Banzkow : Lewitzer Eisvögel fliegen zur WM

Diesmal konnten Solveig Leo aus Banzkow und Anneliese Benthin (r.) aus Neustadt-Glewe wegen der Eisdecke nicht in der Stör schwimmen.
Diesmal konnten Solveig Leo aus Banzkow und Anneliese Benthin (r.) aus Neustadt-Glewe wegen der Eisdecke nicht in der Stör schwimmen.

Zwei Rentnerinnen nehmen am Eisschwimmen in Estland teil.

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05. März 2018, 21:00 Uhr

„Erfrieren kann man erst auf 400 Metern“, erklärt Solveig Leo beruhigend. Die 74-Jährige aus Banzkow nimmt zusammen mit Anneliese Benthin (71) aus Neustadt-Glewe an der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen teil, die in diesem Jahr bereits zum 11. Mal stattfindet. Diesmal treffen sich die abgehärtetsten Schwimmer aus der ganzen Welt vom 5. bis 11. März in Estlands Hauptstadt Tallinn. Auch wenn es nicht 400 Meter sein werden, die Distanzen über 25 und 50 Meter wollen die beiden Damen mitschwimmen. „Die Temperaturen sind dort im Moment ungefähr so wie hier“, sagt Anneliese Benthin gelassen. „Lufttemperatur also etwa 15 bis 20 Grad unter Null.“

„Der Adrenalinspiegel steigt sofort, wenn die Eisschwimmer ins Wasser steigen. Deshalb wird denen nicht kalt. Das ist ein Überlebensmechanismus des Körpers“, erläutert Eckhard Benthin, der genauso wie Solveig Leos Ehemann die Frauen nach Tallinn begleiten will. Als die beiden Seniorinnen vor zwei Jahren zum ersten Mal an der Weltmeisterschaft teilnahmen, hat er ihnen ein T-Shirt mit einem Eisvogel entworfen, auf der Rückseite steht „Lewitzer Eisvögel“. Das ist jetzt der Mannschaftsname der beiden Frauen. Die Tochterder Benthins strickte diesmal noch Wollmützen mit einem Eisvogel auf der Stirn und so ist auch die Mannschaftskleidung komplett. „Schwimmen dürfen wir aber nur mit Badeanzug und Mütze“, erläutert Solveig Leo. Warum sie unbedingt dabei sein wollen? „Das ist ein Abenteuer. Man kann dann auf sich stolz sein. Manche erklären uns auch für verrückt, dass wir das alles in unserem Alter noch machen.“ Als sie vor zwei Jahren zur Weltmeisterschaft nach Sibirien geflogen sind, hätten sie ihren Kindern erst auf dem Flughafen kurz vor dem Abflug davon erzählt, aus Sorge vor Diskussionen. Von dem Event mit 1300 Teilnehmern sind die Hobbysportlerinnen heute noch beeindruckt.

Solveig Leo belegte auf der 25-Meter-Strecke in ihrer Altersklasse den fünften Platz, Anneliese Benthin den elften. Danach war sofort klar, dass die flinken Vögel auch zur nächsten Eisschwimmer-WM fliegen. Diesmal wollen sie sich zusätzlich an die 50 Meter wagen. Das bedeutet, mehr als eine Minute im eiskalten Wasser zu verbringen.

Das letzte „Training“ ist für die zwei Freundinnen allerdings ein paar Wochen her: das Neujahrsbaden in Banzkow am 1. und in Neustadt-Glewe am 7. Januar. Sonst schwimmen beide von März bis Oktober jeden Tag. „Der Störkanal vor der Tür ist meine Badewanne“, so Solveig Leo. Dort legt die ehemalige Chefin der Agrarindustrievereinigung Lewitz jedes Mal ein bis zwei Kilometer per Brustschwimmen in etwa 30 Minuten zurück. Ihre ehemalige Kollegin Anneliese Benthin dreht im Neustädter See auf ähnliche Weise ihre Runden. Zudem duschen die beiden jeden Morgen kalt. Solveig Leo stemmt noch jeden Tag Hanteln, Anneliese Benthin geht wöchentlich zur Gymnastik. Beide hatten seit 30 Jahren keine Erkältung mehr.

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