Schweriner Zukunftswerkstatt : Lust auf Arbeit machen

Urgesteine und Partner der Zukunftswerkstatt feierten den 25. Geburtstag des Vereins: Axel Höhn, Gerlinde Haker, Rolf Steinmüller und Erika Sembritzki und Ilka Wilczek (v.l.).
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Urgesteine und Partner der Zukunftswerkstatt feierten den 25. Geburtstag des Vereins: Axel Höhn, Gerlinde Haker, Rolf Steinmüller und Erika Sembritzki und Ilka Wilczek (v.l.).

Zukunftswerkstatt versucht für ihre „Kunden“ möglichst sinnvolle und befriedigende Tätigkeiten zu finden

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08. September 2017, 08:00 Uhr

Sie schneidern bunte Kostüme für Schweriner Kitas, sie bauen Vogelhäuschen für die Forstwirtschaft, sie helfen den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen bei Pflegemaßnahmen. Das ist nur ein kleiner Querschnitt von so genannten Arbeitsgelegenheiten, die die Schweriner Zukunftswerkstatt für ihre „Kunden“, also Langzeitarbeitslose, organisiert. Seit 25 Jahren gibt es diese Einrichtung in Schwerin. Fanden zu Beginn noch viele hundert Menschen hier eine Beschäftigung, so sind es heute im Durchschnitt 60, die jeweils ein halbes Jahr vom Jobcenter finanziert werden.

Axel Höhn war Baudezernent, als die Zukunftswerkstatt 1992 von der Stadtvertretung aus der Taufe gehoben wurde. Seit einigen Jahren leitet er die Einrichtung – mit viel Herzblut und einer klaren Ausrichtung: Die Arbeit, die die Menschen hier erledigen, soll sinnvoll sein und dazu führen, dass sie sich am Feierabend freundlich und zufrieden verabschieden. „Das war nicht immer so“, sagt Höhn. Einige Maßnahmen in der Vergangenheit seien reine Beschäftigung gewesen, hätten zu mehr Frust als Lust geführt.

Stadtvertreter Rolf Steinmüller gehörte zu den Gründungsvätern der Zukunftswerkstatt, bis heute sitzt er im Vereinsvorstand. „Wir standen damals unter dem Schock, dass kurz nach der Wende so viele Menschen arbeitslos wurden“, sagt er. „Uns ging es darum, dass sie in der Übergangszeit zu einem anderen Job nicht in ein tiefes Loch fallen, nicht den Elan verlieren.“ Gesunde und kräftige Menschen wollen und sollen arbeiten und ihren Teil zum guten Leben in dieser Gesellschaft beitragen. Diese Grundüberzeugung sei zur Wendezeit wichtig gewesen und sie sei nach dem großen Flüchtlingszustrom jetzt aktueller denn je.

Der in Schwerin als „Schleifmüller“ bekannte Waldemar Leide war selbst einmal „Kunde“ der Zukunftswerkstatt, hat den Umzug von Görries nach Warnitz mit vorbereitet und den Kontakt zur Zukunftswerkstatt nie verloren. Wenn die Schleifmühle ein Problem hat, kann sie sich jederzeit an die Zukunftswerkstatt wenden. Leide dankte dem Verein anlässlich dessen Geburtstagsfeier im großen Garten auf dem Gelände der alten Warnitzer Dorfschule. Weggefährten, Nachbarn und Partner der Zukunftswerkstatt waren gekommen, darunter Ilka Wilczek, Werkleiterin der SDS, und eine Abordnung des Jobcenters. Von dem wünscht sich Axel-Höhn eine bessere Zusammenarbeit, wenn es um die Genehmigung von Maßnahmen geht. „Zurzeit bekommen wir erst acht Wochen vor Projektstart Bescheid, ob es finanziert wird“, sagt er. „Das ist zu kurzfristig.“ Von der Stadtverwaltung wünscht er sich mehr Aufmerksamkeit. Zur Geburtstagsparty waren OB und Sozialdezernent eingeladen, beide ließen sich aber entschuldigen – wichtigere Termine.

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