In Süd brodelt es: : Lampenstreit in Wüstmark

Ortsbeiratsvorsitzender Roland Süß (2.v.l.) versuchte vergebens, klare Antworten von den Mitarbeitern des Schweriner Verkehrsmanagements zu bekommen.
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Ortsbeiratsvorsitzender Roland Süß (2.v.l.) versuchte vergebens, klare Antworten von den Mitarbeitern des Schweriner Verkehrsmanagements zu bekommen.

Anwohner wollen keine neuen Laternen und fordern Baustopp / Stadt bleibt auf Bürgerversammlung Antworten schuldig

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26. November 2014, 21:00 Uhr

In Schwerin-Süd brodelt es: Die Straßenlampen in Wüstmark sollen erneuert werden. In der Schweriner Straße, Am Teich und Vor den Wiesen.  Dort waren in den 70er-Jahren Betonkonstruktionen aufgestellt worden, die in den vergangenen Jahren aber bereits an vielen Stellen durch neuere Masten ausgetauscht wurden. Nun soll alles erneuert werden. Doch die Anwohner, die dafür mit zur Kasse gebeten werden, sind stocksauer, fühlen sich übergangen.

Auf einer Anwohnerversammlung sollte alles geklärt werden, doch   es blieben viele Fragen der mehr als 80 Anwohner unbeantwortet. Die Mitarbeiter der Stadt konnten kaum Antworten geben. Als Grund für die Maßnahmen   führten sie  lediglich „Verschleiß“ an. „Die Stahlbetonkonstruktionen sind mit der Zeit porös geworden, an einigen Stellen gerissen und auch die Kabelanlagen entsprechen nur noch gerade so den geforderten Standards“, erklärte Carsten Bierstedt vom Amt für Verkehrsmanagement. Genaue Zahlen konnte er jedoch nicht nennen. Auch auf die Frage, wie alt die Kabelanlage in dem Bereich ist, konnte er keine Auskunft geben.  Doch der Ärger  der Anwohner ist auch noch der Tatsache geschuldet, dass sie sich wieder einmal schlecht informiert fühlen. „Wir werden hier vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich war bisher ein stolzer Schweriner, doch das kann ich jetzt nicht mehr behaupten. Wir als Ortsbeirat werden nicht beachtet“, wetterte Roland Süß. Der Ortsbeiratsvorsitzende hatte die Stadt aufgefordert, die zuständigen Amtsleiter zu schicken, in einer Einwohnerversammlung die Fragen der Bürger zu beantworten. Das war am Dienstagabend nicht der Fall. Die Mitarbeiter standen allein da.  Nachfragen der wütenden Anwohner wurden teilweise ignoriert. Arbeitsbereiche wurden erklärt, auch Vorgehensweisen, doch wieviel das Projekt kosten wird, warum man den Ortsbeirat nicht informiert hat und warum es jetzt zwingend notwendig sei, alles zu erneuern, blieb unklar. Es fielen zwar Vokabeln wie Kurzschlusssicherheit und Schleifenwiderstand. Woran es genau hapert? Offen. Klar ist nur die Kostenübernahme. 75 Prozent der Bausumme zahlen die Anlieger. Doch wie teuer das Ganze wird, weiß auch keiner genau. Die Rede war anfänglich von 77 000 Euro, dann von 170 000 und jetzt seien es 238 000 Euro. „Ich habe die Leute  hier laufen sehen, nachgehakt und  sofort den Ortsbeirat informiert“, sagt Werner Vick. Der Wüstmarker fühlt sich verschaukelt, wie er  sagt. 

Als dann erklärt wurde, dass die neueren Masten abgebaut und woanders im Stadtgebiet aufgebaut werden sollen, war es mit dem Verständnis der Wüstmarker vorbei – auch teilweise mit  den guten Manieren.  Bierstädt erklärte mehrmals, dass es nicht Aufgabe des Fachamtes sei, die Bürger zu informieren. „Wir müssen die Sicherheit der Anlagen und ihre Funktion gewährleisten. Das ist hier in Wüstmark nur  geradeso erreicht. Deshalb muss erneuert werden“, sagte er. Alle vier Jahre gäbe es eine technische Überprüfung der Anlagen. 

Aus Sicht der Stadt ist die Erneuerung nötig und deshalb wurde der Auftrag bereits ausgelöst, seit 20. November laufen die Bauarbeiten. Doch das wollen sich die Bürger nicht gefallen lassen. Der Ortsbeirat hat einen sofortigen Baustopp beantragt und fordert die Oberbürgermeisterin auf, zusammen mit  ihren zuständigen Amtsleitern in zwei Wochen den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Dann soll es eine neue Versammlung geben. „Und bis dahin haben Sie bitte ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Süß  zu den Mitarbeitern der Stadt. Und die hat gestern prompt reagiert: Die Oberbürgermeisterin hat sehr bedauert, dass sie nicht teilnehmen konnte und plant für die nächste Woche eine Ortsteilversammlung in Wüstmark.
 

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