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Bürgerinitiative "Lebensqualität erhalten" : Kritischer Blick auf Biogas-Anlage

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Mehr als vier Jahre leben die Langen Brützer mit der Biogas-Anlage ihres örtlichen Landwirtschaftsbetriebes. Besonders die Anwohner in der direkten Nachbarschaft fühlen sich zunehmend durch Lärm und Staub belästigt.

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erstellt am 03.Feb.2012 | 08:21 Uhr

Langen Brütz | Schon seit mehr als vier Jahren leben die Langen Brützer mit der Biogas-Anlage ihres örtlichen Landwirtschaftsbetriebes. Diese steht neben den Rinderställen am Ortsausgang in Richtung Kleefeld. Besonders die Anwohner in der direkten Nachbarschaft fühlen sich zunehmend durch Lärm und Staub belästigt. Und damit stehen sie nicht allein: Zu Beginn der Woche kamen mehr als 50 Langen Brützer zu einer Informationsveranstaltung im Gemeindehaus zusammen, 32 trugen sich am Ende in die Liste der Bürgerinitiative "Lebensqualität in Langen Brütz erhalten!" ein. Ein fünfköpfiger Sprecherrat wurde gebildet, Ansprechpartner ist Dr. Dieter Waedow. Eine E-Mail-Adresse wurde eingerichtet, sie lautet bi-lb@gmx.de.

Von der Resonanz zur Gründung einer Bürgerinitiative waren selbst die Initiatoren überrascht. Gleichzeitig sehen sie das als Auftrag, das Gespräch mit Vertretern der Langen Brütz Agrar GmbH sowie der Gemeinde zu suchen.

Das Hauptaugenmerk richtet sich auf eine Reduzierung der Verkehrsbelastung. In einem Forderungskatalog geht es um die "Einhaltung der Betriebsabläufe": Die Anzahl der Fahrten beim Befüllen der Silos, beim Transport von Gülle aus Kaarzer Ställen nach Langen Brütz und beim Ausbringen der Gärreste sollen verringert werden. Von einer Tempo begrenzung auf 30 km/h in Langen Brütz erhoffen sich die Bürger ebenfalls Verbesserungen. Die Fahrer des Landwirtschaftsbetriebes sollen freiwillig ab sofort langsam fahren, die Gemeinde soll das Tempolimit durchsetzen. Der Landwirtschaftsbetrieb soll Lärmschutzbauten errichten - insbesondere zu den Wohngrundstücken in der Kleefelder Straße. Die Bürgerinitiative fordert zudem, dass Biogas-Anlage und Ställe nicht weiter vergrößert werden. Die Einwohner fühlten sich in der Vergangenheit nicht ausreichend in die Planungsverfahren einbezogen.

Die Kontaktaufnahme der Bürgerinitiative zur Gemeinde war kein Problem. Bürgermeister Gunnar Weinke war bei der Zusammenkunft dabei, stand dort Rede und Antwort. Er unterstreicht, dass die Gemeindevertretung hinter der Entscheidung von vor fünf Jahren zur Errichtung der Biogas-Anlage steht. "Hier wird Energie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Und das macht der örtliche Landwirtschaftsbetrieb, da wird kein Raubbau an der Natur betrieben." Kritik an einer zu geringen Bürgerbeteiligung am Planverfahren wies er zurück. "Alles wurde in öffentlichen Sitzungen besprochen." Jedoch finden sich dazu nur wenige Bürger ein. Weinke sieht es positiv, dass sich jetzt mehr Einwohner einbringen wollen. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass im Dialog mit den Landwirten viele Fragen zu klären sind. Er will bei den Gesprächen mit am Tisch sitzen, damit gefundene Kompromisse umgesetzt werden.

Zur Agrar GmbH will der Sprecherrat der Bürgerinitiative in den nächsten Tagen Kontakt aufnehmen. Der Forderungskatalog liegt bereits auf dem Tisch von Betriebsleiter Mario Reich und Büroleiterin Dagmar Laugwitz. Verwundert sind sie darüber, dass die Planungsverfahren jetzt kritisiert werden. Denn diese seien korrekt gelaufen. Die Biogas-Anlage wurde vor fünf Jahren auf den Gelände der Rinderanlage errichtet. 2010 und 2011 wurde das Betriebsgelände ausgebaut - aber nicht die Biogas-Anlage. Statt vormals 400 Tieren dürfen jetzt 540 gehalten werden. Derzeit sind hier 442 weibliche Jungrinder zu finden. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstanden zudem Lagerhallen. Im Frühjahr werden dort noch Hecken als Sichtschutz gepflanzt. "Die Erweiterung unseres Standortes ist abgeschlossen", betont Laugwitz. Dass die Anwohner in den zurückliegenden Jahren eine höhere Verkehrsbelastung spürten, führt Reich auf die Bauarbeiten zurück. Er betont, dass schon allein aus wirtschaftlichem Interesse das Unternehmen an einem geringen Fahraufkommen interessiert sei. Das betrifft auch den Transport von Gülle aus Kaarz nach Langen Brütz, wobei das Fahrzeug stets über die B 104 und Kleefeld und somit nicht durch Langen Brütz fährt. Für die Ausbringung der Gärreste gelten zeitliche Beschränkungen. Die Landwirte müssen darauf achten, dass die Gärreste dann auf den Acker kommen, wenn sie als Düngemittel benötigt werden. Bei der Anlieferung der Silage müsse zwischen Mais- und Gras silage unterschieden werden. Mais wird einmal im Jahr geerntet, Gras dreimal. Die Silage wird nicht nur als Biomasse benötigt, sondern auch als Futter für die Jungrinder.

Mario Reich und Dagmar Laugwitz sind gesprächsbereit. "Das waren wir aber schon immer", erklärt Reich. So habe der Landwirtschaftsbetrieb auch in der Vergangenheit auf Wünsche der Anwohner reagiert und beispielsweise zusätzliche Dämmung an seinen Gebäuden angebracht, um den Lärmschutz zu verbessern. "Die Lärmschutzrichtlinien waren aber auch schon zuvor eingehalten worden", betont Reich.

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