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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 16:44 Uhr

Schwerin ehrt Dirigenten : Kurt Masurs letzter Besuch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am ehemaligen Wohnhaus des weltberühmten Dirigenten enthüllten Schweriner Theaterfreunde eine Erinnerungstafel

svz.de von
erstellt am 30.Jul.2017 | 20:45 Uhr

Ruhig geht es zu, hier in der Sebastian-Bach-Straße. Die Nachbarn kennen sich, ab und zu fährt ein Auto durch die Querstraßen. Dort, wo heute ein Steuerberater sein Büro hat, lebte vor knapp 60 Jahren einer der bedeutendsten deutschen Dirigenten: Kurt Masur. Um an dessen zweijährige Schaffenszeit in der Landeshauptstadt zu erinnern, enthüllten die Schweriner Theaterfreunde nun gemeinsam mit Nachkommen Masurs eine Bronzetafel an dessen ehemaligem Wohnhaus.

„Für mich und meine Familie ist es eine große Freude, dass die Erinnerungen an meinen Vater noch so lebhaft vorhanden sind“, erklärte Michael Masur, der älteste Sohn des Dirigenten. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen kam der Berliner auf Einladung der Theaterfreunde nach Schwerin, um die Erinnerungstafel in der Weststadt zu enthüllen. „Unser stellvertretender Vorsitzender, Matthias Kunze, hat einen engen Kontakt zur Familie Masur. So kam auch die Einladung zu Stande“, sagte Dr. Michael Jungrichter, der Vorsitzender Schweriner Theaterfreunde.

Zur Enthüllung, die von Michael Masur, dessen Sohn Daniel, Dr. Michael Jungrichter und Bärbel Jahnke von den Theaterfreunden vorgenommen wurde, erklangen klassische Klänge der Mecklenburgischen Staatskapelle. Hans-Matthias Glaßmann, Wolf-Markus Zschunke und Dörte Viandt spielten auf Klarinette, Oboe und Fagott Stücke von Ibert, Mozart und aus der Feder von Johann-Sebastian Bach.

Manfred Zelt, Wegbegleiter und Freund Masurs, hob in seiner Laudatio dessen „Zielstrebigkeit und Konsequenz“ hervor, die ihn zum Weltmusikanten gemacht habe. In seinen zwei Schweriner Jahren habe der Dirigent einen opulenten Spielplan kreiert, so Zelt. „Und in seinen Konzerten waren auch Stehplätze im dritten Rang gefragt, die es damals noch gab.“ Doch selbst nach der Arbeit als Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater von 1958 bis 1960 und dem Wechsel an die Komische Oper in Berlin habe sich Masur stets über die Musiker in der Landeshauptstadt informiert. „Wir haben ab und zu miteinander telefoniert. Bei jedem Gespräch hat er nach der Kapelle und dem Theater gefragt. Es hat ihn bedrückt, was da verloren gegangen ist“, erklärte der 82-jährige Schweriner.

Masur wollte auf seine letzten Tage noch einmal Schwerin besuchen, erzählte Manfred Zelt. Doch es sollte beim Wollen bleiben. Kurt Masur verstarb 2015 im Alter von 88 Jahren in seiner zweiten Heimat Amerika. „Mit dieser Tafel ist der Besuch nun wenigstens symbolisch geschehen“, erklärte Zelt.

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