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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 18:30 Uhr

Übergabe am 8. Mai : Kriegstoten Namen zurückgegeben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemeinschaftsgräber für Soldaten, Zwangsarbeiter und Verfolgte des Naziregimes auf dem Crivitzer Friedhof wurde neu gestaltet

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Für Günter Klugmann war es ein sehr persönlicher Moment, der ihn zugleich tief berührte: Der Parchimer Rentner legte auf dem Crivitzer Friedhof am Grab seines Schwiegervaters Wilhelm Wehde Blumen nieder. Der war als Überlebender des Todesmarsches mit Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen im Frühjahr 1945 in Crivitz gestrandet. Die Kleinstand wurde für ihn zum Lebensmittelpunkt, zur neuen Heimat. Der einstige Landarbeiter war von 1949 bis zu seinem Tode sogar Bürgermeister von Crivitz. „1954 war ich das erste Mal auf diesem Friedhof – zur Beerdigung meines Schwiegervater. Ganz Crivitz nahm damals von ihm Abschied“, erinnert sich Günter Klugmann.

Wilhelm Wehde erhielt als Verfolgter des Naziregimes ein Ehrengrab, das erste dieser Art in Crivitz – unmittelbar vor dem Gedenkstein für die Opfer des Todesmarsches. „Wir sind es den Toten schuldig, diese Gräber in Ehren zu halten. Sie erinnern und mahnen“, sagt Klugmann. Dabei schweift der Blick des Rentners rüber zu den anderen Grabanlagen auf dem Crivitzer Friedhof. 13 zu Tode gekommene Zwangsarbeiter und 18 namenlos gebliebene Kleinkinder von unbekannten Zwangsarbeitern fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem benachbarten Gräberfeld. Und auch 22 deutsche Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, wurden in einer weiteren Gräberreihe bestattet. Hinzu kommt auf dem Crivitzer Friedhof noch ein Einzelgrab eines weiteren Gefallenen.

All diese Gedenkstätten wurden in den zurückliegenden Monaten umgestaltet und restauriert. Ganz bewusst wurden sie am 8. Mai, am Tag der Befreiung von der Naziherrschaft und des Kriegsendes, wieder der Öffentlichkeit übergeben. „Das ist ein wichtiger Ort für alle Crivitzer, betonte Paul Freitag, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt. „Er soll uns an ein bestialisches System erinnern und mahnen, so etwas nie wieder zuzulassen.“

Ganz wichtig bei der Umgestaltung war, dass bislang unbekannte Opfer ihren Namen zurück erhielten. Günter Klugmann wusste immer, wo sein Schwiegervater seine letzte Ruhestätte fand, und er hält dieses Grab seit Jahrzehnten in Ordnung. Doch im Schatten der großen Friedhofsbäume wuchs viele Wildwuchs auf, alte Erinnerungstafeln verwitterten bis zur Unkenntlichkeit. Christiane Klemm aus Demen regte schon 2010 an, diese Grabanlagen neu zu gestalten. Als Geschäftsführerin des Parchimer Kreisverbandes vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge brachte sie sich seitdem unermüdlich mit Rat und Tat ein. Vor allem die Erinnerungstafeln für die Soldaten und die Zwangsarbeiter wurden erneuert sowie um Namen und Lebensdaten ergänzt. Nur vier Soldaten und die Kleinkinder bleiben namenlos. Sechs Steinkreuze und eine Stele wurden neu aufgestellt. Gärtner gaben den drei Analgen ein neues Gesicht. „Damit hat Crivitz einen würdigen Erinnerungsort“, betont Peter Bischoff, Parchimer Kreisvorsitzende des Volksbundes. In dem Altkreis seien damit alle bekannten Stätten mit Kriegsgräbern würdig gestaltet. Bischoff nahm in seinem Totengedenken zudem Gedanken seiner Vorredner Günter Klugmann und Paul Freitag auf: Die neu gestalteten Anlagen sind nicht nur eine Gedenkstätte für die Opfer aus den Zeiten der Naziherrschaft und des Zweiten Weltkrieges. „Krieg, Hass, Verfolgung und Terrorismus fordern auch heute Opfer. Das dürfen wir nicht vergessen“, so Bischoff. „Wir alle haben eine Verantwortung für den Frieden. Unsere Hoffnung ist die Versöhnung.“

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