Wittenförden : Löschen wie vor 180 Jahren

Im Zehn-Sekunden-Takt reichte Bürgermeister Matthias Eberhard (2.v.r) die Wassereimer aus dem Dorfteich an sein Helfer weiter.  Fotos: Katja Müller
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Im Zehn-Sekunden-Takt reichte Bürgermeister Matthias Eberhard (2.v.r) die Wassereimer aus dem Dorfteich an sein Helfer weiter. Fotos: Katja Müller

Wittenfördener feiern großes Jubiläum der Brandschützer: Bürgermeister beweist, dass eine Eimerkette funktionieren kann

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24. Juni 2019, 05:00 Uhr

Es brennt im Dorf. Keine Feuerwehr, die ausrückt. Menschen müssen das Wasser mit Eimern vom Dorfteich zum Gemeindehaus tragen. In Wittenförden ist das 180 Jahre her. Damals wurde beschlossen, die Wehr mit einer Spritze auszustatten. Das war auch der Grundstein für die heutige Brandschutztruppe. Wie es sich heute anfühlt, mehr als 1000 Liter einen knappen Kilometer durch das Dorf zu „eimern“, haben die Einwohner am Sonnabend ausprobiert. Sie wollten ihrem frisch gewählten Bürgermeister den Rücken stärken. Denn Matthias Eberhard hat gewettet, dass er es schafft. Und er hat gewonnen.

Zahlreich strömten die Bürger Wittenfördens schon weit vor dem Startschuss zum „großen Paul“, um aus dem Dorfteich das Wasser zu schöpfen, das am Gemeindehaus gesammelt wurde. Denn dort stand Mandy Hopp von der Feuerwehr und Wett-Gegnerin. Sie musste sich aber schon vor Ablauf der 45 Minuten geschlagen geben. „Es kamen so viele und manche sind sogar zwei Mal mit dem Eimer zum Großen Paul und zurück, so dass unser Fass schon überlauft“, sagte sie und ist dennoch zufrieden. Denn Teil der Aktion war es, die Wittenfördener aus ihren Häusern zu locken. Im Festausschuss wurde die Idee der Eimer-Wette geboren.

Horst Röpert ist begeistert von der Idee. Immer wenn in Wittenförden etwas los ist, dann kommt auch er. Röpert ist ein waschechter Wittenfördener. Dort geboren, auch aufgewachsen und heute immer noch da. „Meine Familie wohnt hier seit gut 200 Jahren“, erzählte er und ließ es sich dann doch nicht nehmen, auch seinen Unmut über die Zuhause-Bleiber zu äußern. „Es ist schön, wenn Dörfer wachsen. Allerdings lebt die Dorfgemeinschaft von Teilnehmern. Es blieben immer noch zu viele zu Hause, wenn etwas los ist. Die Menschen scheinen hier nur zu schlafen und zu wohnen.“

Auch der kleine Luis gehört zu den Wittenfördenern – jedoch zu den jüngsten. Während die Erwachsenen das Wasser eimerweise durch den Ort schleppten, setzte er auf den Schlauch. Wie auch seine Eltern will er in die Wittenfördener Wehr eintreten.

Nachdem der Bürgermeister die Wette gewonnen hatte, konnte das große Fest starten. Es gab viel Spaß für die kleinen und großen Gäste, abends Tanz und am Sonntag wurde dann auch der Wetteinsatz eingelöst und der Bürgermeister mit Sänfte von der Feuerwehr durch das Dorf zum Festgottesdienst getragen.

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