Schwerin : Langfinger am Toilettenbecken

<strong>WC-Anlage am Totendamm: </strong>Die Benutzungsgebühr ist freiwillig, doch vor allem Ältere und Touristen zahlen gern.<foto>Kawi</foto>
WC-Anlage am Totendamm: Die Benutzungsgebühr ist freiwillig, doch vor allem Ältere und Touristen zahlen gern.Kawi

Ein Blick ins Innere der Toilette der Schweriner Goethestraße zeigt: Das Schälchen mit dem Geld für die WC-Benutzung ist leer. Immer öfter stehlen Kinder und Jugendliche das Geld aus dem öffentlichen WC.

svz.de von
15. Juni 2012, 08:07 Uhr

Altstadt | Geduldig warten die beiden Jungen im Alter von vielleicht zwölf Jahren neben dem frisch sanierten Toilettenhäuschen. Einer kramt anscheinend gedankenverloren zwischen den Schulsachen in seinem Rucksack. Der andere tippt eine SMS in sein teuer aussehendes Smartphone. Fast unbemerkt huscht ihr Blick immer wieder zur Eingangstür des 60 Quadratmeter großen Toilettenhäuschens, das im 1927 errichteten Gebäude mit der Treppenanlage erst Anfang dieses Jahres nach umfangreicher Sanierung eingeweiht worden war. Zwei ältere Herren sind vor Kurzem durch die Tür im Innern verschwunden. Als nach wenigen Minuten die Senioren das Häuschen erleichtert in Richtung Marienplatz verlassen, verschwindet der Junge mit dem Smartphone im Innern, noch ehe sich die Toilettentür geschlossen hat. Nur wenige Sekunden darauf kommt er lachend wieder heraus, die Beiden laufen in Richtung Schlosspark-Center. Ein Blick ins Innere der Toilette zeigt: Das Schälchen mit dem Geld für die WC-Benutzung ist leer.

"Ich habe das schon dreimal in den vergangenen Tagen beobachtet", bestätigt ein Passant unsere Beobachtung. "Ich finde das ganz schlimm. Erstens ist das Diebstahl, was die Kinder hier machen. Andererseits habe ich Sorge, dass die Stadt die Toilettenanlage irgendwann deshalb schließt, weil es sich nicht mehr rechnet."

Zumindest letztere Sorge ist unbegründet, versichert lka Wilczek, Chefin der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS), die die WC-Anlage saniert hat. "Generell ist die Benutzung der Toilette kostenfrei. Aber natürlich kann der Betreiber um einen Obolus bitten", verdeutlicht Wilczek. Dass in den vergangenen Tagen vermehrt Geld verschwunden sei, habe sie noch nicht gehört.

Eine kostenpflichtige Toilette mit einer Tür, die sich erst nach Geldeinwurf öffnet, war im Übrigen nie vorgesehen. Vandalismus und zu geringe Einnahmen seien die Hauptargumente dagegen gewesen, so die SDS-Chefin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen