zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 11:01 Uhr

Krimi um Literatur-Agenten geht in nächste Runde

vom

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2010 | 03:02 Uhr

Schwerin | Sie sind aus allen Wolken gefallen. Als die elf Mitarbeiter der Deutschen Literatur- und Verlagsgesellschaft gestern zum Dienst kommen wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Mehr noch: Die Schlösser waren über Nacht ausgewechselt worden. Warum, das konnte sich keiner der Angestellten erklären. Ob sie heute wieder zur Arbeit kommen sollen - sie wissen es nicht. "Wir hängen völlig in der Luft", beklagte sich gestern eine Betroffene gegenüber unserer Redaktion. Vorerst sei das Personal nach Hause geschickt worden. Ohne Erklärung.

Der Blick auf die Entwicklungen der Deutschen Literaturgesellschaft eröffnet fast so etwas wie einen Krimi der Verlagsbranche. Denn der Verlag hat seit Montag einen neuen Geschäftsführer. Und der ist nicht ganz unumstritten innerhalb der Autorenszene. Ganz im Gegenteil: In Foren warnen Betroffene unumwunden vor den Machenschaften des Rodja Smolny. Zwar sind die legal. Mit rechten Dingen geht es offenbar trotzdem nicht zu.

Rodja Smolny machte in der Vergangenheit mehrfach als Literaturagent von sich reden. Zunächst war Smolny Geschäftsführer eines eigenen Zuschussverlages - also einem, bei dem die Autoren dafür zahlen müssen, dass ihr Buch gedruckt wird. Mit "Mein Buch" oHG ging Smolny jedoch insolvent. Später tauchte er als Literaturagent des angeblich aus Schweden kommenden Verlags "Lindbergh und Well" wieder auf. Und da beginnt das Dilemma. Denn anscheinend hat Smolny Hunderte von unbekannten Autoren angeschrieben und ihnen seine Dienste als Agent angeboten.

Seriöse Literatur-Agenten sind dafür zuständig, vielversprechende Autoren und interessierte Verlage zusammenzubringen. Bezahlt werden sie per Provision, die vom Autorenhonorar abgezogen wird - so das Standard-Prozedere. Smolny allerdings soll nach einem Vertragsabschluss die freudige Meldung übermittelt haben, er habe einen Verlag für das Manuskript gewinnen können. Allerdings müsse zuvor ein Lektorat erfolgen. Dafür sei es notwendig, den in Basel sitzenden Dienstleister Merkammer zu beauftragen. Die anfallenden Kosten müsse der Autor aber selbst tragen. Immerhin bis zu 12 000 Euro wurden dabei fällig, wird in Internetforen beklagt. Angeblich soll Smolny wirtschaftliche Verbindungen sowohl zum Lektorat Merkammer als auch zu dem seinen Klienten angekündigten Verleger, der Deutschen Verlagsgesellschaft, gehabt haben. Nachdem das doch etwas dubiose Vorgehen Smolnys in immer mehr Internet-Foren Thema war, verschwand "Lindbergh und Well" von der Bildfläche. Drei Jahre ist das etwa her.

Nun ist Rodja Smolny zurück. Als Geschäftsführer der "Deutschen Literaturgesellschaft". Auch diese hat in der Vergangenheit bereits für Aufregung gesorgt. Der Zuschussverlag mit dem wohlklingenden Namen hatte nämlich eine Publikation mit dem Titel "Bücher könnte ich lassen, Oper nie!" herausgebracht. Auf dem Cover: Elke Heidenreich. Auch ein paar Texte der Autorin, die aus dem Archiv der FAZ stammten und durch den Verlag lizensiert worden waren, fanden sich in dem Buch. Heidenreich selbst war nicht gefragt worden - und klagte mit Erfolg. Das Buch musste vom Markt genommen werden.

Das Büro in Schwerin wird von Seiten der Deutschen Literaturgesellschaft als Standort für "Lager und Auslieferung" bezeichnet. Allerdings sollen auch hier Lektorentätigkeiten ausgeführt worden sein, berichtet eine Angestellte. Warum das Personal urplötzlich vor der Tür steht, dazu äußerte sich der Verlag nach Anfrage nicht. Smolny war gestern nicht zu erreichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen