Singende Schweriner : Lieder wecken Erinnerungen

Übungsstunde im Holstein-Haus: Steffen Höschele leitet den Chor mit Demenzerkrankten und ihren Angehörigen, den es seit September vergangenen Jahres in Schwerin gibt.
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Übungsstunde im Holstein-Haus: Steffen Höschele leitet den Chor mit Demenzerkrankten und ihren Angehörigen, den es seit September vergangenen Jahres in Schwerin gibt.

Im Schleswig-Holstein-Haus trifft sich jede Woche ein Chor, in dem Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen singen

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12. Januar 2018, 08:00 Uhr

„Der Text muss fließen“, sagt Steffen Höschele und hebt seine Hände. „Zieht doch das Hollahi, hollaho ein bisschen mehr in die Länge.“ „Horch, was kommt von draußen rein“, singt der 34-Jährige mit dem Chor im Schleswig-Holstein-Haus. Neun Frauen und Männer sitzen im Kreis, lauschen, achten auf den Takt, den der Chorleiter vorgibt. Singen mit Freude.

Es sind bekannte Lieder, Lieder, die Erinnerungen wecken sollen, die an diesem Vormittag im Holstein-Haus erklingen. „Die Gedanken sind frei“, „Kein schöner Land in dieser Zeit“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“, „Lalelu“ oder auch „Guten Abend, gute Nacht“. Und es ist ein besonderer Chor, der sich in der Puschkinstraße 12 zum Üben getroffen hat: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Höschele moderiert die Lieder an, spielt die Melodien am Klavier, spart nicht mit Lob. „Das habt Ihr wirklich toll gemacht“, sagt er zu seinen Sängern. Die Motivierung steht im Vordergrund. Wer im Chor mitsinge, solle vor allem Spaß haben, die Gemeinschaft und die Erfolgserlebnisse genießen, erklärt der Chorleiter. Musik tue Demenzerkrankten gut, das hätten Studien immer wieder gezeigt.

Seit September vergangenen Jahres gibt es den Chor, der in Zusammenarbeit zwischen Konservatorium und Volkshochschule entstanden ist. Partner sind das Zentrum Demenz, der Helferkreis Schwerin sowie der Fachdienste Gesundheit der Stadt. Die Proben finden jeden Mittwoch von 10.30 bis 11.30 Uhr statt. „Wenn wir vollzählig sind, hat unser Chor schon 22 Mitglieder“, berichtet Höschele stolz.

„Das Singen im neuen Chor hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht“, sagt die 76-jährige Ingrid. Früher habe sie im Schulchor gesungen, entdecke nun die alten Lieder neu. Auch Gisela Wolf hat Erfahrungen mit dem Gesang. „Mein Vater war Lehrer. Da haben wir zu Hause immer musiziert. Später bin ich Mitglied in mehreren Chören gewesen“, erzählt die 90-Jährige. Der Chor im Schleswig-Holstein-Haus sei eine schöne Abwechslung und der Mittwoch so ein besonderer Tag.

Begleitet wird Gisela Wolf zu den Übungsstunden von ihrem Sohn Winfried. „Meine Mutter braucht die verteilten Liedtexte nicht. Sie kann viele Lieder noch auswendig. Die Texte nehme ich dann“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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