Tourismus : Leuchtturm in Westmecklenburg

Gäste aus der Pfalz: Matthias Theiner (2.v.l.), Inhaber der „Guten Quelle“, im Gespräch mit Touristen in der Landeshauptstadt.
Gäste aus der Pfalz: Matthias Theiner (2.v.l.), Inhaber der „Guten Quelle“, im Gespräch mit Touristen in der Landeshauptstadt.

Dehoga-Kreischef Matthias Theiner : Tourismussaison war gut – Busankünfte und Übernachtungszahlen jedoch rückläufig

svz.de von
23. September 2015, 23:00 Uhr

Die Uhr schlägt Zwölf. Die Gaststätte ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Touristen und Stammgäste freuen sich auf ihr Mittagessen in der „Guten Quelle“. Matthias Theiner ist Besitzer des Lokals und des „kleinsten Hotels“ in Schwerin, wie er selbst sagt. Er nimmt mich bei der Hand und führt mich nach oben, in eines seiner sechs Hotelzimmer. Im größten und schönsten nehmen wir Platz. „Hier haben wir wenigstens ein bisschen Ruhe“, erklärt der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststätten-Verbandes. „Ich habe eben noch mit zwei Kollegen gesprochen, die Saison ist insgesamt gut“.

Die offiziellen Zahlen bestätigen diese Einschätzung nicht. Im Vergleichszeitraum zwischen Januar und Juli wurde im Jahr 2014 fast 200 000 mal in Schwerin übernachtet – 2015 waren es hingegen nur rund 190 000 Übernachtungen.

Laut dem Stadtmarken-Monitor Brandmeyers (SVZ berichtete) ist Schwerin ein gutes Ziel für Tagestouristen. Das kann Theiner bestätigen, sieht jedoch auch einen Makel an der tollen Platzierung: „Das ist richtig, jedoch wollen wir die durchschnittliche Übernachtungszahl der Touristen steigern“. Die liegt bei weniger als zwei Übernachtungen in der Landeshauptstadt, genauer gesagt 1,7. „Vor kurzem war eine Kollegin auf der Reisemesse in Berlin und hat bestätigt, dass Touristen mehr und mehr Veranstaltungen mit in ihre Reiseplanung einbeziehen“, schildert der Gastronom die Entwicklung. Das bedeute folglich also eine „Koordination von Veranstaltungen und Angeboten“, um die Aufenthaltsdauer der Touristen in Schwerin zu verlängern, so Theiner.

„An die Nord- und Ostsee fahren die Leute immer, da gibt es ständig etwas Neues zu entdecken. Wer einmal im Schweriner Schloss war, sieht bei einem zweiten Besuch nicht mehr viel Neues“, erläutert der Gastwirt und Hotelier das Problem vor Ort. Allerdings hätte er auch schon eine Lösung parat: „Schwerin ist unser Leuchtturm in Westmecklenburg. Die Leute müssen begreifen, dass man in einer Stunde auch in Rostock oder Warnemünde sein kann“.

Den Spagat zwischen Tagestouristen und Stammgästen schafft Theiner in seiner eigenen Gaststätte „Zur guten Quelle“ nach eigenen Angaben. „Unsere Gäste sind ein bunter Mix aus Tagestouristen und Stammgästen. Zum Teil haben wir sogar Touristen, die immer wieder kommen.“ Als Beispiel nennt er ein Ehepaar aus Hamburg, das bei Besuchen in Schwerin immer zum Mittagessen vorbeikommt.

Die Zahl der Busankünfte in Schwerin sind dagegen rückläufig, bestätigte Norbert Klatt, Geschäftsführer des Schweriner Nahverkehrs. Waren im Vergleichszeitraum 1. Januar bis 31. August im Jahr 2013 noch 2460 Busse in der Landeshauptstadt angekommen, fuhren 2014 nur noch 2350 Busse nach Schwerin. 2015 sogar nur 2277.

Die Gäste in der „Guten Quelle“ können das nicht verstehen. Schließlich sei Schwerin „ein tolles Ziel“. Matthias Theiner nickt. Er kann das nur bestätigen.

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