber sollten die Leute nachdenken. Das sind weder Natur- noch Tierfreunde, das sind Straftäter“, betont der Landwirt.

Der Bauernverband MV verurteilt das unbefugte Einbringen von Metallteilen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen scharf. „Wir raten den Landwirten, aufmerksam bei den Erntearbeiten zu sein und bei Metallfunden auf den Äckern und Weiden die Polizei zu informieren“, sagte Sprecherin Claudia Kerber.

Die Polizei hat Christian Karp in diesem Fall nicht informiert. „Wir hatten Glück, es ging nichts kaputt und es war auch nur an wenigen Pflanzen“, sagt der Kraaker. Er hofft zudem, dass es bei diesem einen Fall bleibt.

Der Polizei im Nordwestkreis wurden in diesem Jahr keine Fälle gemeldet. „Wir kennen das Problem eher aus anderen Bundesländern“, sagt Nancy Schönberg, Polizeisprecherin für Nordwestmecklenburg.

Im Bereich der Polizeiinspektion Ludwigslust gab es im vergangenen Jahr ähnliche Fälle auf Feldern im Bereich des Amtes Goldberg-Mildenitz sowie bei Rom. Dort wurden Metallstifte an den Pflanzen angebracht. Der Schaden lag bei rund 140 000 Euro, die Ermittlungen laufen. Und in diesem Jahr sind drei neue Fälle hinzugekommen: Im Bereich Plau, Goldberg, Parchim gab es Metallfunde im Mais. „In allen Fällen handelt es sich nicht um Kavaliersdelikte, sondern eindeutig um Straftaten, die strafrechtlich verfolgt werden“, betont Polizeisprecher Klaus Wiechmann von der PI Ludwigslust. Den Tätern drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren sowie eine zivilrechtliche Klage.

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