Poststreik : Kunden holen Pakete ab

Glückliche Gesichter: Lara Selling konnte mit zweiwöchiger Verspätung ihr Geburtstagsgeschenk in Empfang nehmen. Zum Abholen kamen Vater Marc, Mutter Annika und Schwester Josephine mit zum Briefverteilzentrum.
Glückliche Gesichter: Lara Selling konnte mit zweiwöchiger Verspätung ihr Geburtstagsgeschenk in Empfang nehmen. Zum Abholen kamen Vater Marc, Mutter Annika und Schwester Josephine mit zum Briefverteilzentrum.

Unternehmen verteilt Benachrichtigungen, dass Sendungen im Briefverteilzentrum in Süd in Empfang genommen werden können

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01. Juli 2015, 22:00 Uhr

Da leuchteten die Augen von Lara Selling. Endlich konnte sie ihr letztes Geschenk zum 8. Geburtstag in Empfang nehmen. Der war schon am 16. Juni. Doch wegen des Poststreiks war der Spielzeug-Vogel nicht rechtzeitig angekommen. Gestern hatte die Familie nun eine Benachrichtigung im Briefkasten: Ein Paket könne im Briefverteilzentrum in Süd abgeholt werden. „Wir werden heute noch einmal Geburtstag feiern“, sagte Vater Marc Selling. Er findet den Streik „grundsätzlich richtig“. „Aber die Situation nervt. Wir waren schon vom Kita-Streik gebeutelt.“

Wie Familie Selling kamen gestern auch viele andere Paket-Kunden nach Süd. Auch sie waren per Karte benachrichtigt worden, dass ihre Sendungen im Verteilzentrum, das von Streikposten der Gewerkschaft rund um die Uhr bewacht wird, zur Abholung bereit liegen.

Freude ebenfalls bei Christian Bartels: Drei Wochen nach der Bestellung bekam er endlich seinen Vietnam-Reiseführer. „Jetzt kann ich meine Reise im November vorbereiten.“ Bartels kann die Forderungen der Postmitarbeiter verstehen. „Dienstlich habe ich aber mit den Folgen des Streiks zu kämpfen. Ich brauche einfach Originalunterlagen mit Originalunterschrift.“ Eine E-Mail nütze ihm da nichts.

Gerd Schröder war froh, seiner Schwiegermutter helfen zu können. Die 85-jährige, gehbehinderte Dame hatte ein medizinisches Gerät zur Überprüfung nach Rostock geschickt, das sie dringend benötigt. „Ich habe gehört, dass die Streikkasse der Gewerkschaft noch bis September reicht. Wenn der Ausstand so lange dauert, vielleicht stellt sich heraus, dass die Post gar nicht mehr gebraucht wird“, so Schröder.

Manch Post-Kunde freute sich zwar, dass er sein Paket abholen konnte, wusste aber gar nicht mehr, was er da übers Internet bestellt hatte. „In einem Paket sind Schlafanzüge für meine Tochter“, sagte Susann Renk. „Was in dem anderen sein könnte, weiß ich schon nicht mehr.“ Und Markus Medzech konnte zwei von vier Sendungen in Empfang nehmen. „Ist alles für meine Modellbahnanlage“, so der Pampower.

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