Lust auf Mitmach-Medien

In der Medienbranche bewegt sich was – unternehmerisch und vor allem  redaktionell.
In der Medienbranche bewegt sich was – unternehmerisch und vor allem redaktionell.

Die Medienbranche ist in den Medien. Sie macht selbst Schlagzeilen. Zeitungen arbeiten zusammen, Verlage erhalten neue Besitzer und Medienexperten mahnen den Erhalt der Vielfalt an. Droht der journalistische Einheitsbrei? Nicht wirklich, sagt der Bund deutscher Zeitungsverleger: „Die Branche ist stark.“

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20. Januar 2009, 10:14 Uhr

Die WAZ-Mediengruppe (Nordrhein-Westfalen) fusioniert die eigenen Blätter, 275 Redaktionsmitarbeiter sollen gehen. Die „Süddeutsche Zeitung“ schließt Kündigungen als Antwort auf die Krise nicht aus, die Kosten müssen ’runter.

Es geht auch fantasievoller. Die Mantelredaktion dieser Regionalzeitung, Lieferant von Berichten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport für „Schweriner Volkszeitung“, „Norddeutsche Neueste Nachrichten“ und „Der Prignitzer“ wird als neue „mv:m redaktion gmbh“ demnächst auch den im Osten Mecklenburg-Vorpommerns erscheinenden „Nordkurier“ beliefern.

Helmut Heinen, Präsident vom Bund Deutscher Zeitungsverleger e.V., sagt: „Die Branche ist von sich aus stark genug, einiges zu überstehen.“ Der Geschäftsführer des Vereines, Jörg Laskowski , betont, dass das Anzeigengeschäft immer Spiegel der Wirtschaft sei. Deswegen wäre jede „Prognose wirklich nur eine Prognose“. Niemand wisse, welche Kreise die Krise noch zieht. Fest stünde dagegen: „Eine Zeitung braucht nun mal Personal, wenn sie erscheinen will.“

Die Rechnung „Finanzkrise gebärt Medienkrise“ greift aber zu kurz. Hat doch die Finanzkrise auch Trends und Schieflagen zu Tage gefördert, die sehr viel älter als die Flaute sind. So verlieren Zeitungen ihr Publikum, weil sich im Zuge neuer Technik schlicht die Nutzergewohnheiten der Leser geändert haben. Michael Haller, Journalistik-Professor an der Universität Leipzig, spricht von einem Strukturwandel, der geprägt ist „von der wachsenden Lust des Publikums an Interaktion“.

Wer sich durch Online-Medien klickt, informiert sich aktiv, kann Texte tagesaktuell kommentieren, erfährt vom Unfall auf der Umgehungsstraße am selben Tag. Das ist attraktiv. Eine Wende habe sich eingestellt, die noch nicht alle Verlage vollzogen hätten. „Geht man in manche Zeitungshäuser, findet man eine Trutzburg, ein Festhalten an alten Auffassungen“, so Haller. Aber: Moderne Leser und moderne Nutzer haben Hunger auf guten Journalismus. Man muss sie bedienen, füttern quasi. Und zwar mit Qualität, sonst verhungert die Zeitung.

Angst vor Online? Dann ist Angriff die beste Verteidigung. Crossmedialität lautet das Zauberwort, das sich auch im Motto des heute beginnenden Journalisten-Kongresses in Schwerin ausdrückt: „Print mal Online gleich Qualität hoch zwei“.

Der Zeitungsverlag Schwerin baut bereits seit 1994 auf diese Formel – er war als erste Tageszeitung Deutschlands im Internet. Germanisten sollten sich darüber nicht wundern: Der Begriff „Zeitung“ wurde erst im 18. Jahrhundert auf die Bedeutung „Nachrichten auf Papier“ reduziert. Vorher verstand man darunter jedwede Nachricht. Gut gemacht, wird „Zeitung“ noch lange Zeitung bleiben.

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