Landesheimatverband vor dem Aus

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28. September 2012, 10:03 Uhr

Schwerin | Weil das Bildungsministerium Fördergelder in Höhe von 185 000 Euro zurückfordert, steht der Landesheimatverband vor dem Aus. Das könne der Verband nicht leisten, sagte der Sprecher des Präsidiums Norbert Bosse gestern gegenüber dieser Zeitung. Der Verband meldete bereits im Frühjahr Insolvenz an, nachdem der Landesrechnungshof (LRH) schwere Mängel in der Verbands-Geschäftsführung festgestellt hatte. Daraufhin stoppte das Ministerium weitere Zuschüsse.

Er könne für 2011 nicht von einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung des Verbandes ausgehen, erklärte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD). Darum soll der Verband die gesamten Fördermittel zurückzahlen, die er im Jahr 2011 bekommen hat. Das Geld sei ausgegeben, etwa für die Fritz-Reuter-Festspiele, die norddeutschen Tage in Dömitz oder die Trachtenarbeit, behauptet der Verband. Der Landesrechnungshof hatte auch Ausgaben für großzügige Spesenabrechnungen und auffällig hohe Gehälter festgestellt.

Laut Bosse könnte die Mitgliederversammlung des Verbands am Sonnabend in Malchow theoretisch die Auflösung in die Wege leiten, um einen neuen zu gründen. Aber auch ein neuer Heimatverband wäre von Zuschüssen abhängig, um feste Mitarbeiter zu bezahlen. Anders sei die Arbeit des Heimatverbandes nicht zu bewältigen. Warum die "mehrere Tausend" Verbandsmitglieder aus ihren Beiträgen keine hauptamtlichen Mitarbeiter finanzieren können, wusste Bosse nicht zu erklären.

Der Landesheimatverband fördert das Plattdeutsche, unterstützt Trachtengruppen, Ortchronisten und die Heimatpflege. Bosse sieht keinen anderen Verband, der dazu in der Lage wäre. In einer Zusammenarbeit etwa mit der Stiftung Mecklenburg sieht Bosse keine Perspektive.

Nach Informationen dieser Zeitung ist Minister Brodkorb bereit, konkrete Projekte des Verbandes zu unterstützen. Für hauptamtliche Mitarbeiter und Büromieten will er künftig weniger Zuschüsse locker machen.

Nach einer Prüfung durch den Landesrechnungshof sperrte das Ministerium auch dem Landeskulturbund in diesem Jahr die Zuschüsse. Geschäftsführerin Gerda Strelow hat sich inzwischen arbeitslos gemeldet. Der Kulturbund könne zwar überleben, aber auf Landesebene nur ehrenamtlich geführt werden, so Strehloh. Sie war in Personalunion auch Chefin des ebenfalls von Fördergeldern lebenden Volkskulturinstituts in Rostock.

Möglicherweise müssen weitere Verbände und Vereine, die sich mit Kunst, Musik, Kultur, Volkskunde oder Heimatpflege beschäftigen und Geld aus dem Kulturfördertopf des Landes bekommen, ihre Arbeit neu organisieren. Das Bildungsministerium hat bereits die ersten aufgefordert darzulegen, wie viel sie für kulturelle Projekte und wie viel für Gehälter und Mieten ausgeben. Ist der Anteil für Mieten und Gehälter zu hoch, könnten Kürzungen drohen. Zum Beispiel beschäftigt der Landesmusikrat fünf Mitarbeiter in seiner Geschäftsstelle. Eigentlich darf die Kulturförderung - jährlich rund neun Millionen Euro - nur für Projekte gewährt werden, die noch nicht begonnen haben und die zeitlich begrenzt sind. Verbandsgeschäftsstellen sind jedoch auf Dauer eingerichtet.

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