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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 06:18 Uhr

Deutsche Bahn : Lahme Bahn: Druck auf Pegel wächst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Längere Fahrzeiten: Linke pocht auf Nachverhandlungen.

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 21:00 Uhr

Parlamentarisches Nachspiel: Die ab Sonntag deutlich schlechteren Zugverbindungen für Pendler und Reisende aus Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg setzen Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zunehmend unter Druck. Der Linken-Fraktionschef im Landtag Helmut Holter verlangt vom Land unverzügliche Nachverhandlungen mit der Bahn über eine Korrektur der sich künftig deutlich verschlechternden Bahnverbindungen in Westmecklenburg. Wegen Bauarbeiten, vor allem aber wegen Änderungen im Fernverkehr, verlängern sich die Fahrzeiten in den Regionalzügen nach Hamburg um durchschnittlich 15, in einigen Zügen sogar um 20 Minuten. Das sei „inakzeptabel“, kritisierte Holter gestern. Der Bahn müsse signalisiert werden, „dass ihr Vorgehen nicht gebilligt werden kann“.

In einem Antrag zur Landtagssitzung kommende Woche verlangt die Links-Fraktion daher deutliche Korrekturen. Spätestens bis zum Fahrplanwechsel 2016 müssten die Verschlechterungen zurückgenommen und vom Land bei Verhandlungen mit der Bahn Verbesserungen durchgesetzt werden.

Schnellere ICE-Züge, langsamere Regionalbahnen: Mit der Einweihung der Neubaustrecke zwischen Erfurt und Leipzig sind ICE-Züge aus dem Süden Richtung Norden schneller unterwegs. Dafür muss aber der Hamburg-Regionalexpress in Büchen warten und den ICE überholen lassen. Ein „Unding, dass die Fernverkehrs- und Modernisierungsoffensive der Deutschen Bahn und schnellere Reisezeiten südlich Berlins dazu führen, dass im Norden die Anschlüsse nicht mehr passen und lange Wartezeiten beim Umsteigen in Kauf genommen werden müssen“, kritisierte Holter. Es sei geradezu eine „Frechheit“ dass dann auch noch langsamere und weniger komfortable Züge im Regionalverkehr in MV eingesetzt würden. Holter: „Die Bahn saniert sich auf Kosten der Bahnreisenden in MV und hängt unser Land weiter von den Metropolen ab.“

Die Bahnentscheidung kann künftig auch Pendler auf anderen Strecken übel aufstoßen: Die ersten Pendler denken bereits über den Umstieg aufs Auto nach. In einer Umfrage der Online-Ausgabe unserer Zeitung kündigte etwa ein Drittel der Teilnehmer an, wegen der schlechteren Bahnangebote künftig wieder mit dem Auto zur Arbeit fahren zu wollen. Das setzt den Regionalverkehr in MV weiter unter Druck und eine Abwärtsspirale in Gang, kritisierte Johann-Georg Jaeger, Verkehrsexperte der grünen Landtagsfraktion: Bei weniger Fahrgästen bestehe die Gefahr, dass auch auf anderen Strecken das Bahnangebot gekürzt werde.

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