Schweriner Seen : Langer Kampf um Wassertouristen

<fettakgl>Renate und Lothar Sollondz mit Hund Paul </fettakgl>kommen aus Hamburg und finden Schwerin so schön, dass sie jedes Jahr mit ihrem Boot in   Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Urlaub machen.  <foto>Reinhard Klawitter </foto>
Renate und Lothar Sollondz mit Hund Paul kommen aus Hamburg und finden Schwerin so schön, dass sie jedes Jahr mit ihrem Boot in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt Urlaub machen. Reinhard Klawitter

Tausende Boote beleben die Schweriner Seen. Und trotzdem: Der Wassertourismus spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Zu diesem Ergebnis ist eine Arbeitsgruppe gekommen.

svz.de von
01. Juni 2012, 10:11 Uhr

Schwerin | Tausende Boote beleben die Schweriner Seen. Und trotzdem: Der Wassertourismus spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Das wird sich auch in Zukunft kaum ändern. Zu diesem Ergebnis ist eine Arbeitsgruppe gekommen, die sich mit dem Thema bei der Erarbeitung eines neuen Tourismuskonzeptes für die Landeshauptstadt beschäftigt hat. Die Fachleute schlagen aber Verbesserungen der Infrastruktur vor.

In einer Analyse der Stärken und Schwächen wurde zusammengestellt, was ist flop, was ist top. "Die Kombination aus Stadt und Wasser in Verbindung mit dem Schloss in exponierter Insellage und der direkten Stadtanbindung bildet einen einzigartigen Dreiklang", heißt es poetisch im Zwischenbericht zum Tourismuskonzept. Die Größe des Schweriner Sees wird ebenso als attraktiv herausgestellt wie der Stadthafen am Beutel. Die Charterscheinregelung, also die Bootsnutzung ohne Führerschein, naturbelassene Ufer, Ruhe und Idylle - alles Punkte auf der Positiv-Liste.

Dem steht jedoch eine längere Aufzählung von Negativ-Faktoren gegenüber. An erster Stelle: Der Sackgassencharakter des Schweriner Sees und dessen Randlage im Wasserstraßennetz. Dazu kommt das Fehlen einer privaten Marina in zentraler Lage. Außerdem wird die eingeschränkte touristische Zugänglichkeit und Nutzung der Insel Kaninchenwerder, nicht vorhandene Unterkünfte direkt am Wasser oder auch die geringe Erlebbarkeit der ufernahen Bereiche bemängelt. In der Arbeitsgruppe Wassertourismus besonders kritisiert: Die "Übermacht" des Naturschutzes. Im Zwischenbericht heißt es diplomatisch: "Die Bürokratie und Naturschutz re strik tionen stehen der Betreiberinitiative entgegen." Die Arbeitsgruppe war da deutlicher: Der Wassertourismus soll gefördert werden: "An geeigneten Stellen auch mit Vorrang vor dem Naturschutz." Das Thema Wassersport sei nicht ausgereizt, es gibt keine Nischenangebote wie Floßtouren oder Übernachtungen im Bootshaus. Und eine Zusammenarbeit mit dem Umland ist für die Verfasser des Zwischenberichtes auch nicht zu erkennen. Keine Kooperation im Marketing, keine Vernetzung der Infrastruktur, heißt es.

Die Arbeitsgruppe schlägt deshalb gleich einen ganzen Katalog von Maßnahmen vor. Diese reichen von der Errichtung einer Schwebefähre über die Schlossbucht an der Stelle der Schwimmenden Brücke bis zu Märkten auf dem Wasser. Außerdem sollen neue Anleger gebaut werden. In Zippendorf und an der Fähre in Mueß, in der Schlossbucht und in Wiligrad, Leezen und Hohen Viecheln. Die Weiße Flotte oder auch Konkurrenz-Un ternehmen könnten dadurch Rund fahrten anbieten, auch in Kombination mit Angeboten für Radfahrer, so die Ideen .

Viele der Vorschläge gehen auf vorbereitende Untersuchungen des Vereins Pro Schwerin zurück. "Gerade die Anleger würden uns schon weiter bringen", sagt Wassertourismus-Experte Hugo Klöbzig. "Das zieht Touristen an und nützt auch den Einheimischen." Allerdings muss er auch eingestehen, dass für viele Angebote, die im neuen Tourismuskonzept stehen werden, wie beispielsweise ein Trailertransport großer Boote zwischen dem Schweriner See und Wismar, bisher überhaupt noch keine Nachfrage besteht und die Umsetzung daher schwierig werden dürfte.

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