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Letzte Ruhe auf dem Friedhof in Kladow gefunden : Kreuze erinnern an gefallene Soldaten

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Bewegender Moment: In Kladow fanden am vergangenen Freitag drei Tote des II. Weltkrieges ihre letzte Ruhestätte. Insgesamt ruhen fast 70 000 Kriegsopfer in 401 Orten unseres Bundeslandes.

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erstellt am 08.Okt.2012 | 04:17 Uhr

Kladow | Norbert Wolfram ist bewegt, als am Freitag die Steinmetze Fritz und Ralf Bohnhoff die Granitkreuze auf dem Friedhof in Kladow aufstellen. Ein Kreuz erinnert an Unteroffizier Anton Fuß, der am 1. Mai 1945 ums Leben kam, das andere an den Gefreiten Rudolf Lehmann, der am 17. April in Basthorst geboren wurde und im Lazarett Iserlohn am 1. März 1944 starb sowie an den Obergefreiten Willi Martens, der in Malchin geboren wurde und in Bad Reichenhall am 24. Juni 1943 starb. Der Forstbeamte Norbert Wolfram ist mit keinem der drei verwandt. Aber er hat mit dafür gesorgt, dass die Erinnerung an diese drei Kriegsopfer in Kladow zurückgekommen ist.

"Ich interessiere mich für die Geschichte meines Ortes", sagt Wolfram. Der 44-Jährige war dabei auf Aufzeichnungen gestoßen, die auf die Gefallenen hinwiesen. Da war im Archiv eine Anfrage des Deutschen Roten Kreuzes vom 19. Oktober 1971: "Nach einer uns zugegangenen Information wurden die in der Anlage genannten ehemaligen deutschen Wehrmachtsangehörigen auf dem Friedhof im Ortsteil Kladow bestattet. Wir bitten um Bestätigung der Grablagen", hieß es darin.

Über Anton Fuß bekam Norbert Wolfram eine ganze Menge heraus: Der Unteroffizier kam aus Österreich, diente bei einer Grazer Kompanie. Nach seinem Tod kurz vor Kriegsende wurde er am linken Straßenrand am Kilometerstein 13,7 an der B 321 in der Nähe des Waldschlösschens begraben und 1950 nach Kladow umgebettet. Das Grab in Kladow wurde durch die Familie von Kantor Neumann gepflegt. Ältere Dorfbewohner erinnern sich noch gut an die Grabstelle, die irgendwann zu DDR-Zeiten ihr Holzkreuz verlor.

"Es war eine Attraktion für Kinder, den Stahlhelm aufzusetzen, der am Holzkreuz befestigt war", berichtet Küsterin Evamarie Arens, die seit 1956 in Kladow wohnt. "Genau hier, wo das Kreuz steht, ist das Grab von Anton Fuß, denn hier blühen immer noch in jedem Frühjahr die Osterglocken."

Die neuen Grabkreuze - aus schlesischem Granit - haben sich am Wochenende bereits viele Kladower angeschaut, denn am Sonnabend war Herbstputz auf dem Friedhof angesagt. Gekostet haben die Steine die Gemeinde nichts, denn nach dem Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz) wird die Fürsorge für die Kriegsgräber im Inland vom Staat übernommen. Dieses Gesetz ist seit 1993 auch für die neuen Bundesländer gültig. Es sichert das dauernde Ruherecht für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und überträgt die Zuständigkeit für Anlage, Pflege und Instandhaltung der Kriegsgräberstätten auf die Bundesländer. In Mecklenburg-Vorpommern ruhen insgesamt 69 153 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf 602 Kriegsgräberstätten in 401 Orten. Hinzugekommen ist nun Kladow, ein Ort, den nicht einmal das Navi kennt. "Man muss Crivitz eingeben und eine Straße hier", sagt Norbert Wolfram. "Sonst wird man immer nach einem Kladow bei Berlin geschickt. Das muss mit der ehemaligen DDR zusammenhängen, als Kladow Ortsteil von Gädebehn wurde und nirgends mehr erwähnt war."

In der kleinen Kirche auf dem Friedhof gibt es noch weitere Gedenktafeln für andere Opfer von Kriegen. 15 Namen erinnern an Soldaten aus Kladow und Dörfern der Umgebung, die im I. Weltkrieg ihr Leben verloren hatten, eine weitere Tafel an Johann Waack, der am 28. April 1841 "zu Kölpin" geboren wurde und am 6. Februar 1871 als Grenadier vom 89. Regiment im Krieg gegen Frankreich starb. Eine dritte Tafel ist Otto, Fr., Dr. Wegener gewidmet. Er wurde am 4. September 1795 in Kladow geboren und starb am 20. Juli 1877 in Basthorst. Die Ehrentafel erinnert an seine Teilnahme am Befreiungskampf 1813 bis 1815 gegen die napoleonische Fremdherrschaft.

Jetzt kann in Kladow endlich auch der Opfer des letzten Weltkrieges gedacht werden, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden.

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