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Schweriner sauer über Blitzer am Grünen Tal : Leser: Tempo 30 nur für die Stadtkasse

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Seit wenigen Tagen gilt auf der Straße Am Grünen Tal Tempo 30, wo bislang noch mit 50 Kilometer pro Stunde der Stadtverkehr fließen konnte. Für zahlreiche Schweriner ist das vor allem eines: Abzocke.

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erstellt am 17.Dez.2012 | 06:06 Uhr

Grosser Dreesch | Seit wenigen Tagen gilt auf der Straße Am Grünen Tal Tempo 30, wo bislang noch mit 50 Kilometer pro Stunde der Stadtverkehr fließen konnte. Für zahlreiche Schweriner, die sich an unsere Redaktion gewandt haben, ist das vor allem eines: Abzocke. Denn mit den Schildern für die Geschwindigkeitsreduzierung kamen auch die Ordnungshüter mit ihren Messgeräten. Doch was ist dran an dem Vorwurf?

Die Stadtspitze hatte Anfang vergangenen Monats eine durchaus plausible Erklärung für die Senkung des Tempolimits geliefert: Der Stadt fehlt Geld, um alle erforderlichen Straßensanierungen durchzuführen. Auf dem Großen Dreesch sollte deshalb zu dem radikalen Mittel gegriffen werden. Die beiden harten Winter mit Dauerfrost haben nicht nur wie beispielsweise in der Crivitzer Chaussee der Fahrbahndecke zugesetzt. In der Straße Am Grünen Tal sind auch die Tragschichten in erheblichem Maße beschädigt. "Ein grundhafter Ausbau wäre notwendig", berichtet Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff. Das allerdings kann sich die Landeshauptstadt nicht leisten. Noch nicht einmal die dafür notwendigen Planungskosten sind irgendwo einkalkuliert worden.

"Ich weiß nicht, ob die Verantwortlichen sich darüber im Klaren sind, was Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen nach sich zieht? Irgendwie scheint in der Stadtspitze die Setzung von Prioritäten in ein Fahrwasser geraten zu sein, in dem man von Wunschdenken geleitet wird. Geschwindigkeitsbeschränkungen lösen kein Problem, sie schieben es nur vor sich her. Der Tourist wird nicht von der schönen Innenstadt begeistert sein, wenn er sie über Schlaglochpisten und im Kriechgang erreicht", schreibt unser Leser Karl-Heinz Fehrmann. Und Andreas Boelke ergänzt: "Ich finde diese Vorgehensweise ungeheuerlich. Wie dient das der Verkehrssicherheit? Keine Schule, kein Kindergarten - und dann gleich 100 Meter nach dem ersten 30er-Schild ein Blitzer. Das ist aus meiner Sicht bewusste Abzocke!" Und Michael Meyer sieht diese Blitzer in der Straße Am Grünen Tal gar als Indiz, "dass die Stadt nur gegen ihre Bürger arbeitet".

Das Internetportal "Blitzerwarner" liefert indes Zahlen. An einem Tag in der vergangenen Woche "wurden bei einer Messdauer von acht Stunden mehr als 1000 Fahrzeuge geblitzt". Und weiter: "Seltsamerweise sind die Autofahrer die vergangenen Jahre bei Tempo 50 noch ohne einen ,Ordnungsblitz ausgekommen, obwohl die Straßensituation zwischen Einmündung Hamburger Allee und Köpmarkt seit Jahren desolat ist." Auch die Macher der Internetseite, die täglich auf Facebook die aktuellen Standorte der Verkehrsüberwachung in der Landeshauptstadt veröffentlichen und akribisch in Statistiken analysieren, kommen zu dem Schluss: "Hier wird eindeutig gegen die eigenen Bürger gearbeitet. Bedauerlicherweise werden diese Machenschaften im Ordnungsamt zum Wohle des Stadthaushaltes von OB Angelika Gramkow gedeckt." Denn wem helfen solche Messungen?, fragen die Macher von "Blitzer warner". "Werden dadurch die Straßenschäden beseitigt? Warum wird hinterhältig von der Seite oder von hinten mit Tarnnetz geblitzt, wenn die Autofahrer an dieser Stelle zum Langsamfahren motiviert werden sollen?"

Tatsache ist, dass es auch schon vor der Geschwindigkeitsreduzierung zu Tempo-Kontrollen am Grünen Tal gekommen ist. Fakt ist auch, dass nur derjenige mit einem Ordnungsgeld rechnen muss, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht einhält. Unstrittig ist: Wer rast, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere. Doch die Reaktion vieler Schweriner Autofahrer - und Leser unserer Zeitung - zeigt auch, dass die Stadtspitze Vertrauen verspielt. Vertrauen in den Präventions- und Kontrollgedanken von Geschwindigkeitsmessungen. SVZ-Leser Thomas Schild hat dazu eine deutliche Meinung: "Stadtverwaltung und Polizei sollten öffentlich nachvollziehbar darlegen, warum wo geblitzt wird. Für mich entsteht ansonsten der Eindruck, dass die Blitzer da stehen, wo es für die Kontrolleure bequem ist und wo viel Geld zu machen ist."

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