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25. November 2017 | 12:34 Uhr

Kündigungspläne lösen Entsetzen aus

vom

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erstellt am 06.Mär.2012 | 08:57 Uhr

Altstadt | Nachdenkliche Gesichter, Betroffenheit, dann Entsetzen und Wut - das Drama, das sich gestern im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters abspielte, war kein Spiel. Generalintendant Joachim Kümmritz informierte seine 320 Mitarbeiter über das Sanierungskonzept, das die unabhängige Wirtschaftsprüfgesellschaft Wikom erarbeitet hatte. Dessen Eckpunkte sehen die Streichung von 79 Stellen im Theater vor, davon 67 durch Kündigung und zwölf durch Nichtverlängerung von Arbeitsverträgen sowie drastische Sparmaßnahmen in allen Bereichen. Die Fritz-Reuter-Bühne und das Puppentheater sollen geschlossen werden. So könnten bis 2016 insgesamt acht Millionen Euro gespart und der Spielbetrieb bei gleich bleibenden Förderungen von Stadt und Land gesichert werden, stellte Kümmritz mit zitternder Stimme die nüchterne Rechnung der unabhängigen Wirtschaftsprüfer vor.

Dann schlugen die Emotionen hoch. Die Mitarbeiter wollten wissen, warum keine Alternativen diskutiert würden, etwa die Schließung des E-Werks, Haustarifverträge, Sparen an Sachkosten. Der Intendant verwies darauf, dass dies alles bereits geprüft worden sei. Die Schließung der zweiten Spielstätte bringe kaum Einsparungen, würde aber Schauspiel, Ballett und Musiktheater ruinieren. Haustarife mit 13 bis 14 Prozent Lohnverzicht seien unmöglich, schon jetzt seien aufwändige Aufführungen aus dem Spielplan gestrichen, gespart werde vom Bühnenbild bis zum Schreibpapier. "Dieses Land ruiniert seine Theater", fasste er bitter zusammen. Denn die ausbleibende Dynamisierung der Landesförderung sei der Grund des Übels.

Diese Meinung teilen die Mitarbeiter, sie quittierten mit Applaus den Vergleich, den Ralph Reichel zum Landtag zog: Während dort ständig die Diäten der Abgeordneten erhöht und die Gehälter den Angestellten der aktuellen Tarif-Entwicklung angepasst würden, blieben die Theaterzuschüsse seit 17 Jahren auf gleicher Höhe. Jochen Fahr verwies darauf, dass eine Landesregierung sich lächerlich mache, die nur über eine Theaterstrukturreform rede, aber nichts entscheide. "Es gibt kein Gremium, das mit den Betroffenen berät. Diese Regierung verweigert nur", sagte er. Peter Meißner legte noch nach, bezeichnete es als zynisch, für 30 Millionen Euro ein Gebäude zu sanieren und es dann inhaltlich tot zu machen. "Wir müssen auf die Straße, wir müssen mit weit verbreiteter Unkenntnis und Lügen aufräumen, mit denen wir immer wieder konfrontiert werden", sagte Reichel - und Applaus füllte den Saal. Klaus Bieligk kündigte an, dass die Landtagsabgeordneten ganz konkret mit der Lage des Mecklenburgischen Staatstheaters, mit Zahlen und Fakten und den Fragen der Künstler und Kunstfreunde konfrontiert werden sollen.

Doch wie geht es jetzt weiter? Kümmritz betonte, dass das vorliegende Sanierungskonzept zunächst ein Plan sei, der unter ausschließlich wirtschaftlichen Aspekten erstellt worden sei. Der müsse jetzt zunächst durch die politischen Gremien beraten werden. Das sind Haupt-, Kultur-, Finanz-, Wirtschafts- und erneut der Hauptausschuss, bevor das Konzept als Beschlussvorlage der Stadtvertretung am 26. März vorgelegt wird. Parallel dazu werden Verhandlungen auf unterschiedlichen Ebenen geführt, so unter anderem mit den fünf beteiligten Branchengewerkschaften.

Und eine Botschaft sandten die 320 Mitarbeiter des Theaters noch aus: Trotz aller Differenzen und Reibereien zwischen den verschiedenen Bereichen wolle man zusammenstehen und gemeinsam für die Rettung des Hauses kämpfen.

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