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23. November 2017 | 17:59 Uhr

Lehrer streiken, Schüler schlafen aus

vom

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erstellt am 25.Feb.2013 | 06:08 Uhr

Schwerin | Für fast alle Schweriner Schüler begann die Woche mit Ausschlafen: Wegen des Lehrerstreiks fiel gestern der Unterricht an den staatlichen Grund- und Regionalschulen aus, die Gymnasien und Gesamtschulen arbeiteten mit Vertretungsplänen. Kinder bis zur vierten Klasse, deren Eltern keine Betreuungsmöglichkeit gefunden hatten, wurden in den Schulen beaufsichtigt und beschäftigt. Rund 2000 streikenden Lehrer aus dem ganzen Schulamtsbezirk Schwerin waren derweil dem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gefolgt und versammelten sich auf dem Platz vor der Siegessäule: 6,5 Prozent mehr Lohn, eine tarifliche Eingruppierung von Lehrkräften an Hochschulen und Schulen sowie die Begrenzung befristeter Arbeitsverträge, lauten die aktuellen Forderungen.

An der Astrid-Lindgren-Schule hatte zuvor der Tag mit einem Streikfrühstück im Lehrerzimmer begonnen. Von den 512 Schülern, die die Grund- und Regionalschule in Neu Zippendorf besuchen, waren gestern nur 13 gekommen. Sie wurden von den Leiterinnen der 3. Klassen, Sylvia Winter und Sybille Resch, bis zum regulären Unterrichtsende um 13.10 Uhr betreut. Spielen, basteln, Sport und ein Ausflug an den Strand standen auf dem Programm, am Nachmittag nutzten einige Kinder das Hortangebot. Die Eltern waren in der vergangenen Woche informiert worden und konnten sich auf den unterrichtsfreien Tag individuell einrichten. "Alle Kollegen sind heute im Streik", sagte Schulleiter Peter Metzler, der als Chef ebenfalls voll hinter den Gewerkschaftsforderungen stehe. Wie viele seiner Kollegen weiß er, dass der Lehrerjob immer härter wird. Mehr Lohn sei dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, meinen Sylvia Winter und Sybille Resch. "Gerade den Grundschullehrern wird immer mehr aufgebürdet", sagen sie. "Wir haben immer mehr Hospitationen, machen jetzt auch die Vorschuluntersuchungen mit den Kindern der künftigen 1. Klassen, dann gibt es die Inklusion und in manchen Klassen haben wir Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen."

Auch für Almut Sachs, Mathematik- und Physiklehrerin am Schweriner Sportgymnasium, sind es vor allem die Rahmenbedingungen, die immer weniger passen. "Wir sind jahrelang durch das Tal des Lehrerpersonalkonzeptes gegangen und jetzt bleibt gerade für die Älteren wieder nichts übrig. Die Kraft ist raus." Hohe Unterrichtsbelastung und Stunden bis spät in den Nachmittag hinein zehrten an den Kräften. Für das Korrigieren von Klausuren oder die Planung des nächsten Unterrichts bleibe oft nur der Abend oder das Wochenende. Jüngere Kollegen würden dringend gebraucht. "Doch selbst die verzichten heute schon freiwillig auf Stunden, weil sie dem Druck nicht gewachsen sind", sagt Almut Sachs. Sie selbst sei noch in den Genuss von Altersteilzeit gekommen, unterrichtet jetzt 19 Stunden die Woche. "Das hält man gut durch", sagt die erfahrene Lehrerin, die seit fast 40 Jahren im Berufsleben steht. "Ich stelle mich gerne den hohen Anforderungen, erwarte dafür aber auch eine Wertschätzung."

Als das verstehen viele ihrer Kollegen die 6,5 Prozent mehr Lohn. Aber auch eine tarifliche Eingruppierung ist ihnen wichtig. Bislang dürften die Länder Lehrkräfte nach "Gutsherrenart", wie es die GEW formuliert, eingruppieren, so dass sich das Gehalt nicht nach der Qualifikation, sondern nach dem Bundesland richtet, in dem die Lehrer arbeiten. Das führt zu teilweise gravierenden Gehaltsunterschieden. GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad: "Die Arbeitgeber sollten unserer Warnstreik als Signal sehr ernst nehmen. Sonst gibt es keinen Arbeitsfrieden in den Schulen."

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