Theater ums Theater : Land bremst Engagement der Staatskapelle aus

Klangkörper mit langer Tradition und bestem Ruf: Die Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin sollen künftig weniger Gehalt bekommen.
Klangkörper mit langer Tradition und bestem Ruf: Die Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin sollen künftig weniger Gehalt bekommen.

Nicht nur Personalabbau: Konzertreisen, Kinder- und Jugendarbeit sowie Stadtteil-Auftritte abgesagt

svz.de von
17. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Während das Publikum den Musikern der Mecklenburgischen Staatskapelle andächtig lauscht, findet der Orchestervorstand bei den Verantwortlichen in der Landesregierung kein Gehör. Und dabei sind daran nicht etwa mögliche Misstöne schuld. „Auf unsere Bitten um ein klärendes Gespräch haben wir noch nicht einmal eine Antwort aus dem Kultusministerium erhalten“, sagen die Musiker Florian Heinl und Thomas Probst im Gespräch mit unserer Zeitung. Fünf vergebliche Anfragen hätten sie seit dem bislang letzten Gespräch gestellt, das es im Frühjahr 2012 mit Kultus-Staatssekretär Sebastian Schröder gegeben habe.

Und so haben die Musiker bislang zumeist über Umwege von der ablehnenden Haltung des Landes gegenüber ihren Vorschlägen gehört. So fanden beispielsweise die Ideen keine Zustimmung, mehr Kinderkonzerte durchzuführen und auch in den einzelnen Stadtteilen Schwerins Konzerte vor Ort zu geben – nach dem Vorbild der überaus erfolgreichen „MeckProms“. Abgelehnt wurde auch die Idee, einen Teilbetrieb mit einem Kulturmanager unter dem Dach der Theater GmbH zu etablieren, der sich für Tourneen und Konzertreisen der Staatskapelle einsetzt. Der Gedanke der Musiker: In der Zeit, in der sie nicht bezahlt werden und dafür Freizeitausgleich erhalten, könnten sie auswärts Geld fürs Theater einspielen. „Wir wollten helfen“, sagt Florian Heinl. „Doch es hieß, die Kapelle soll sich nicht separieren und profilieren. Außerdem wäre der bürokratische Aufwand viel zu hoch“, berichtet der Orchestervorstand. Sein Fazit: „Eine erfolgreiche Staatskapelle ist in Mecklenburg-Vorpommern politisch nicht gewollt.“

Das Land habe zudem noch nicht einmal deutlich gemacht, wie die Zukunft des Mecklenburgischen Staatstheaters und seiner traditionsreichen Kapelle aussehen soll. „Eigentlich muss diese Frage zuerst geklärt werden: Was soll das Orchester künftig leisten? Wenn es dafür eine Antwort gibt, dann können wir über Geld reden und anschließend über Stellenabbau und drastische Einschnitte in den Spielplan und das Repertoire“, sagt Thomas Probst. In Schwerin werde das Pferd jedoch von hinten aufgezäumt. Sein Musiker-Kollege Florian Heinl ergänzt: Hier wird nie über eine Entwicklung geredet. Alle Kräfte engagieren sich nur für die Erhaltung des Staus quo. Und selbst dabei scheitern sie jetzt.“

Auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, die auch Kulturdezernentin in der Landeshauptstadt ist, hatte bereits vor wenigen Tagen öffentlich vom Land konkrete Zielvorgaben für die Vorzeigebühne im Land gefordert. „Wir brauchen inhaltliche künstlerische Aspekte: Was sollen die Theater im Land leisten? Wie viel Kinder- und Jugendarbeit brauchen wir, wie viel Theaterpädagogik? Die Frage, was Theater und Orchester für Kunst, Kultur und Bildung in unserem Land tatsächlich leisten, hat bisher kaum eine Rolle gespielt“, so Gramkow gegenüber unserer Zeitung.

Doch eine Antwort erhält auch sie nicht. Kultus-Staatssekretär Sebastian Schröder hat ihr dagegen jetzt einen Brief geschrieben, in dem er mitteilt: „Selbstverständlich besteht für die Landeshauptstadt Schwerin die Möglichkeit, eigene Ziele für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin darzustellen. Ich wäre dankbar, wenn Sie mir mitteilen würden, welche künstlerischen Parameter Eingang in die Zielvereinbarung finden sollen.“ Nur wenn die Zielvereinbarungen erfüllt werden, fließen nächsten Sommer zehn Prozent der nach dem kommunalen Finanzausgleichsgesetz zustehenden Mittel der Theaterförderung. Für Schwerin sind das 600 000 Euro (SVZ berichtete). Nach einem Theater-Konzept der Landesregierung sieht das alles nicht aus.

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