zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

21. Oktober 2017 | 16:14 Uhr

Selbsttest in Schwerin : Machbar, aber zeitintensiv

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil 3 des Selbsttests mit wenig Müll: Heute zieht unsere Redakteurin ihr Fazit

von
erstellt am 14.Aug.2017 | 14:00 Uhr

Meine Test-Woche ist geschafft. Und ich bin froh. Denn Müll zu vermeiden, ist anstrengender als gedacht: Eigentlich gehe ich in einen, manchmal auch in zwei Supermärkte und kaufe alles, was ich benötige. So aber nicht in der vergangenen Woche. Ich musste quer durch Schwerin in zig unterschiedliche Läden. Das war zum einen sehr zeitaufwändig und zum anderen auch wesentlich teurer als ein üblicher Wocheneinkauf.

Für mein frisch gemahlenes Mehl zahlte ich 1,62 Euro. Im Supermarkt reicht die Spanne von 0,32 bis 1,39 Euro für ein Kilogramm. Natürlich ist es frisch gemahlen und hat den Biostatus, aber in meinem Test ging es nicht darum, möglichst viele Bio-Produkte einzukaufen, sondern möglichst unverpackt. Und da blieb mir gar nichts anderes übrig, als zu diesem Produkt zu greifen. Und natürlich ist auch Fleisch, Wurst und Käse von der Theke teurer als eingeschweißte Ware. Dafür aber auch frisch. Und in meinem Müll landen wirklich nur ein paar Folien, die zwischen den unterschiedlichen Sorten liegen.

Tee und Schokolade: Beides kann ich mir im Teehaus und in diversen Confiserien abfüllen lassen. Doch auch hier muss ich mindestens das Doppelte zahlen. Bei Obst und Gemüse sieht es hingegen gut aus. In vielen Supermärkten gibt es Gurken, Paprika, Äpfel und Co. auch kostengünstig ohne Verpackung. Ebenso stellen Marmelade, Honig und andere Brotaufstriche kein Problem dar, denn sie sind ohnehin meistens in Gläsern abgefüllt. Auf ein paar Produkte musste ich ganz verzichten: wie zum Beispiel Kaffee. Ich habe in mehreren Läden im Schlosspark-Center nachgefragt, ob man mir Kaffee auch in meine mitgebrachten Gläser füllen könnte. Die Antwort: „Jaein“. Unter die Mühlen würden nur die eigenen Tüten passen, dann aber würde mir die nette Verkäuferin den Kaffee in mein Glas umfüllen. Nur bringt mir das recht wenig. Denn die Tüte wäre trotzdem benutzt und würde in den Müll wandern.

Ein weiteres Beispiel ist Duschgel. Das habe ich auch nicht unverpackt einkaufen können. Hingegen gibt es in bekannten Drogerien Badesalz, Badeperlen und Körperlotion in Gläsern. Deoroller werden auch im Glasgefäß verkauft, allerdings sind Deckel und Roller aus Kunststoff.

Auch Hundenahrung gibt es nicht unverpackt, nur Leckerlis. Was bleibt? Selbst kochen. Und auch für die Hinterlassenschaften meines Mopses nutze ich eigentlich die bekannten Kotbeutel. Im hauseigenen Garten kommt die Schaufel zum Einsammeln zum Einsatz, in der Stadt ist das natürlich unpraktisch.

Mein Fazit: Unverpackt in Schwerin einzukaufen ist noch schwierig. Der Zeit- und Kostenaufwand ist enorm. Doch es soll besser werden. Der Hof Medewege will bis Ende des Jahres weitere Produkte zum Abfüllen anbieten. So begrenzt sich sicher der Zeitaufwand. Und auch Geneviève Braune und Annemarie Boeck, die im Juni mit ihrer Idee des Ladens „Freie Konsum Kultur – FKK“ den Gründungswettbewerb gewonnen haben, wollen dem Plastikmüll in Schwerin den Kampf ansagen. Die beiden jungen Mütter brauchen noch das nötige Kleingeld, um einen Unverpackt-Laden eröffnen zu können. Sie versuchen sich im Crowdfunding – Geldspenden von Privatpersonen.

So ist eine spannende Woche zu Ende. Was bleibt? Sicher gehe ich weiter mit dem Stoffbeutel zum Bäcker, auch Obst und Gemüse werde ich weiter verpackungsfrei einkaufen. Auf Kaffee, Hundefutter und kostengünstige Schokolade kann ich aber nicht verzichten. Doch auch in Zukunft werde ich weiter darauf achten, was ich kaufe und wie oft etwas verpackt ist. Mein No-Go: Grillkäse. Er ist nicht nur einmal eingepackt, sondern gleich dreimal. Ob das auch der Vegetarier kauft? Dann grillt er zwar kein Tier, belastet aber die Umwelt enorm. Fragen – die bleiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen