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19. November 2017 | 00:34 Uhr

Schwerin : Leiche mit Fremd-Ausweis

vom

Polizei identifiziert Toten irrtümlich als 44-jährigen Schweriner – tatsächlich liegt der Mann im Klinikum

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2014 | 14:55 Uhr

Makabere Wendung im Fall eines  Obdachlosen, der am 15. April im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz in der Nähe der Skaterbahn tot aufgefunden wurde. Die Polizei verwechselte den Toten irrtümlich mit einem 44 Jahre alten Schweriner, der seit  mehreren Wochen zur Behandlung seiner Alkohol-Krankheit in der Helios-Klinik  liegt – und lebt. 

„Tatsächlich handelt es sich bei dem Toten an der Skaterbahn aber um  den 65-jährigen  Wilfried W.“, bestätigte gestern Isabel Wenzel, Sprecherin des  Polizeipräsidiums.     Wochenlang ging die Polizei von einer falschen Identität des Toten aus. Unbestätigten Informationen zufolge sollen sogar die Angehörigen des 44-Jährigen fälschlicherweise  von Polizeibeamten über den Tod informiert worden sein und bereits Geld für Grab und Trauerfeier bezahlt haben.  Auch bei einer Obduktion konnte der Irrtum offensichtlich nicht aufgeklärt werden.  Erst als der Betreuer des im Krankenhaus liegenden 44-jährigen Mannes keine Hartz-IV-Bezüge mehr für seinen Klienten bekam, weil dieser angeblich gestorben sei, fiel die Verwechslung auf.

Zu der makaberen Panne war es gekommen, als die Beamten am 15. April bei dem toten Wilfried W. den Personalausweis  des noch lebenden 44-Jährigen fanden. Dabei sei nicht aufgefallen, dass das Bild auf dem Ausweis nicht zur aufgefundenen Person passt, sagte die Polizeisprecherin. Beide Tippelbrüder sollen  sich gut gekannt und öfter die Ausweise  getauscht haben, damit beide  die Krankenkassenkarte des einen nutzen konnten.  „Durch die Bärte und die verwahrlosten Haare sahen sich beide ähnlich“, so Polizeioberkommissarin Wenzel.

Nicht die erste Panne der Polizei in diesem Fall.   Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen  fünf Beamte der Schweriner Polizeiinspektion wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung (wir berichteten). Die Beamten waren am Vorabend des  15. April von einer Frau alarmiert worden, weil sich  der Obdachlose Wilfried W. in einem hilflosen Zustand befunden haben soll. Die Besatzungen zweier Streifenwagen stellten nach eigenen Angaben vor Ort keine Hinweise auf eine medizinische Notlage fest.  Wilfried W. habe  auf ihre Ansprache reagiert. Am nächsten Morgen  war der 65-Jährige tot.

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