Gerichtsurteil : Lottis Jäger darf nicht genannt werden

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Boxerdame Lotti.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Boxerdame Lotti.

Landgericht Schwerin untersagt der SVZ, den Namen zu veröffentlichen. Früherer weitergehender Beschluss zurückgenommen.

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26. August 2015, 21:00 Uhr

Die Schweriner Volkszeitung darf künftig weder den Namen noch den Wohnort eines Jägers nennen, der in der Nähe von Schossin südlich von Schwerin einen Hund erschossen hat. Das hat das Landgericht Schwerin gestern entschieden. Die Richter urteilten, die Persönlichkeitsrechte des Jägers würden verletzt, wenn sein Name im Zusammenhang mit dem Tod des Hundes in der Zeitung genannt wird. Der Schutz dieser Rechte sei in diesem Einzelfall wichtiger als das Recht der Presse, in allen Details über den Vorfall zu berichten, da es sich nicht um eine schwerwiegende Straftat handelt.

Der Jäger hatte Anfang März diesen Jahres die Boxerhündin Lotti erschossen, die sich von ihrem Herrchen während eines Spaziergangs losgerissen hatte. Der Tod des Hundes hatte die Besitzer schwer getroffen und empört. Gegenüber der SVZ rechtfertigte der Jäger die Schüsse auf den Hund. Da dieser gewildert habe, habe er ihn erschießen müssen, um Wildtiere zu schützen.

Allerdings sah sich der Jäger nach einem SVZ-Artikel über den Vorfall öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt und verlangte von der Zeitung, ihn nicht mehr namentlich zu nennen. Er bestritt auch, jemals zugestimmt zu haben, dass sein Name im Zusammenhang mit Lotti in der Zeitung stehen darf.

SVZ-Chefredakteur Michael Seidel sagte, er könne mit dem Urteil des Landgerichts leben. „Das Gericht hat uns einen wertvollen Fingerzeig gegeben, in welchem Rahmen wir in jedem Einzelfall zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechten abwägen müssen.“ Zufrieden nahm Seidel zur Kenntnis, dass das Gericht einen viel weitergehenden früheren Beschluss zurücknahm. Danach hätte über den „Fall Lotti“ nur noch in vagen Andeutungen berichtet werden können, was laut Seidel einer Einschränkung der Pressefreiheit gleichgekommen wäre. Seidel sagte, es sei generell Aufgabe der Presse, transparent zu berichten. Gerade in der Lokalberichterstattung sei es darum auch wichtig, „Ross und Reiter namentlich zu nennen“, um bei den Lesern glaubwürdig zu bleiben.

Der „Fall Lotti“ ist noch nicht abgeschlossen. Ihr Herrchen hat Strafanzeige gegen den Jäger wegen illegaler Tierkörperbeseitigung gestellt. Der Jäger hatte den Hund nach eigenen Angaben irgendwo im Wald vergraben.

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