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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 04:18 Uhr

Schwerin erinnert : Lesen gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aktionsbündnis für ein friedliches und weltoffenes Schwerin erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nazis vor 83 Jahren

von
erstellt am 11.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Von den Nazis wurden ihre Werke verboten, ihre Bücher landeten im Feuer: An die Bücherverbrennung 1933 erinnerte das Aktionsbündnis für ein friedliches und weltoffenes Schwerin mit Lesungen prominenter Schweriner. Das Vorlesen aus einst geächteten literarischen Kunstwerken im Brunnenhof der Schweriner Höfe eröffnete Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow selbst. Als einziger verfemter Autor hatte Erich Kästner der Verbrennung seiner Werke durch die Nazis zugesehen. Mehrere seiner Texte über die Bücherverbrennung sind in dem Sammelband „Erich Kästner: Über das Verbrennen von Büchern“ erschienen, aus dem Gramkow einen Text gelesen hat. Außerdem stellte sie Gedichte von Kurt Tucholsky vor. Es folgten Heiko Lietz, Henning Foerster, Cécile Bonnet-Weidhofer, Rainer Lehmann, Regina Dorfmann, Claus Oellerking und Stadtpräsident Stephan Nolte.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war es im März im Zuge einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu einer organisierten und systematisch vorbereiteten Verfolgung jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller gekommen. Dabei handelte es sich um eine von der Deutschen Studentenschaft geplante und durchgeführte Aktion unter Führung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes.

Höhepunkt waren die am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in 21 anderen deutschen Universitätsstädten – unter anderem Bonn, Braunschweig, Bremen, Dresden, Frankfurt am Main, Göttingen, Greifswald, Kiel, München, Münster, Nürnberg, Rostock – groß inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen, bei denen Werke verfemter Autoren von Studenten, Professoren und NS-Organen ins Feuer geworfen wurden.

Zu den verbotenen Autoren gehörten unter anderem Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Heinrich Heine, Franz Kafka, Erich Kästner, Heinrich Mann, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky und Stefan Zweig. Nicht nur deutschsprachige Autoren standen auf den Listen, sondern auch die französischen Schriftsteller André Gide, Romain Rolland, Henri Barbusse, die Amerikaner Ernest Hemingway, Upton Sinclair, Jack London und John Dos Passos sowie viele sowjetische Autoren.

Da es am 10. Mai 1933 teilweise zu schweren Regenfällen in Deutschland kam, musste in einigen Städten die Aktion verschoben werden. Bis zum 19. Mai fanden dann noch acht weitere Bücherverbrennungen statt, auch in Schwerin, wo am Pfingstsonntag 1933 auf einer schwimmenden Insel auf dem Pfaffenteich Bücher in Flammen verschwanden.

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