Schwerin : Kunst ganz neu entdecken

„Das große Glas“ lautet der Kurztitel des Werkes, an dem Marcel Duchamp von 1915 bis 1923 arbeitete – und das beim Besucher heute noch Fragen aufwirft. Fotos: kawi (4)
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„Das große Glas“ lautet der Kurztitel des Werkes, an dem Marcel Duchamp von 1915 bis 1923 arbeitete – und das beim Besucher heute noch Fragen aufwirft. Fotos: kawi (4)

Viele Schweriner und Touristen nutzten den Internationalen Museumstag, um sich mit der ganzen Familie die Sammlungen anzusehen

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20. Mai 2019, 05:00 Uhr

Kunst – was ist das eigentlich? Muss es immer ein idyllischer Seerosenteich, ein Tier, eine Landschaft oder eine Gruppe Menschen sein, originalgetreu abgebildet in Öl oder Aquarell auf Leinwand? Kann es nicht auch eine Videosequenz sein, ein Stuhl, ein Tuch, ein Besen oder zwei verbundene, gerahmte, frei im Raum stehende Glasscheiben mit dem verstörenden Titel „Die Neuvermählte/Braut von ihren Junggesellen entkleidet, sogar“, oder kurz: „Das große Glas“. Wer jetzt ein bisschen verwirrt ist, der befindet sich genau in dem Zustand, in den Marcel Duchamp (1887-1968) ihn gerne versetzen möchte: Nachdenkend über den Sinn und die Möglichkeiten von Kunst. Dem Mitbegründer der Konzeptkunst, Wegbereiter des Dadaismus und des Surrealismus widmet das Staatliche Museum aktuell seine Sonderschau „Das Unmögliche sehen“. Sie basiert auf der 90 Werke umfassenden Schweriner Duchamp-Sammlung, der zweitgrößten in Deutschland, und kann noch bis zum 26. Mai im Neubau besucht werden.

Auch beim Internationalen Museumstag lag der Focus auf dieser Schau – sowie auf Familien und Barrierefreiheit. Eine Gebärdendolmetscherin war vor Ort. Die erste Führung des Sonntages leitete Katrin Sykora mit möglichst einfachen Worten, also kindgerecht. Und die Kleinen hatten ihren Spaß an Duchamps großem Glas, das sie anfassen durften, drum herum laufen, hindurchschauen. Die Erwachsenen grübelten derweil darüber, ob sie in dem Objekt wirklich die Beziehung zwischen Mann und Frau entdecken konnten.

Den ganzen Tag über gab es ein kostenloses Programm im Staatlichen Museum, ebenso wie gegenüber im Schloss, das heute übrigens König Willem-Alexander und Königin Maxima der Niederlande besuchen werden. Gestern hatten es die Schweriner und die Touristen voll im Griff – Kreuzfahrt-Reisegruppen aus Asien gehörten zu den ersten Besuchern am Museumstag. Ganz bewusst oder eher aus Zufall nutzten viele Gäste die Chance, das Schloss kostenlos zu besichtigen. Gratis-Führungen gab es auf Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch – und Plattdeutsch.

Einen kleinen Schreck gab es am Ende des Tages: Kurz nach 16 Uhr fuhr die Berufsfeuerwehr am Staatlichen Museum vor. Als Grund für den Alarm entpuppte sich ein defektes Sonnenrollo, die Einsatztruppen mussten nicht löschen und rückten wieder ab.

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