zur Navigation springen

Kinderbuch in Schwerins Klinik : Kunterbuntes Trostpflaster

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stephanie und Nicole Metzner haben für die Helios-Kliniken ein liebevolles Kinderbuch geschrieben, das jeder kleine Patient bekommt

von
erstellt am 18.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Arm gebrochen, Blinddarmentzündung, undefinierbare Schmerzen: Wenn Kinder als Patienten ins Krankenhaus müssen, versuchen zwar alle Beteiligten besonders fröhlich und nett zu sein – trotzdem ist die Verunsicherung der Kleinen oft mit Händen zu greifen. Was passiert mit mir, wann hören die Schmerzen auf und wie lange muss ich hier bleiben? Seit wenigen Monaten geben darauf nicht nur Ärzte und Pfleger der Helios-Kliniken eine Antwort, sondern auch ein Bilderbuch mit dem Namen „Bei großen und kleinen Autschs!“.

Stephanie und Nicole Metzner haben es im Auftrag der Klinik geschrieben – und dieses erste gemeinsame Buchprojekt der Mecklenburger Schwestern kann sich sehen lassen. Es ist nicht nur besonders schön gestaltet, sondern bietet kindgerecht Antworten auf viele Fragen. Jedes Kind, das in den Helios-Kliniken aufgenommen wird, bekommt ein Exemplar und darf es behalten.

Viel Herzblut und Zeit haben die 36-jährige Grafikerin und ihre nur ein Jahr ältere Schwester Nicole, Diplom-Psychologin für Kinder und Jugendliche, in das Projekt investiert. Zwei Wochen hospitierte Stephanie Metzner in der Schweriner Kinderklinik und konnte den Ärzten und Schwestern Löcher in den Bauch fragen. Anderthalb Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zur Fertigstellung, 48 Seiten umfasst das Buch. Als Texterin hat sich Stephanie Metzner ihre Schwester Nicole mit ins Boot geholt. Als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin weiß sie, mit welchen Gefühlen Kinder ins Krankenhaus kommen, was sie bewegt, was für sie von zentraler Bedeutung ist.

„Drei Monate haben wir an unserem ersten Konzept gearbeitet, es dann wieder verworfen und noch mal von vorne angefangen“, erinnert sich die Illustratorin. „In dieser ganzen Zeit haben die Helios-Kliniken nie Druck gemacht und all unsere Fragen immer geduldig beantwortet. Wir hatten für jedes Thema genügend Zeit, genau zu schauen.“ Und mit ihrer Schwester, die heute bei Bremen lebt, konnte sie mit diesem Projekt und den damit verbundenen Herausforderungen, ein Stück weit wachsen.

Das Bilderbuch selbst erzählt die Geschichte der kleinen Anna, die sich beim Sturz vom Klettergerüst den Arm bricht. Vom Wählen der Notfallnummer 112 über die Fahrt mit dem Rettungswagen, dem Warten in der Notaufnahme bis zur Operation wird sie vom Leser begleitet. Die Schwestern Metzner erzählen dabei Spannendes über den Piks beim Blutabnehmen, über bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall. Sie stellen die Kinderstation vor, den Operationssaal und die Intensivstation. Und weil Anna ihren kleinen Freund, den neugierig umherflatternden Schmetterling August dabei hat, gibt es auch noch Einblicke in die Frühchenstation, ins Schlaflabor, in Zimmer, auf denen Kinder mit chronischen Krankheiten liegen, und in die Kinderkrebsstation. Besonderer Hingucker: Die meisten Ärzte und Schwestern der Kinderklinik sind zwar gezeichnet, zeigen aber ihre echten Gesichter.

Ihr Handwerk hat Stephanie Metzner übrigens in Hamburg erlernt. Ihr Büro steht heute in Neu Zachun. „Ideen eine Gestalt zu geben, ist meine Leidenschaft“, sagt die 36-Jährige. Der Schwerpunkt ihrer Abschlussarbeit lag bereits im illustrativen Bereich – ein Kinderbuch. „In den vergangenen elf Jahren habe ich mich aber mehr beschäftigt mit Konzepten für Corporate Design und mit Grafikdesign für Print- und Webmedien.“ Endlich wieder zu zeichnen und die Ideen zu Papier zu bringen, hat ihr großen Spaß gemacht. Stephanie Metzner mag gern schlichte Bilder, die aufs Wesentliche reduziert sind, aber trotzdem ausdrucksstark. Die Hintergründe der einzelnen Seiten sind in Aquarell gemalt. „Nicht alle Personen sollten lächeln, das war meiner Schwester wichtig“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu. Authentisch soll die Geschichte von Anna nämlich sein – und in der Notaufnahme gibt es eben auch Zweifel und Tränen.

Von Freunden oder Bekannten habe sie sich für ihre aktuellen Kinderbuch-Figuren übrigens nichts abgeguckt. Nur an einer Stelle hat die Illustratorin Stephanie Metzner eine persönliche Erinnerung hinterlassen: Das „Rheuma-Mädchen“ trägt ein Kleid aus dem Stoff, aus dem Stephanie und Nicole Metzners Oma früher einmal ein Kleid geschneidert hat.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen