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Zeitung für die Landeshauptstadt

17. November 2017 | 22:30 Uhr

Vier Pfoten : Labradordame als Schutzengel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der 12-jährige Arnold hat Diabetes Typ 1: Wenn sein Zuckerspiegel schwankt, warnt ihn Hündin Lulu zuverlässig

von
erstellt am 29.Dez.2014 | 08:00 Uhr

Es ist dunkel, tief in der Nacht und alle schlafen – nur Labradordame Lulu wacht vorbildlich am Bett von Arnold Quaß. Beim heute 12-jährigen Jungen war bereits im Alter von 18 Monaten Diabetes Typ 1 diagnostiziert worden. Danach änderte sich das Leben der Familie drastisch.

Zuerst war die Angst sehr groß. Mutter Berit Quaß lebte ständig in höchster Alarmbereitschaft. Erst als Lulu zur Familie kam, änderte sich das. „Früher bin ich jede Nacht aufgestanden, um nach Arnold zu sehen und seinen Blutzuckerwert zu messen“, erzählt sie. Heute kann die 44-Jährige, die selbst Ärztin ist, durchschlafen. Denn seit etwa sieben Jahren passt Lulu auf Arnold auf. „Unsere Lulu bemerkt schon oft eine halbe Stunde bevor es wirklich ernst wird, dass Arnolds Blutzuckerwert stark absinkt. Dann schlägt sie Alarm“, berichtet die Internistin und streichelt liebevoll den Kopf des Tieres. Da ihr Sohn einen so tiefen Schlaf habe, dass die Hündin ihn oft nicht aufwecken könne, läuft sie im Ernstfall direkt ans Bett der Eltern und weckt Berit. „Dann gehe ich schnell zu Arnold und lege ihm Traubenzucker auf die Zunge“, erzählt die Schwerinerin.

Lulu ist für Arnold und seine Familie aber weitaus mehr als eine „Alarmanlage auf vier Pfoten“. Die Hündin ist Therapeutin und beste Freundin. „Lulu ist unglaublich wichtig für mich“, sagt Arnold strahlend. Früher konnte er nirgends alleine hingehen, immer musste ihn seine Mutter oder jemand anders begleiten. Heute könne er zu Freunden, ins Kino oder auch alleine zu Hause bleiben, denn seine Lulu ist ja bei ihm und passt immer auf ihn auf.

Lulus Ausbildung hat etwa 8 500 Euro gekostet und musste von Familie Quaß selbst finanziert werden. „Die Ausbildung war jeden Cent wert“, betont Arnolds Vater Robert Quaß. In einer Fachzeitschrift für Diabetiker lasen Berit und Robert Quaß einen Artikel über Diabetiker-Warnhunde. „Das hat uns erst auf die Idee gebracht“, erklärt Robert Quaß. Gemeinsam mit Diana Poyson, Betreiberin einer Hundeschule in Niedersachsen, haben sie Lulu als Diabetikerbegleit- und Warnhund ausgebildet. Das Ganze habe zwei Jahre gedauert.

In dieser Zeit musste die Familie einmal im Monat nach Hannover oder Osnabrück zur Hundeschule fahren, denn diese spezielle Ausbildung war damals einmalig in der Bundesrepublik. „Zuhause musste fleißig trainiert werden. Auch Hausaufgaben hatte wir auf, die dann in der achtstündigen Präsenzphase einmal im Monat abgefragt wurden“, erzählt Berit Quaß.

„Leider wird die Ausbildung eines Diabetiker-Warnhundes nicht von der Krankenkasse übernommen“, erklärt die Internistin. Allerdings verstehe sie den Grund dafür nicht, denn schließlich werde ja auch die Ausbildung für Blindenhunde übernommen und die kostet nebenbei bemerkt etwa 35 000 Euro. „Sie denken, wenn sie die Kosten übernehmen – oder zumindest einen Teil – wollen alle Diabetiker plötzlich einen Hund haben“, so Berit Quaß weiter. Dies sei ihrer Meinung nach aber Quatsch, denn nicht alle Menschen mit dieser chronischen Stoffwechselerkrankung sind auch in der Lage, einen Hund zu haben, zu versorgen oder wollen wirklich einen. „Auch nicht jeder Blinde hat einen Hund und trotzdem werden die Kosten für Blindenhunde übernommen“, betont Arnolds Mutter.

Die Geschichte von Arnold und Lulu ist ein Paradebeispiel, und Familie Quaß werde auch in Zukunft weiter dafür kämpfen, dass die Ausbildung für Diabetiker-Warnhunde in Deutschland mehr Anerkennung findet.

 

 

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