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Senioren in Schwerin : Kredite: Gehen Rentner leer aus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seniorenbeirat kritisiert Vergabepraxis bei Darlehen und bittet Stadt um Unterstützung - Banken verweisen auf Gesetzeslage

von
erstellt am 06.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Siegfried Schwinn spricht offen von „Diskriminierung“. Ältere Menschen in der Stadt hätten es schwer, bei Banken einen privaten Kredit zu bekommen, sagt der Vorsitzende des Schweriner Seniorenbeirates. Dabei gehe es insbesondere um Geld für kleine, altersgerechte Umbauten in der Wohnung. „Auch die Anschaffung eines Treppenlifts oder einer Badewanne mit Tür können aber schnell einen vierstelligen Betrag kosten, den viele Rentner eben nicht auf der hohen Kante haben“, erklärt Schwinn. Er wünscht sich mehr Entgegenkommen bei den Kreditinstituten. Zugleich appelliert der Seniorenbeiratschefs an die Stadt, sich des Themas anzunehmen, vielleicht sogar als Bürge aufzutreten.

Oberbürgermeister Rico Badenschier reagiert auf diesen Vorschlag allerdings zurückhaltend. „Die Stadt kann nicht für private Kredite bürgen“, erklärt er. Die Finanzierung von Baumaßnahmen im Wohnumfeld werde bei Pflegebedürftigen von den Pflege- und Krankenkassen gefördert. „Unsere Aufgabe als Kommune ist es, die kommunale Wohnungsgesellschaft so weit zu stärken, dass sie für ihre Mieter bezahlbaren barrierefreien Wohnraum zur Verfügung stellen kann“, so Badenschier.

Nach Angaben von Katrin Weltzien vom Schweriner Pflegestützpunkt haben Pflegebedürftige vom Pflegegrad 1 an Anspruch auf Finanzierung von wohnumfeldverbessernden Maßnahmen durch die Pflegekassen in Höhe von bis zu 4000 Euro. Bei Wohneigentum und wenn kein Pflegegrad vorhanden sei, bestehe die Möglichkeit, bei der Hausbank einen KfW-Kredit zu beantragen. Außerdem gäbe es ein Programm beim Landesförderinstitut, wo ebenfalls Mittel beantragt werden könnten, so die Mitarbeiterin des Pflegestützpunkts.

Und was sagen nun Banken zu der Kritik des Seniorenbeiratsvorsitzenden, ältere Menschen würden bei der Kreditvergabe benachteiligt? „Wir können diese Auffassung nicht bestätigen“, sagt Ulrich Kempf, Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Für die Aufnahme eines Modernisierungsdarlehens gäbe es bei der Sparkasse keine Altersbeschränkung, versichert er. „Wir begleiten unsere Kunden bis in das hohe Alter und versuchen, sie in jeder Situation zu unterstützen. In den meisten Fällen finden wir verträgliche Lösungen“, so Kempf. Die individuelle Lösung hänge freilich in jedem Fall mit der Bonität der Kunden zusammen.

Auf die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen verweist die VR Bank. Danach sei eine Neukreditvergabe an Rentner durchaus möglich, wenn auch in eingeschränktem Rahmen, sollte die Kreditlaufzeit die statistische Lebenserwartung des Kreditnehmers nicht übersteigen, sagt Bank-Sprecherin Ginett Höting. So habe die VR Bank entsprechende Grundsätze für die Kreditvergabe an Senioren entwickelt. „Selbstverständlich sollen auch nach unserer Strategie ältere Menschen nicht alleine deshalb in ihrer wirtschaftlichen Eigenständigkeit und finanziellen Flexibilität eingeschränkt werden, weil sie älter sind“, unterstreicht Höting. „Das Alter darf bei der Kreditwürdigkeitsprüfung tatsächlich keine Rolle spielen“, sagt Axel Drückler von der Verbraucherzentrale. Bisher hätten sich aber auch noch keine Senioren aus diesem Grund in der Zentrale beschwert.

 


 

 

 

 

 

 

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