Wittenburg Village : Machtkampf in der Metropolregion

So sehen die Planer „Wittenburg Village“ an der Autobahn 24.  Grafik: Stable International Development Germany GmbH
1 von 1
So sehen die Planer „Wittenburg Village“ an der Autobahn 24. Grafik: Stable International Development Germany GmbH

Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow sucht Kompromiss nach Ablehnung des „Wittenburg Village“ durch die Schweriner Stadtpolitik

von
08. August 2016, 05:00 Uhr

Die Schweriner Stadtvertreter sehen im geplante Factory Outlet-Center im „Wittenburg Village“ negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in Schwerin. Mit sieben Enthaltungen und zwei Gegenstimmen hatten sie deshalb die Oberbürgermeisterin beauftragt, beim zuständigen Ministerium Widerspruch gegen das Center einzulegen (SVZ berichtete). Das hat bereits für – gelinde gesagt – Verstimmung in der Region geführt. Tenor der Bürgermeister von Wittenburg, Zarrentin und Hagenow: Die ganze Region würde profitieren.

Deshalb versucht Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow eine Kompromisslösung zu finden. „Natürlich geht Innenentwicklung vor Außenentwicklung, aber das geplante Feriendorf und das Spaßbad und die Werbung für die Region – davon kann auch Schwerin profitieren“, zeigte sich die Oberbürgermeisterin bei einer Veranstaltung von IHK und Handwerkskammer überzeugt. Sie habe bereits mehrere Gespräche geführt und werde das auch fortsetzen. „Wir brauchen Kooperation statt Konfrontation“, sagte die Oberbürgermeisterin.

Differenziert sieht es auch Silvio Horn, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger und wie Gramkow Kandidat zur OB-Wahl. „Klar ist, das Outlet-Center mit dem Feriendorf wird Auswirkungen auf Schwerin haben – positive wie negative. Tagestouristen von dort helfen unseren Hotelbetrieben nicht. Insoweit ist es richtig, wenn Schwerin die Bedenken der hiesigen Unternehmen artikuliert. Denn auch Schweriner Interessen müssen berücksichtigt werden.“

Kopfschütteln für die Haltung der Stadtpolitik kommt von Martin Lorentz. Der Rechtsanwalt kandidiert ebenfalls bei der OB-Wahl – für Bündnis 90/Die Grünen. „Erst wollen alle, dass Schwerin in die Metropolregion Hamburg kommt. Und nun ist es fast soweit und parallel soll etwas in Wittenburg passieren, aber Schwerin ist dagegen. Das ist falsch.“

Das sieht auch Reimond Weding so. Der Bürgermeister von Pingelshagen arbeitet aber auch für einen der Investoren, die Van-der-Valk-Gruppe. „Immer nur das Outlet-Center herauszugreifen, ist für Kritiker einfach. Aber es ist eben nur ein Bestandteil.“ Es gehe auch um das Alpincenter selbst und seine Außenanlagen, um das Feriendorf und um die Schwimmhalle.

Das ist geplant für eine Investitionssumme von 75 Millionen Euro: Bei dem Projekt geht es um 85 Geschäfte mit insgesamt 12 600 Quadratmetern im Outlet-Center, es geht um 1600 Parkplätze und es geht um 1,5 Millionen Besucher im Jahr, die dadurch zusätzlich in die Region gelockt werden sollen. Für das Feriendorf, das sich an dem großen Vorbild der Gruppe in Linstow anlehnen soll, ist derzeit von 110 Ferienhäusern zu jeweils sechs Plätzen, von der Schwimmhalle mit Spaßbad und einer Saunaanlage die Rede. Zusätzlich soll die Kapazität des jetzt schon vorhandenen Hotels von 124 auf 248 Zimmer verdoppelt werden.

„Wir laden gern Schweriner Stadtpolitiker ein, sich vor Ort in Wittenburg ein Bild zu machen“, sagt Reimond Weding und verweist auf Linstow. Als dort vor 15 Jahren die Van-der-Valk-Gruppe ihr Feriendorf eröffnete, lagen auch Monate der lauten Kritik hinter ihnen. Heute ist der Nachbarort Krakow am See touristisch gewachsen und Kritik gäbe es keine mehr, berichtet Reimond Weding. „Unsere Entwicklung vom Van-der-Valk-Hotel & Alpincenter Hamburg-Wittenburg zum touristischen Projekt ,Wittenburg Village‘ ist für die Metropolregion Hamburg sicher auch ein bedeutsames Projekt in Größe und Attraktivität. Meine langjährigen Erfahrungen seit 2000 auf der RDA-Messe in Köln, Europas größte Gruppenreiseveranstalter-Messe, sagen, dass die Menschen sich gerne durch touristische Kernzentren mit einem umfangreichen, vielfältigen Angebot angezogen fühlen.“

Fakt ist jedoch: Nach geltendem Landesentwicklungsprogramm dürfte „Wittenburg Village“ nicht genehmigt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen