Schwerin : Land lässt Flüchtlinge im Stich

Sie danken Deutschland für die Hilfe, suchen aber jemanden zum Reden.
Sie danken Deutschland für die Hilfe, suchen aber jemanden zum Reden.

Asylbewerber sitzen seit zwei Wochen in der Comeniusschule in Schwerin-Lankow fest und warten sehnsüchtig auf ein Aufnahmeverfahren

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28. September 2015, 21:00 Uhr

Aufregung vor der Notunterkunft in der alten Comeniusschule: Etwa 30 junge Männer liegen im Gras hinter einem Transparent. „Danke Deutschland“ steht  darauf. Und noch mehr. Passanten  bleiben stehen und versuchen, weiterzulesen. Die jungen Männer sind freundlich  und erklären gern jedem, warum sie dort stehen und was sie wollen: Asyl.

„Danke Deutschland, danke für eure Hilfe.“ Das ist der erste Satz, den Amjed sagt und er erzählt in fließendem Englisch, dass er aus Aleppo kommt, er erzählt von Krieg, von Schüssen und Granateinschlägen. Dann erklären er und Issa, ein anderer syrischer Flüchtling, warum sie  vor der Notunterkunft  stehen:  „Wir sind seit zwei Wochen hier. Seither ist nichts passiert. Wir wissen nicht, wie weiter. Niemand  redet mit uns. Wir wollen Asyl beantragen und hier arbeiten.“

Als Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow von der  Kundgebung hört, fährt sie hin, redet mit den Flüchtlingen. Aber helfen kann sie nicht. „Erstaufnahme ist Sache des Landes.“

Doch das Land winkt ab: Das Problem sei bekannt, sagt Marion Schlender vom Innenministerium. Angesichts des großen Zustroms von Flüchtlingen seien diese zunächst in Notunterkünften untergebracht worden, weil die Erstaufnahmeeinrichtungen überfüllt seien. „Jetzt werden entsprechend unserer Kapazitäten die Aufnahmeverfahren für Asylanträge nach der Reihenfolge des Eintreffens  eingeleitet.“ Sie verweist   darauf, dass daran gearbeitet werde,  in Stern Buchholz eine zweite Aufnahmeschiene einzurichten. Doch die technischen Voraussetzungen erforderten Zeit. „Wir brauchen geordnete Verfahren“, betont sie.

Da schütteln Schweriner wie Felix Kämmler nur den Kopf. „Die Menschen brauchen Hilfe. Wenigstens reden könnten die Behörden mit ihnen“, sagt der Lankower.

>> Kommentar des Autors

Ungewissheit verunsichert
Die Flüchtlinge, die gestern auf die Straße gingen, betonen, dass sie nichts  fordern, sondern   nur  ihren Wunsch vortragen möchten: Sie wollen wissen, wie es weiter geht. Nach Wochen auf der Flucht sind sie nun in Sicherheit. Doch auch Ungewissheit kann bohrend schmerzen. Es kann doch kein Problem sein für eine Landesbehörde, innerhalb von zwei  Wochen einen Mitarbeiter durch die Notunterkünfte zu schicken und kurz  zu erklären, wie ein Asylverfahren abläuft.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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