Land soll Theater übernehmen

23-28943235.jpg

Überraschender Vorstoß in Sachen Theater: Nachdem der Gipfel von Kultusminister Henry Tesch (CDU) keine Bewegung brachte, präsentiert jetzt der Präsident des Landesrechnungshofes, Tilmann Schweisfurth, eine neue Lösung. Das Mecklenburgische Staatstheater wird Landestheater und bespielt im Gegenzug auch andere Theater im Land.

von
08. September 2009, 08:56 Uhr

Schwerin | Schon am 31. August schrieb Schweisfurth in einem internen Brief an Schwerins Oberbürgermeisterin, Angelika Gramkow (Linke), und drängte auf Veränderungen bei der Finanzierung des Staatstheaters, bestätigte er gestern unserer Redaktion. In dem Brief heißt es, dass das Theater "mit 6,652 Millionen Euro die mit Abstand zuschussbedürftigste kulturelle Einrichtung der Landeshauptstadt" ist. Gestern legte Schweisfurth gegenüber unserer Redaktion nach: "Schwerin pfeift haushaltspolitisch aus dem letzten Loch und kann sich einen Thea terzuschuss von sechs Millionen Euro nicht leisten."

Beim Theatergipfel des Kultusministers am Montag lehnten jedoch Rostock und Schwerin die Fusionspläne von Minister Tesch erneut ab. Man führe Gespräche über Kooperationen, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hinterher. Kai-Uwe Nissen, Geschäftsführer der Ros tocker Theater GmbH, schloss eine Fusion der Orchester, wie sie in Neubrandenburg und Stralsund vollzogen wurde, für die Theater in Rostock und Schwerin völlig aus.

Jetzt kommt die überraschende Folgerung des Rechnungshofspräsidenten: Man muss nunmehr darüber reden, ob das Land die Trägerschaft des Mecklenburgischen Staatstheaters übernimmt. "Ich persönlich könnte mir eine Landesträgerschaft vorstellen, wenn sich die Beteiligten nicht bewegen", sagte Schweisfurth.

Eine völlige Kehrtwende. Eine Landesbeteiligung hatten bislang sowohl Finanzministerium als auch Kultusministerium grundsätzlich ausgeschlossen. Aber Schweisfurth bindet auch Bedingungen an den Vorschlag: Die Lösung muss für das Land kostenneutral sein. Das heißt, die Übernahme des Finanzie rungs-Anteils der Stadt Schwerin von 6,6 Millionen Euro soll aus dem kommunalen Finanzausgleich des Landes für alle Städte und Gemeinden gespeist werden. Alle Kommunen bezahlen das Schweriner Theater. Im Gegenzug müsste das Staatstheater künftig auch andere Theater bespielen. 16,2 Millionen Euro betragen die öffentlichen Zuschüsse für die Bühnen in Schwerin derzeit insgesamt.

Tilmann Schweisfurth deutlich: "Die jetzigen Strukturen halten jedenfalls nicht bis 2020." Im Vergleich zu den finanzschwachen Ländern West sei die Landesförderung ohnehin schon auf "einem etwa doppelt so hohem Niveau", schreibt er an Gramkow. Das Ende der Fahnenstange sei damit erreicht. Ein weiteres Argument: Das Theatergebäude in Schwerin gehört ohnehin dem Land.

Kultusminister Tesch hatte in einem vom Kabinett gebilligten Eckpunktepapier vor einem Jahr vorgeschlagen, die Bühnen und Orchester in zwei Kulturräumen zu fusionieren. Seitdem tobt die Diskussion in den betroffenen Kommunen und Theatern, ohne wesentlich vo ranzukommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen