Regierung lehnt Bitte ab : Land vermiest Schwerin den Rodelspaß

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Sarah rodelt gern und findet es schade, dass sie im nächsten Winter auf den Spaß im Schlossgarten verzichten muss. Reinhard Klawitter

Mitten im Sommer: Die Regierung lehnt die Bitte der Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow ab, im Winter das Schlittenfahren auf den Kaskaden des Schlossgartens zu erlauben.

svz.de von
11. Juni 2012, 07:44 Uhr

Ostorf | Nichts da mit Rodeln auf den Kaskaden. Und das hat weder etwas mit der Jahreszeit noch den Temperaturen zu tun. Denn so lautet die jetzt vorgelegte Antwort des Landes als Eigentümer des Schlossgartens auf die im Winter von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow im Auftrag der Stadtvertretung vorgetragene Bitte, den Schwerinern im Winter das Schlittenfahren auf der angestammten Piste oberhalb des Kreuzkanals zu erlauben.

Zur Begründung führt das Finanzministerium, das für die Parkanlage zuständig ist, einen ganzen Katalog von Argumenten an: "Bereits heute ist festzustellen, dass durch Rodeln, aber auch durch Skifahren und Mountainbiking das historische Geländerelief stetig in Mitleidenschaft gezogen wird. Die barocke Geländemodellierung würde bei noch intensiverer Nutzung in geraumer Zeit nicht mehr erlebbar sein", befürchtet Finanzministerin Heike Polzin. Das Land sei als Eigentümer dieser denkmalgeschützten Anlage gemäß Denkmalschutzgesetz verpflichtet, diese zu schützen, zu pflegen und auf eine verträgliche Nutzung hinzuwirken, begründet sie.

Zudem werden in dem Schreiben der Ministerin an die Oberbürgermeisterin diverse Sicherheitsaspekte angeführt: Die Rodelstrecke kreuze einen stark frequentierten Durchgangsweg durch den Schlossgarten, so dass es möglicherweise zu Kollisionen der Wintersportler mit Fußgängern und Radfahrern kommen könnte. Überdies würde die alte Abfahrtsstrecke auch zahlreiche Risiken und Gefahren für die Rodler selbst bergen. Denn die Piste ende unmittelbar am Kreuzkanal, wodurch die Gefahr bestünde, dass die Schlittenfahrer auf nicht tragfähiges Eis gelangen und in den Kanal stürzen könnten, heißt es in dem Papier. Des Weiteren könnten sich die Wintersportler an den im Schlossgarten stehenden Sandsteinskulpturen beziehungsweise deren Einhausungen verletzen. "Um sowohl den Bedürfnissen und der Sicherheit der Schlossgartenbesucher als auch den besonderen Schutzanforderungen eines unserer bedeutendsten Gartendenkmale gerecht zu werden, haben Sie sicherlich Verständnis dafür, dass ich einer Freigabe der barocken Kaskaden als Rodelhang nicht nachkommen kann", schreibt Polzin.

Oberbürgermeisterin Gramkow will der Argumentation der Finanzministerin folgen. "Ich kann das nachvollziehen", sagt sie. "Ein denkmalgeschützter historischer Garten sollte auch als Kunstwerk geachtet und gepflegt werden. Ich bitte die Schwerinerinnen und Schweriner um Verständnis dafür. Immerhin stehen uns im Stadtgebiet ja auch Alternativen zur Verfügung. So kann in den Lankower Bergen oder am Grünen Tal sehr gut gerodelt werden", sagt Gramkow.

Viele Schweriner sehen das indes ganz und gar nicht so, wie eine Umfrage unserer Redaktion vor Ort zeigte. Kopfschüttelnd verweisen die älteren Bürger darauf, dass schon im Schlossgarten gerodelt werde, so lange sie sich erinnern können und dass das den Kaskaden keinen Schaden zugefügt habe. Die Jüngeren erregt vor allem, dass hier schon wieder mit Verboten gearbeitet werde. Ein Park sei für alle Bürger da und müsse auch öffentlich genutzt werden dürfen, argumentieren sie. Doch das ändert wohl nichts mehr daran, dass der Rodelspaß im Schlossgarten nun ein für alle Mal vorbei sein wird.

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