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Unerlaubte Ferienwohnungen? : Luftmatratze mit Frühstück illegal?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Private Übernachtungen immer beliebter: Schwerin kämpft um Gäste, aber duldet illegale Ferienwohnungen – anders als andere Städte

svz.de von
erstellt am 07.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Billiger als viele Hotels, aber auch legal? Zu teuer, zu anonym – statt Hotelbetten buchen Urlauber immer öfter private Ferienunterkünfte, teils mit Familienanschluss. Auch Schwerin ist auf einschlägigen Internet-Portalen wie Airbnb, 9flats und Wimdu mit rund 80 privaten Unterkünften vertreten. Die Preise liegen zwischen 20 und 150 Euro pro Nacht. Dabei reichen die Angebote von der Luftmatratze auf dem Boden bis hin zum Luxus-Appartement. Den Trend bestätigt auch das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Aris. Demnach würden 27 Prozent der Internetnutzer auf das Angebot von Online-Vermittlungen für private Zimmer zurückgreifen.

„Im erweiterten Schweriner Innenstadtgebiet gibt es rund 100 Ferienwohnungen, aber davon ist nur etwa jede zehnte angemeldet“, sagt Bauamtsleiter Günter Reinkober. Und die Illegalität ist in vielen Urlaubsregionen das Problem. Aus diesem Grund hat das Tourismusministerium MV als oberste Bauaufsicht des Landes einen „Handlungsleitfaden zur bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Zulässigkeit von Ferienwohnungen“ herausgegeben. Dieser wird von vielen urlauberreichen Gemeinden in den Küstenregionen begrüßt.

Aber anders als zum Beispiel die Bundeshauptstadt Berlin und die Metropole New York duldet Schwerin die „illegalen“ Ferienunterkünfte weiter. Ende Mai hatte New York die Kurzzeit-Wohnbörse Airbnb für illegal erklärt. Auch Berlin will private Übernachtungsangebote künftig mit Strafen belegen. Die Millionenmetropolen begründen ihre Entscheidung mit knapper werdendem Wohnraum, steigenden Mietpreisen und verloren gehenden Steuereinnahmen. Kaum einer hat seine private Ferienwohnung gewerblich angemeldet – genauso wie in Schwerin.

„Wir ahnden keine nicht angemeldeten Ferienwohnungen“, sagt Reinkober weiter. Fallen diese aber durch Beschwerden auf, würden Kontrollen folgen. Diese Vorgehensweise der Stadt findet Rückhalt im Leitfaden des Landes: „Ob eine unzulässige Ferienwohnnutzung bauaufsichtlich für eine gewisse Zeit hingenommen werden kann, kann nicht generell, sondern nur im Einzelfall entschieden werden.“

„Wir haben also einen gewissen Ermessensspielraum“, erklärt der Bauamtschef weiter. Allerdings werde die Stadt bei neuen Anträgen strenger sein. „Wir geben heute keine Erlaubnis mehr für Ferienwohnungen in Wohn- und Mischgebieten heraus.“ Vor der Kulisse der sinkenden Übernachtungszahlen in Schwerin, ist die Stadt der sieben Seen anders als Berlin und New York auf jeden Touristen angewiesen. Die Auslastung der Hotels- und Übernachtungsbetriebe hatte im vergangenen Jahr mit rund 35 Prozent weit unter dem bundesdeutschen Durchschnitt gelegen. Das sagt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband. Als gesund würden 40 Prozent gelten (SVZ berichtete). Hoteliers könnten die privaten Zimmerangebote deshalb durchaus als Konkurrenz wahrnehmen. Durch die Duldung der Stadt sind diese von der umstrittenen Bettensteuer befreit, wie Reinkober bestätigt.

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