Weltmeisterschaft im Eisschwimmen : Lewitzer Eisvögel sind zurück

Von Anspannung keine Spur: Solveig Leo und Anneliese Benthin (r.) freuen sich auf ihrem Start beim Eisschwimmen in Tjumen. Sie starteten auf der 25-Meter-Strecke. Fotos: privat (2)
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Von Anspannung keine Spur: Solveig Leo und Anneliese Benthin (r.) freuen sich auf ihrem Start beim Eisschwimmen in Tjumen. Sie starteten auf der 25-Meter-Strecke. Fotos: privat (2)

Solveig Leo aus Banzkow und Anneliese Benthin aus Neustadt-Glewe nahmen erstmals teil

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16. März 2016, 12:00 Uhr

Sie waren entschlossen: Solveig Leo aus Banzkow und Anneliese Benthin aus Neustadt-Glewe sind ins sibirische Tjumen aufgebrochen und haben an der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen teilgenommen. Am 9. März stiegen sie in das eiskalte Wasser des Flusses Tura – bei null Grad Wasser- und minus zwölf Grad Lufttemperatur. „Das war ein aufregender Tag. Aber es ging alles gut“, erzählt die Banzkowerin.

Die Frauen starteten auf der 25-Meter-Strecke. Solveig Leo (72) belegte mit der Startnummer 21 in ihrer Altersklasse den fünften Platz, Anneliese Benthin (69) mit der Nummer 20 sicherte sich in ihrer Altersklasse den elften Rang. Jeder hat knapp eine halbe Minute für diese Distanz gebraucht – und sie waren danach keineswegs erschöpft. Dafür aber krebsrot, der Körper angenehm warm – und voller Adrenalin. „Wir hätten glatt noch mal die 25 Meter schwimmen können“, sagt die Neustädterin. Was natürlich nicht ging.

Denn nach ihnen wollten noch andere loslegen. Insgesamt stiegen 1300 Schwimmer aus 33 Ländern in das eiskalte Wasser. Gestartet wurde in Brust- und Delfinschwimmen sowie im Freistil auf Strecken von 25 bis 450 Meter. Die Veranstalter hatten einen Abschnitt des Flusses als Schwimmstrecke mit zehn Bahnen ausgewiesen. Er ähnelte einem Becken – war es aber keineswegs. „Unter der Schwimmstrecke war das Flussbett. Und damit keiner verloren ging, passten Froschmänner auf“, erzählt die 72-Jährige. „Auf Sicherheit wurde sehr geachtet.“

Für Solveig Leo und Anneliese Benthin war es das erste Mal, dass sie an solch einer Meisterschaft teilnahmen.

Im Herbst hatte die Banzkowerin vom Eisschwimmen gehört. Sie wurde hellhörig, wollte mehr darüber wissen und hat sich im Internet kundig gemacht. Und erfahren, dass die zehnte Weltmeisterschaft vom 8. bis 12. März im russischen Tjumen stattfindet. Seitdem ließ sie der Gedanke nicht los. Der Reiz, dabei sein so wollen, war groß. Aber allein wollte sie nicht. Sie erinnerte sich an ihre ehemalige Arbeitskollegin Anneliese Benthin, beide haben früher bei der Agrarindustrievereinigung Lewitz gearbeitet. Und beide sind leidenschaftliche Schwimmerinnen. Die Banzkowerin steigt regelmäßig beim Neujahrsschwimmen in ihrer Gemeinde in die Stör. Und vom Frühjahr bis zum Spätherbst sowieso in den Fluss und legt dann Strecken bis zu einem Kilometer zurück. Auch ihre frühere Kollegin, die zu Hause den Neustädter See vor der Tür hat, dreht ihre Runden, noch bevor die Badesaison überhaupt losgeht. Insofern sind beide abgehärtet. Anneliese Benthin geht zudem zweimal in der Woche in die Sauna und duscht kalt. Auch Solveig Leo dreht morgens beim Duschen den Warmwasserhahn nicht mehr auf. „Sich kalt zu duschen, das ist nur eine Frage der Gewöhnung“, sagt sie. Und: Beide machen Sport. Die Neustädterin in einer Gymnastikgruppe für Frauen, die Banzkowerin zu Hause.

Alles zusammen gute Voraussetzungen für solch ein Schwimm-Event. Davon waren die Frauen überzeugt. Aber wollten sie sich das wirklich antun? Die Anreise. Der Wettkampf. Alles unbekanntes Terrain. Aber die Versuchung siegte. „Wir wollten die Chance nutzen, um später nicht sagen zu müssen: ,Hätten wir mal, und wären wir mal’“ , sagt Solveig Leo. An die große Glocke wollten sie ihren Trip nach Tjumen dennoch nicht hängen. Nur ihren engsten Familienmitgliedern erzählten sie davon. Anneliese Benthins Mann Eckhard schenkte den Frauen vor der Abreise T-Shirts mit der Aufschrift „Lewitzer Eisvögel“, das sie mit Stolz trugen.

Die Frauen schlossen sich über ein Reisebüro einer Sportgruppe an. Von Berlin ging es mit dem Flieger zunächst nach Moskau und dann weiter nach Tjumen, der Hauptstadt von Westsibirien. Die 800  000 Einwohner zählende Stadt ist 4500 Kilometer von Berlin entfernt.

Die fünf Tage seien beeindruckend gewesen. Darin sind sich Anneliese Benthin und Solveig Leo rückblickend einig. zeigen.

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