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Zeitung für die Landeshauptstadt

14. Dezember 2017 | 23:53 Uhr

Herren Steinfeld: : Leidenschaft in Blau und Weiß

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aus seiner Liebe zum FC Schalke 04 macht Jens Suhr keinen Hehl – und bald trägt die Hausfassade auch noch die Farben des Revier-Clubs

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 12:00 Uhr

„Wir leben Dich“ – so lautet das Leitbild des Fußball-Clubs Schalke 04. Flaggen wehen im Wind, der Fahrradschuppen ist blau und weiß gestrichen und am Strauch im Vorgarten hängt schon ein Ei in den Vereinsfarben des Gelsenkirchener Traditionssclubs. Im Ruhrgebiet ist das nichts Außergewöhnliches. Im Nordwesten von Mecklenburg, in Herren Steinfeld, schon. Hier wohnt Jens Suhr. Bei ihm ist auch geflaggt, gestrichen und geschmückt. Er lebt Schalke – und das zeigt er auch.

Das erste Haus am Dorfrand, schräg gegenüber vom Ortseingangsschild, da wohnt Familie Suhr. Familie Suhr, das sind Vater Jens, Mutter Peggy, die Kinder Vivien, Lucas, Fin-Luca, drei Labrador-Hunde und zwei Katzen. Alles waschechte Mecklenburger. Bei den Suhrs spielt der Fußball eine große Rolle. Lucas ist 15 Jahre alt, spielt in der C-Jugend vom MSV Pampow. Sein Vater hat früher auch Trikots schmutzig gemacht. Die vom Verein „Theodor Körner“ in Lützow. Heute ist Jens Suhr Trainer und Lucas in seinem Team. Und wenn es um den FC Schalke 04 geht, sind die Beiden auch ein eingespieltes Team.

460 Kilometer liegen zwischen Herren Steinfeld und Gelsenkirchen. Als Jens Suhr Jugendlicher war, da lag auch noch eine Grenze dazwischen. DDR-Fußball spielte für ihn damals keine große Rolle. Schalke auch nicht. Das änderte sich nach der Wende. Die Schwester seiner Frau zog nach Wesel. Und beim Verwandtschaftsbesuch am Niederrhein ging es auch mal ins Ruhrgebiet und auf Schalke.

Jens Lehmann, Olaf Thon, Mike Büskens oder Youri Mulder. Jens und Peggy Suhr standen auf dem Trainingsgelände im Schatten des alten Parkstadions und die Schalker Profis waren nur ein paar Meter entfernt. „Das war für uns etwas ganz Besonderes. Man konnte mit den Spielern reden, sie nahmen sich Zeit“, erinnert sich Jens Suhr. Das war vor 20 Jahren. Das war der Anfang einer großen Liebe.

Zum ersten Mal ein Schalke-Spiel live erleben, das gönnte sich Jens Suhr erst, als Sohn Lucas geboren und sechs Jahre alt war. Seitdem werden pro Saison zwei, drei Liga-Spiele besucht. „Nur Heimspiele. Bei Auswärtspartien ist es mir zu rummelig“, sagt Suhr. Viel mehr ist zeitlich auch nicht drin, denn der gelernte Schlosser ist jetzt Chef von zwölf Mitarbeitern, die sich um die Pflege und Instandhaltung von Immobilien kümmern.

Dortmund gegen Schalke. Heute ist Derbyzeit. Heute ist das Spiel der Spiele für die Ruhrpott-Rivalen. „Heute“, sagt Jens Suhr, „kann Schalke zeigen, wer König im Revier ist.“ Um 15.30 Uhr ist Anstoß. Dann sitzen Vater und Sohn vor dem Fernseher und fiebern mit. Wie immer, wenn Schalke spielt. Dann gilt es. Hop oder top. Triumph oder Tristesse. Ist Defensivspezialist di Matteo denn der richtige Coach für Schalke? Suhr: „Als Taktiker, ja. Und so lange Punkte herausspringen, wird ihm die Spielweise auf Schalke keiner übel nehmen. Aber er hat keine Nähe zu den Fans.“ Dafür schwärmt Schalke-Fan Suhr vom S04-Erfolgstrainer Huub Stevens, von Kämpfertypen wie Marc Wilmots, Martin Max, Atsuto Uchida oder Benedikt Höwedes und vom Zusammenhalt der großen Schalker Fan-Gemeinde.

Mutter und Tochter Suhr sind nicht so fußballvernarrt, Fin-Luca ist erst drei, aber am FC Schalke 04 kommen sie nicht vorbei. Waschbeckenstöpsel, Wanduhr, Kugelschreiber oder Einkaufswagenchip – etwas blau-weiß ist immer. „Aber meine Frau weiß, dass der Verein für mich ein idealer Ausgleich zur Arbeit ist“, sagt der 39-Jährige, auf dessen Firmenwagen auch das Schalke-Emblem klebt.

„Natürlich gibt es Leute, die meinen, ich bin leicht bekloppt“, sagt Jens Suhr und zeigt auf den Fahrradschuppen, auf dem das große S 04-Logo prangt. Als er vor gut vier Jahren Haus und Grundstück in Herren Steinfeld kaufte, bekannte er Farbe für die Knappen. Und der nächste Anstrich ist schon geplant. Jetzt ist die Hausfassade dran. Prunkstück wird ein 1 mal 1 Meter großes Club-Wappen. „Das wird dann angestrahlt“, sagt Suhr, damit die Farben seines Vereins noch heller in Westmecklenburg leuchten.


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