Schweriner Führerschein-Geschichten : „Lappen“ von 1955 noch gültig

Noch immer gültig: Der Führerschein vom Klaus Willnow, ausgestellt am 26. Mai 1955 in Burg.
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Noch immer gültig: Der Führerschein vom Klaus Willnow, ausgestellt am 26. Mai 1955 in Burg.

SVZ-Aktion um älteste Fahrerlaubnis geht zu Ende: Leser erzählen, wie sie zu ihren Führerscheinen gekommen sind

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18. August 2016, 16:00 Uhr

Er der ältesten noch gültigen Führerscheine in Schwerin stammt aus dem Jahr 1955. Er gehört Dietrich Biewald. Der 81-Jährige verdankt dies einem Staatsdiener, der aus gutem Willen dem Schweriner den alten „Lappen“ zurückgegeben hatte, als Biewald sich 1986 einen neuen holte.

Eine von zahlreichen Geschichten rund um das Thema Führerschein oder Fahrerlaubnis. Denn Führerscheine habe es in den frühen DDR-Jahren nicht gegeben, wie SVZ-Leser Klaus Willnow erzählt. „Es hieß Fahrerlaubnis.“ So steht es auch auf seinem „Lappen“ vom 26. Mai 1955. Er kann sich noch genau erinnern, wann er das einzige Mal einen Punkt bekam. Er hat nämlich noch die Stempelkarte. 1983 war es an der Ecke Stellingstraße, Burgseestraße: „Ich kam mit meinem Trabant von der Schleifmühle, musste an der Stellingstraße die Vorfahrt beachten, sollte aber angeblich an der Burgseestraße schon Temo 60 drauf gehabt haben“, erzählt der Schweriner. Die Strecke sei viel zu kurz, um auf dem Stück so zu beschleunigen. Sein Widerspruch sei von dem Polizisten abgetan worden: „Der Stempel wird doch in vier Monaten gelöscht.“

Willnow und viele andere SVZ-Leser, die sich gemeldet haben, sind auch heute noch aktive Autofahrer. Dazu gehört zum Beispiel Heidemarie Sobotha aus Schwerin. Ihre noch gültige Fahrerlaubnis trägt das Datum 5. April 1967. „Und ich möchte sie auch gerne weiter behalten.“

Viel älter dagegen ist die Fahrerlaubnis von Hubert Walke aus Pingelshagen. Sie stammt aus dem Jahre 1950. „Das genaue Ausstellungsdatum ist jedoch unleserlich“, erzählt Walke. Fahren durfte er damit Traktor und Motorrad. „Der erste Trecker, den ich gefahren habe, war ein Lanz Bulldog, meine erste Maschine war eine DKW.“ Gemacht habe er die Fahrerlaubnis 1950 übrigens gemeinsam mit seinem Freund Erhard Papenfuß, der ebenfalls in Pingelshagen wohnt.

Uralt ist auch der noch gültige Führerschein von Annemarie Ollhoff aus Schwerin. „Er stammt vom 21. April 1954 und ist für Motorrad zugelassen“, erzählt sie. „Ich fuhr damals eine Viktoria, Baujahr 1936.“

Er sei gerade aus Prag zurückgekommen, mit einem Abstecher nach Leipzig, erzählt Friedrich Ernst Böhmer. Seit 67 Jahren ist er als Kraftfahrer unterwegs. Seine Fahrschule absolvierte er 1949. Doch die erste Fahrerlaubnis hat er nicht mehr. „Wir mussten sie ja irgendwann umtauschen.“

Davon berichtet auch Hermann Wienke aus Pampow. „Wir hatten den grauen Lappen als Führerschein, den ich aber 1984 umtauschen musste. Auf dem Lichtbild war ich zu jung.“ Wienke hat auch die Berechtigung zum Fahren eines Motorrades. „Die Lern-Maschine war eine Awo 425“, erzählt der Pampower von seiner Fahrschule 1957. „Der abgebrochene Zündschlüssel steckte im Zündschloss. Wollte man starten, musste der Kerzenstecker auf die Zündkerze gesteckt werden.“

Seine erste Fahrerlaubnis hat Horst Timm am 18. August 1954 bei der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik, erhalten. „Das ist noch ein gelber Schein“, so der Schweriner. Der werde wohl heute nicht mehr gültig sein, vermutet Timm. Später habe er die Fahrprüfungen für verschiedene andere Klassen absolviert. So im August 1956 für die Klasse 1 und ein Jahr später für die Klasse 2. Und der ehemalige Polizist hatte auch die Berechtigung für die Straßenbahn. Für die Bearbeitung von Unfällen sei es wichtig gewesen, das Fahrverhalten zu kennen. „Ich wusste vorher nicht, wie lang der Bremsweg einer Straßenbahn sein kann“, erzählt er.

Und wie kam Dietrich Biewald zu seinem alten Führerschein vom 19. Januar 1955. „In der Technikerausbildung erwarb ich im Sommer 1955 die Fahrerlaubnis für Lkw, es hieß damals wohl Klasse II. Vor der Aushändigung hatte ich leider die erste Fahrerlaubnis abzugeben“, erzählt Biewald. Jahre später habe ein Mitarbeiter in der Zulassungsbehörde gesagt: „Hier liegt schon lange etwas, das ihnen gehört. Sie können es mitnehmen.“ So sei er wieder in den Besitz der ersten Fahrerlaubnis gekommen. „Und sie war nicht einmal entwertet worden“, so Dietrich Biewald.

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