Meditation im Museum in Schwerin : Kunstwerke als Stressbremse?

Kunst-Gespräch nach der Meditation: Vor dieser Installation von Nam June Paik und Merce Cunningham versammelte sich die kleine Runde. Im Dezember und Januar soll es weitere Meditationen im Museum geben.
Kunst-Gespräch nach der Meditation: Vor dieser Installation von Nam June Paik und Merce Cunningham versammelte sich die kleine Runde. Im Dezember und Januar soll es weitere Meditationen im Museum geben.

Mit einer Meditations-Reihe wollen die „Jungen Freunde“ mehr Schweriner für das Museum interessieren.

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22. November 2017, 12:00 Uhr

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon: Gut ein Dutzend Menschen sitzen im Kreis um eine Installation. Ein großes Bild zeigt ein Gesicht mit geschlossenen Augen. Darüber – quasi im Kopf – erscheint zweimal derselbe Mann, gespiegelt, leicht unscharf. Er wirkt, als ginge er aus dem Bild heraus. Darunter laufen auf zwei Monitoren jeweils identische Videosequenzen. Es geht um Tanz, Musik, Bewegung.

Die Installation von Nam June Paik und Merce Cunningham aus dem Jahr 1991 ist eines des bedeutendsten Werke der modernen Kunst in der Sammlung des Schweriner Museums. Paik (1932-2006) gilt als ein Begründer der Video- und Medienkunst, Cunningham (1917-2007) als führender Kopf des zeitgenössischen Tanzes. Aber das wissen einige Teilnehmer dieser seltsam anmutenden Runde noch gar nicht. Denn bevor sie mit Kunstexperten über das Bild sprechen, meditieren sie davor. 20 Minuten lang. Auf kleinen Klapphockern, die sie am Eingang mitgenommen haben. Yoga- und Meditationslehrerin Sabine Brhel hat sie auf die Reise ins Innere geschickt, die Jungen Freunde des Staatlichen Museums haben dazu eingeladen. Ein Versuch, Kunst einmal anders zu präsentieren als mit klassischen Rundgängen. Ansprechen möchte man mit diesem Format vor allem Menschen, die gerade von der Arbeit kommen, ihren Feierabend in der Kunst beginnen möchten, sagt Christina May von den „Jungen Freunden des Staatlichen Museums“. Beim Debüt überwogen zahlenmäßig die Gastgeber zwar noch die Gäste. Aber der Versuchsballon ist gestartet und soll noch zweimal fliegen, am 6. Dezember und am 10. Januar jeweils von 16 bis 17 Uhr.

„Spannend und privilegiert“, nennt Sabine Brhel den Meditations-Ort Museum. Sie fordert die Teilnehmer auf, einfach nur gewahr zu werden, was in ihnen geschieht, ohne Fokussierung und Bewertung, frei von Kommentaren. Leicht fällt das nicht allen und nicht sofort. Viele irritiert der Ton der Fernseher, das Rauschen der Lüftung. Die Hocker sind mäßig bequem, ein bisschen ziehts im Rücken. Die Museumsbesucher, die vorbeigehen, stören aber nicht. Irgendwann stört dann einfach gar nichts mehr und das Abtauchen aus dem Alltag gelingt. Bis ein Schlag an die Klangschale die Gruppe zurückholt ins Hier und Jetzt.

„In den nächsten Monaten wollen wir viel dafür tun, Junioren bis zum Alter von 40 Jahren, für unsere Arbeit zu interessieren und zu gewinnen“, sagt Mechthild Bening, Vorsitzende des Fördervereins „Freunde des Staatlichen Museums“. „Das Klagen über eine gleichgültige, dauerchillende, egozentrische Jugend sind wir leid. Im Gegenteil wollen wir von jungen Leuten, den Betroffenen selber, erfragen, wie man bürgerschaftliches Engagement für junge Menschen attraktiv gestalten kann.“ Zurzeit sei man dabei, Modalitäten für einen Wettbewerb zu erarbeiten: Junge Menschen sollen sich Gedanken machen, mit welchen Veranstaltungen, Aktionen oder Social-Media-Beiträgen sich ihre Altersgruppe fürs Museum begeistern lässt.

Die Meditation vor einem Kunstwerk mit anschließendem Gespräch ist auf jeden Fall ein neuer Weg und eine interessante Selbsterfahrung. Und tatsächlich ein erstklassiger Start in den Feierabend.
 

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