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22. November 2017 | 16:07 Uhr

Linke: Staatstheater in Landeshand

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erstellt am 17.Apr.2012 | 07:53 Uhr

Schwerin | Die Linksfraktion im Landtag hat gestern als erste politische Kraft ein umfassendes Theaterkonzept vorgelegt. Weit vor dem vom Kultusministerium für den Herbst angekündigten Lösungsvorschlag in der aktuelle Theaterkrise, legt die Linke ein Drei-Säulen-Modell "zur Zukunftssicherung der Theater und Orchester in Mecklenburg-Vorpommern" vor. Im Kern geht es da rum, das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin in Landesträgerschaft zu übernehmen.

Mit den anderen kommunalen Theatern im Land soll dann ein Theatervertrag geschlossen werden, der u.a. die Verteilung der verbleibenden Landeszuschüsse - ohne die bisherigen Mittel für das Schweriner Theater - regelt.

Zudem sei die Übernahme des Mecklenburgischen Staatstheaters in Landesträgerschaft ein symbolischer Akt des Bekenntnisses der Landesregierung für Kunst und Kultur, begründet der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Torsten Koplin. Die Stadt Schwerin würde von ihren jährlichen Zuschüssen von 6,6 Millionen Euro sowie von Sonderzuweisungen - zuletzt 1,2 Millionen Euro - gänzlich befreit.

Mit der zweiten Säule sollte eine Landesstiftung zur Förderung von Kultur und Tourismus errichtet werden. In der dritten Säule würden alle Möglichkeiten erfasst, die Standorte zu konsolidieren. "Es ist an der Zeit, dass die Theater und Orchester des Landes nach Jahren der Unsicherheit und existenziellen Bedrohung endlich zuversichtlich in die Zukunft blicken können", sagte Torsten Koplin. Der Erhalt der Qualität und Vielfalt der Theater und Orchester sei für eine demokratische Gesellschaft insgesamt unerlässlich. Zugleich argumentiert die Linke damit, die derzeit 1400 Arbeitsplätze an den vier Mehrsparten- und zwei Einsparten-Theatern im Land zu erhalten.

Die Förderung durch das Land soll weiter über den Kommunalen Finanzausgleich erfolgen, der finanzielle Mehrbedarf über den Theatervertrag ausgeglichen werden. Aufgrund der Lohnunterschiede in den einzelnen Sparten schlägt die Linke vor, eine dynamisierte und differenzierte Förderung zu initiieren. Die extrem schlecht bezahlten Künstler im Schauspiel und Tanz sollen eine überproportionale Anhebung ihrer Entgelte erreichen.

Finanziert wird das Konzept der Linksfraktion einerseits durch die bisherigen Landesmittel, die um jährlich drei bis fünf Millionen Euro steigen. Andererseits schlägt die Linke eine "Stiftung Kultur und Tourismus" vor, die sich neben Spenden aus einer Bettensteuer von zwei Euro je Übernachtung in den theatertragenden Kommunen und später im gesamten Land tragen soll. Den Kapitalstock soll das Land mit einer Einmalzahlung von 20 Millionen Euro bilden. Nach dem Vorschlag soll die Stiftung auch Kinder- und Jugendkultur, die freie Kultur- und Kunstszene, den sanften Tourismus usw. fördern. Berechnungen zufolge könnten jährlich 5,7 und später 20 Millionen Euro eingezahlt - und ab 2020 etwa 2,5 Millionen ausgeschüttet werden. Allerdings muss der Beitritt zu der Stiftung von den Kommunen selbst beschlossen werden.

Der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Staatstheaters, Michael Jungrichter, bezeichnete das Konzept als "erfolgversprechend". Er äußerte aber Zweifel daran, ob es im Landtag durchsetzbar sei. Auf einen Hilferuf des Vereins, der jeden Landtags- und Bundestagsabgeordneten in der Theaterkrise angeschrieben hatte, haben lediglich vier Abgeordnete geantwortet. Generalintendant Joachim Kümmritz sagte, er sei froh, dass ein Konzept der Politik auf dem Tisch liege, hatte aber Zweifel an den verarbeiteten Zahlen. Der Intendant des Landestheaters Parchim, Thomas Ott-Albrecht, kritisiert den Zeitpunkt des Konzeptes. Die Aussagen seien zu vage, das Kultusministerium erfasse die Theaterdaten landesweit derzeit erst.

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