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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. August 2017 | 21:20 Uhr

Hoffnungsschimmer : Leonie will wieder laufen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Elfjährige kam mit einer Beinverkürzung zur Welt und hofft, mit einer aufwändigen Behandlung fünf neue Zentimeter zu gewinnen.

Wer Leonie zum ersten Mal begegnet, der sieht eine süße, freundliche Elfjährige, die gern erzählt und der Augenstern ihrer Eltern ist. Der Besucher wundert sich vielleicht ein bisschen über das Gestell an ihrem rechten Bein. Dass es satte 18 Kilogramm wiegt, aus Titan ist und dazu dient, Leonies dreimal gebrochenes Bein zu strecken und in Form zu halten, das ahnt er nicht. Erst wer ganz genau hinsieht, erkennt, dass mehrere Pins direkt in Leonies nacktem Fleisch stecken. Seit der Operation im November konnte sie kein Hosenbein mehr darüber tragen, auch der Fuß steckt in keinem Socken. Oft beißt Leonie die Zähne zusammen, denn Schmerzen sind seit Monaten ihr ständiger Begleiter. „Wir sind so stolz auf unsere Tochter und das, was sie in ihrem Leben so alles schon weggesteckt hat“, sagt Mama Silke Völkner und lächelt ihre Tochter strahlend an.

Gemeinsam lachen sie gern, haben aber auch schon viel geweint. Zum Beispiel als die Eltern selbst an den Schrauben drehen mussten, die Leonies Bein millimeterweise auseinanderziehen. Die Narben auf ihrer Haut zeigen anschaulich, wie weit.

Die Krankengeschichte von Leonie begann 2002, kurz nachdem sie das Licht der Welt erblickt hatte. „Schon ein paar Stunden nach der Geburt hat sie ihren ersten Gips bekommen“, erinnert sich die Mutter. „Aber die Geburt an sich war toll.“ Leonie ist das zweite Kind der Völkners, Sohn Kevin war zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre alt. Mit Leonies Bein stimmte vieles nicht, ein Zeh fehlt, ein anderer ist festgewachsen, Schien- und Wadenbein sind vertauscht, sie hat nur ein Kreuzband im Knie, erzählen die Eltern. Aber das Schlimmste: Die Ärzte prognostizierten, dass Leonies rechtes Bein im Erwachsenenalter elf Zentimeter kürzer sein werde als ihr linkes.

Im vergangenen Jahr gab es zwischen beiden Beinen bereits eine Differenz von fünf Zentimetern. „Mit entsprechenden Schuhen, die ziemlich schwer waren, konnten aber nur 4,5 Zentimeter ausgeglichen werden“, sagt Vater Eckard Völkner. Die Folge: Leonie stolperte oft. Beckenschiefstand und massive Wirbelsäulenprobleme kündigten sich an. „Wir fanden dann einen Arzt an der Uni-Klinik Münster, der eine Beinverlängerung bei Leonie durchführen konnte“, erzählt Silke Völkner. „Zwei Jahre haben wir mit unserer Tochter geredet, bis sie sich einverstanden erklärt hat, den Eingriff machen zu lassen.“ Im November 2013 war es soweit, das Bein wurde unter Narkose dreimal gebrochen, eine Außenfixatur angebracht – und 24 Nägel. Dann wurde die Bruchstelle im Laufe der Wochen langsam immer weiter auseinandergezogen, die insgesamt fünf Zentimeter neuen Knochen muss Leonies Körper dabei selbst herstellen. Ständige Untersuchungen in Münster gehören seitdem zu ihrem Alltag. Richtig schwierig waren aber vor allem der Aufstieg in ihre Lankower Wohnung im fünften Stock ohne Fahrstuhl und das Duschen. Denn die Familie hat kein behindertengerechtes Bad. „Freunde aus der Körperbehindertenschule, auf die Leonie geht, haben uns eingeladen, zum Duschen zu ihnen zu kommen“, sagt Silke Völkner gerührt. Und auch das Treppenproblem ist mittlerweile gelöst: Ein Krankenbeförderungsunternehmen holt Leonie jeden Tag zur Schule ab und bringt sie auch nach Hause. Zwei starke Männer tragen die Elfjährige dann im Transportstuhl in den Wagen.

Wenn die nächste OP in Münster geschafft ist, darf Leonie zwar immer noch nicht auftreten und wird im nächsten Jahr wohl erst langsam wieder gehen lernen, aber die schwere Außenfixatur soll ab und die Nägel kommen raus. Leonie freut sich riesig darauf. Für Silke Völkner bleibt die Erfahrung: „Wir haben in schlimmer Zeit viel Hilfe erfahren, von Freunden und auch von Ärzten, die ohne Diskussion Hausbesuche gemacht haben. Leonies Krankheit hat uns als Familie noch enger zusammengeschweißt.“

 

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erstellt am 02.Apr.2014 | 12:00 Uhr

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