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Schätze des Schlosses : Kunstraub: Schwerin hatte Glück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dr. Torsten Knuth macht im Schloss mit abenteuerlichen Geschichten von den Schätzen des Museums neugierig auf die geplante Ausstellung

Schweriner Kunstfreunde können sich glücklich schätzen, im Staatlichen Museum und im Schlossmuseum eine so reichhaltige und hochkarätige Sammlung an Gemälden, Grafiken, Zeichnungen, Skulpturen, kunsthandwerklichen Gegenständen und historischen Waffen, Münzen und Medaillen bestaunen zu können. Denn ein Großteil davon war im Laufe der Geschichte schon mal weg: gestohlen, erbeutet, beschlagnahmt, verkauft, ausgelagert, versteckt, verschollen. Manches übrigens bis heute.

Betroffen waren alle Bereiche der Sammlung und insbesondere die hochkarätigsten Stücke der Alten Meister aus dem Goldenen Zeitalter wie „Die Torwache“ von Carel Fabritius, Gemälde von Frans van Mieris, Frans Hals, Pieter Claesz, Jan Davidsz de Heem, Simon de Vlieger, Ludolf Backhuysen sowie Bilder aus der gemalten Menagerie von Jean-Baptiste Oudry. Insgesamt rund 200 wertvolle Gemälde und Zeichnungen sowie etwa 100 Skulpturen und Kunstgegenstände wurden 1807 im Auftrag Napoleons von französischen Truppen aus Schwerin geraubt und 70 davon schon kurz darauf in Paris im Louvre ausgestellt, berichtete Dr. Torsten Knuth aus Rostock in seinem Vortrag innerhalb der Reihe „Rendezvous im Schloss“. Doch dieser Kunstraub fand ein ziemlich glückliches Ende: Nach dem Wiener Kongress bekam Friedrich Franz I., mittlerweile zum Großherzog aufgestiegen, seine Kunstwerke fast vollständig zurück. Nur drei der damals konfiszierten Bilder sollen sich noch im Louvre befinden.

Relativ glimpflich überstand Schwerin auch spätere Kunstraub-Aktionen, berichtete Dr. Knuth. So hatten die Nazis in ihrer Attacke auf Kunstwerke, die nicht ihrer Ideologie entsprachen und als „entartete Kunst“ verfemt wurden, auch aus dem Staatlichen Museum einige Stücke entfernen und auf Auktionen verkaufen lassen. Zum Glück nicht allzu viele, allerdings waren diese für Schwerin verloren. Viel umfangreicher dagegen war die Zahl der Kunstwerke, die nach dem II. Weltkrieg als Beutekunst von den sowjetischen Truppen konfisziert wurden, Dabei handelte es sich aber vor allem um historische Waffen und Uniformen sowie kunsthandwerkliche Gegenstände. Mehr als 1000 Einzelstücke waren verzeichnet. Der Großteil davon kehrte zu DDR-Zeiten zurück, einiges blieb jedoch verschollen.

Vollständig abgeschlossen war das Thema Kunstraub für Schwerin damit jedoch nicht, so Dr. Knuth. Denn bei einigen Erwerbungen des Staatlichen Museums nach dem II. Weltkrieg handelte es sich um Raubkunst der Nazis, die versteigert worden war und deren wahre Herkunft erst vor ein paar Jahren aufgedeckt wurde – mit der Konsequenz der Rückführung.

Dr. Torsten Knuth hatte seinen Vortrag, den gut 60 Besucher in der historischen Schlossbibliothek aufmerksam verfolgten, so angelegt, dass er informieren, aber auch aufmerksam machen sollte auf die in Vorbereitung befindliche Sonderausstellung des staatlichen Museums zum Thema Beutekunst im Zusammenhang mit der Schweriner Sammlung. Anschaulich stellte er den Wandel der Rechtsauffassung vom einst üblichen Ius belli, dem Recht auf Krieg und Kriegsbeute, bis zu den heutigen Auffassungen von Kunstraub und Beutekunst und der nach wie vor schwierigen internationalen Umsetzung, zum Beispiel wenn es um den von Heinrich Schliemann entdeckten Schatz des Priamos geht. Dr. Knuth ließ in seinem Vortrag „Kunstraub: Ikonen der Macht – Ein kunsthistorisches Phänomen“ zwar einige Fragen offen, um neugierig auf die Ausstellung zu machen, erhielt aber viel Beifall. Die Eröffnung der Sonderschau im Museum ist für den 24. Oktober vorgesehen.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 14:00 Uhr

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