Plate : Kurzer Schulweg – teurer Bus

Der Bus zu Banzkower Schule fährt wie hier in der Sukower Straße in Plate ab. Diese Kinder sollen jetzt zahlen.
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Der Bus zu Banzkower Schule fährt wie hier in der Sukower Straße in Plate ab. Diese Kinder sollen jetzt zahlen.

Plater Mütter sind sauer über Bescheide vom Landkreis: Familien sollen für die Fahrt bis zur Schule in Banzkow zahlen

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07. September 2017, 20:30 Uhr

Dana Joswig ist sauer. „Das ist eine Frechheit. Wir reden immer von Chancengleichheit und dann wird den Eltern so ein Brief geschickt“, wettert die Platerin. In ihren Händen hält sie einen Bescheid vom Landkreis Ludwigslust-Parchim, dass ihrem Sohn Sven Ole  die Fahrkarte für den Schülerbus nach Banzkow nicht mehr erstattet wird. Der Landkreis beruft sich dabei auf einen Kreistagsbeschluss von 2012. Sven Ole besucht ab diesem Schuljahr die Klassenstufe 10. Auch in den vergangenen Jahren war der Plater bereits an der Banzkower Schule. „Es wurde die Busfahrt immer erstattet. Und nun gab es wohl eine Prüfung, und für das vergangene Jahr sollen wir löhnen“, sagt Dana Joswig. Denn der Landkreis übernimmt die Schülerbeförderung erst, wenn eine  so genannte Zumutbarkeit nicht mehr gegeben ist. „Nach einer Prüfung wurde festgestellt, dass der Schulweg die zumutbare Mindestentfernung von vier Kilometern nicht erreicht“, heißt es im Schreiben. Den Brief  hat sie  eine Woche vor Ferienbeginn bekommen, dann gleich Widerspruch eingelegt. Eine Antwort gab es vier Wochen später – Mitte August. Da verweist der Kreis auf eine „gemessene Entfernung von 3927 Meter“. „Das ist doch alles ein schlechter Scherz. Zumal den Eltern angeboten wird, das Kind zu Fuß oder per Rad zur Schule zu schicken“, sagt Dana Joswig.

Mit dem Problem steht sie nicht alleine da. Auch Uta Grahl, Melanie Hoffmann und Daniela Dauck haben vor den Ferien Post vom Kreis bekommen. Sie müssen die Fahrtkosten für den Bus zur Schule auch ab sofort selbst tragen. „Das sind monatlich 42 Euro. Wir können das noch aufbringen, aber es gibt auch Eltern, die trotz Arbeit gut rechnen müssen. Im Jahr kommt da ganz schön was zusammen“, sagt Daniela Dauck. Für sie, die zwei Kinder in Banzkow zur Schule schickt, seien es mehr als 1000 Euro. „Das ist schon ein kleiner Familien-Urlaub“, schiebt sie hinterher. Alle vier haben Widerspruch beim Landkreis eingelegt und die gleiche Antwort bekommen: Die Entfernung reiche nicht aus. „Wir haben uns den Spaß gemacht und sind die Strecke einmal zu Fuß abgelaufen“, sagen Uta Grahl und Dana Joswig. Eine Stunde haben die Mütter von Plate nach Banzkow zur Schule gebraucht. „Wir sind erwachsen. Bei den Kindern dauert es sicher noch länger, und die Schule beginnt um 7.30 Uhr. Wann sollen wir die Kleinen denn losschicken?“, fragt Dana Joswig. Hinzu komme, dass der Weg nah entlang der Kreisstraße verläuft und nicht beleuchtet ist. „Ich habe zudem darauf hingewiesen, dass es keine Leitplanken gibt. Doch der Landkreis sieht das scheinbar anders“, sagt Daniela Dauck.

Besonders traurig sei es für Familie Grahl. „Hier fährt der Bus direkt vor der Haustür ab, aber Lani darf nicht einsteigen, wenn ihre Eltern die Fahrt nicht selbst zahlen. Auch in diesem Fall argumentiert der Landkreis mit der nicht erreichten Mindestlänge. Statt der nötigen 4 seien es bei Familie Grahl ebenfalls nur 3,9 Kilometer. „Wenn Lani aber jetzt zu Fuß gehen soll, dann ist sie schon kaputt, wenn sie in der Schule ankommt“, sagt ihre Mutter. Denn die Schultasche der Sechstklässlerin sei ohnehin schon viel zu schwer. „Wir haben ein ganz leichtes Modell, doch der Inhalt lässt sich nicht reduzieren“, schiebt Uta Grahl hinterher.

Die Mütter fragen sich, warum jetzt – fünf Jahre nach dem Kreistagsbeschluss – plötzliche die Aufforderungen ins Haus flattern.

Andreas Bonin, Sprecher des Landkreises, erklärt: „Es handelt sich hier um Versäumnisse aus Altkreis-Zeiten, die jetzt geheilt werden müssen. Es wurde eine Ungleichbehandlung gegenüber den anderen Schülern der Sekundarstufe   festgestellt und muss unter Berücksichtigung des Gleichbehandlungsgesetzes  korrigiert werden.“  Den Unmut der Plater Mütter kann Bonin verstehen, doch es sei Aufgabe der Verwaltung, die Sachverhalte zu prüfen und entsprechende Vorgaben umzusetzen. Immerhin habe der Kreistag diese Abstandsregelung so beschlossen.

Einmal haben die betroffenen Familien schon Widerspruch eingelegt. „Es  kam aber  wieder eine Ablehnung. Bei weiteren Widersprüchen   droht der Kreis uns  damit, dass wir  weitere anfallende  Kosten  des Verfahrens  tragen  müssten“, sagt Dana Joswig. Sie ist ein wenig ratlos. Aber einfach aufgeben, dass wollen die Plater Mütter auch nicht.  Eine letzte Chance gäbe es noch: Die Kreistagsabgeordneten mit dem Problem direkt zu konfrontieren.

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